beyond 02|2025

Der GYPI wurde am 18. Juni 2025 bei der Jahres­ konferenz der European Partnership for Democracy erstmals vorgestellt. Im Bild (r.): Nic Cheeseman aus dem GYPI-Forschungsteam während der Konferenz.

träger*innen und Regierungen stehen dabei im Fokus, weil wir möchten, dass Jugendorganisationen und zivil­ gesellschaftliche Strukturen diese Daten nutzen, um Druck auf sie auszuüben. Aber auch damit Individuen und politische Entscheidungsträger*innen einsehen: „Wir schneiden an der Stelle in der Tat nicht so gut ab – und jetzt haben wir das Werkzeug und die Daten, um Wirkung zu erreichen.“ Das ist in zweierlei Hinsicht wichtig: Auf der einen Seite soll der GYPI Regierungen zur Rechenschaft ziehen, in­ dem ihre Leistung in Vergeich zu anderen sichtbar ge ­ macht wird. Auf der anderen Seite dient er dazu, jungen Menschen und Wissenschaftler*innen eine solide Evi­ denzbasis zu liefern, damit sie auf den Stand der Dinge verweisen können. Er soll aber auch auf junge Menschen inspirierend wirken, indem sie wissen, dass er mit ihrer Mitwirkung und nicht etwa aus einem wissenschaftlichen Elfenbeinturm heraus geschaffen wurde. Man kann also festhalten, dass die Hauptzielgruppe auch diejenigen sind, die wir bei der Erstellung einbezogen haben. Um ein Beispiel zu nennen dafür, wie der GYPI Wirkung zeigen kann: Eine Jugendgruppe in Kenia möchte bessere Schutzmaßnahmen für informell Beschäftigte etablieren oder aufzeigen, dass junge Menschen in Kenia in legisla­ tiven Institutionen unterrepräsentiert sind. Sie kann sich in diesem Fall auf ihren sozioökonomischen Score von Kenia oder den Score in politischen Angelegenheiten be­ rufen und damit zeigen, dass sie sich nicht „nur“ auf ihre Erfahrung beruft, sondern die vorliegenden internationa­ len Daten dies darstellen. Die Wirkung besteht also darin, dass der Index Rechenschaft an der Spitze schafft, aber auch Grassroot-Initiativen stärkt.

Das Problem dabei ist nicht mangelndes Engagement ih­ rerseits, sondern es sind eher strukturelle und teils auch kulturelle Hürden, die eine volle Teilhabe verhindern. Der GYPI wurde entwickelt, weil Jugendbeteiligung zu lange nur Schlagwort und symbolische Einbindung war – ohne belastbare Daten dazu, wie junge Menschen tatsächlich einbezogen sind. Wenn junge Menschen wirklich die Zu­ kunft sind, dann müssen sie auch Plattformen und Räu­ me bekommen, um diese Zukunft zu gestalten. Der GYPI macht Beteiligung messbar und zeigt auf, in welchen Be­ reichen junge Menschen Beteiligungschancen erfahren und in welchen sie zurückgelassen werden. Darüber hinaus bietet der GYPI politischen Entscheidungsträger*innen und den jungen Menschen selbst eine Datengrundlage, auf der sie Veränderungen fordern können. Der Index wurde partizipativ entwickelt – unter Einbeziehung der Perspektiven von jungen Men­ schen und politischen Akteur*innen – mit dem Ziel, ein ge­ meinsames Werkzeug zu kreieren, das alle Beteiligungs­ räume und alle Bereiche widerspiegelt, die für Beteiligung notwendig sind. Dies geschieht unter der Maßgabe, dass wir Daten aus 141 Ländern erheben. Das bedeutet, dass nicht in jedem Land alle Informationen verfügbar sind und wir daher pragmatisch entscheiden müssen, welche Indikatoren aufgenommen werden können.

beyond: An wen richtet sich der GYPI und welche Wirkung wünschen Sie sich?

Brit Anlar: Von Beginn an war der GYPI ein ko-kreatives Projekt von politischen Entscheidungsträger*innen, jungen Menschen, Fachkräften im Bereich Jugend und Wissenschaftler*innen. Politische Entscheidungs-

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