Unsichtbare Hürden ernst nehmen Damit mehr junge Menschen mit Armutserfahrungen an internationaler Jugendarbeit teilnehmen, müssen nicht nur die sichtbaren Hürden abgebaut werden, sondern auch die inneren Barrieren und Zweifel. Viele fühlen sich nicht angesprochen, besonders dann nicht, wenn Angebote offen ausgeschrieben sind. Am besten hat bei uns die persönliche Einladung funktioniert – direkt in den Einrichtungen und Projekten, in denen die Jugend lichen ohnehin sind. Besonders wirkungsvoll war es, wenn Fachkräfte der internationalen Jugendarbeit diese Gespräche selbst führten. Inzwischen setzen wir auch auf den Peer-Effekt: Die Erzählungen und Entwicklungen ehemaliger Teilnehmender wirken überzeugender als jede offizielle Einladung. Die unsichtbaren Hürden sind wie ein Zusatzgepäck, das die jungen Menschen schon vorher eingepackt haben: Sorgen, dass sie nicht mithalten können, Angst aufzu fallen und die Überzeugung, dass das Angebot sowieso für andere gedacht ist. Dieses Zusatzgepäck Schritt für Schritt auszupacken, gehört ebenso dazu wie das Orga nisieren von Koffern. Die Lösungen, die wir als Träger für uns selbst gefunden haben, basieren auf unseren bisherigen Erfahrungen. Wir verfolgen den Grundsatz: Wer die Hürden kennt, kann sie auch abbauen. Es gibt bei uns nun einen Materialfonds für Kleidung, Koffer und Hygieneartikel, der nach Bedarf auch mit Sachspenden ausgestattet wird. Manche Gegenstände – etwa Schlafsäcke – können ausgeliehen werden. Wir stellen sicher, dass Reisekosten und bei Bedarf weitere
Ausgaben direkt übernommen werden, damit niemand in Vorleistung gehen muss. Und mindestens genauso wichtig ist die individuelle Begleitung, um gemeinsam Sorgen abzubauen und für jede Hürde eine Lösung fin den zu können. Bei unseren Vorstellungen der Angebote sagen wir den jungen Menschen immer, dass es unser Job ist, sie ins Ausland zu bringen. Dazu gehört, alle Hindernisse ernst zu nehmen und pragmatische Lösungen zu suchen. Es geht also nicht immer nur um zusätzliche finanzielle Unterstützung, sondern um Haltung. Die jungen Men schen sollen spüren, dass ihre Probleme ernst genom men werden und wir an ihrer Seite stehen. Das senkt die Hemmschwelle, sich überhaupt auf eine internationale Erfahrung einzulassen. Wir packen gemeinsam Koffer – nicht nur mit Kleidung, Pässen und Mückenspray, sondern auch mit Mut und der Erfahrung, dass Teilhabe möglich ist. Am Ende ent scheidet nicht der materielle Inhalt des Koffers über die Teilnahme, sondern die Haltung der Fachkräfte und die Bereitschaft, auch die kleinen, unscheinbaren Hürden ernst zu nehmen. Wenn wir diese überwinden, verän dert sich für junge Menschen das Große – und Türen öffnen sich zu Erfahrungen, die ihr Leben nachhaltig prägen können.
Kontakt Manuela Demel Projektmanagerin pewobe g GmbH Frankfurt/Oder Mail: demel@pewobe-ffo.de
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