beyond 2|2025
für uns entscheidend, eine Person vor Ort zu haben, die den Durchblick hat und uns Informationen auf Basis des Codebooks zur Verfügung stellt. Diese Standardisierung erlaubt es uns, Länder wie etwa Dänemark und Pakistan miteinander zu vergleichen, obwohl die Datenlage so un terschiedlich ist. beyond: GYPI betrachtet Jugendbeteiligung in vier Dimensionen, wovon eine die sozioökonomische ist: Wie wird die sozioökonomische Dimension definiert und wie hängt sie mit den anderen drei zusammen? Brit Anlar: Die sozioökonomische Dimension bildet über haupt das Fundament gesellschaftlicher Teilhabe. Sie umfasst Zugang zu Bildung, Übergänge von Ausbildung zu Beruf, Jugendarbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung unter Berücksichtigung der NEET-Raten 1 und Sozialver sicherungsschutz usw. von jungen Arbeitnehmer*innen. Kurz gesagt: Die sozialökonomische Dimension geht auf die Frage ein, ob junge Menschen wirtschaftlich abgesi chert genug sind, um sich überhaupt beteiligen zu kön nen. Es ist der Boden, auf dem alles andere steht.
Beispiel als politische*r Entscheidungsträger*in mitzu wirken, oft davon abhängt, Zugang zu Bildung zu haben – oder zu jener Selbstwirksamkeit, die mit den Faktoren der sozioökonomischen Dimension einhergeht. Erst die ser Zugang ermöglicht überhaupt die Vorstellung, dass man teilnehmen kann. Wenn also ein junger Mensch Schwierigkeiten hat, die Schule abzuschließen oder ar beitslos ist oder in einem prekären Arbeitsverhältnis, sind politische und zivilgesellschaftliche Beteiligung nicht einmal in seiner Reichweite. Daher ist diese Dimension zentral: Sie legt die strukturellen Barrieren offen, die Be teiligung zu einem Privileg für Einzelne macht statt zu ei nem Recht für Alle. beyond: Gehen wir ein wenig tiefer in diese Dimensi on: Wie spiegelt sie breitere strukturelle Probleme in der Gesellschaft wider? Auch unser Jugendgremium vertritt die Ansicht, dass die sozioökonomische Dimension für sie eine ganz zentrale Rolle spielt. Es ist, als wäre jede Dimension ein Zahnrad – wenn eines davon blockiert, insbesondere dieses, dann kommt das ganze System ins Stocken. Was bemerkens wert auffällig ist bei dieser Dimension: Die Ergebnisse sa gen nicht nur etwas über junge Menschen aus, sondern sie sagen eigentlich etwas über die Gesellschaft als Gan zes und wo die Interessen liegen. Jugend und Arbeitslo sigkeit sind klare Anzeichen dafür, dass eine Wirtschaft nicht oder nicht ausreichend Chancen inklusiv generiert. Niedrige Raten in den Bildungszugängen spiegeln unter finanzierte oder ungleiche Schulsysteme wider. Gender unterschiede in der Bildung stehen für fortbestehende genderspezifische Diskriminierung gesamtgesellschaft lich. Die Herausforderungen, denen junge Menschen im Spezifischen begegnen und die der GYPI präsentiert, stehen also nicht isoliert da, sondern sind Ausdruck ge samtgesellschaftlicher Ungleichheiten, von denen alle betroffen sind. Wenn wir einen Blick werfen auf die Er gebnisse in der sozioökonomischen Dimension, schauen wir darauf, wie tragfähig die gesellschaftlichen Grundla gen für Inklusion und Teilhabe sind, nicht nur für junge Menschen, sondern für alle. Wenn junge Menschen zu rückgelassen werden – worüber wir uns hier Gedanken machen – hat das Einfluss auf die Zukunft und das ge samte System wird im Ergebnis schwächer.
Wenn man sozioökonomische Inklusion auf diese Weise betrachtet, wird deutlich, dass die Möglichkeit, zum
1 NEET steht für Not in Education, Employment or Training, und meint hier die Rate der Jugendlichen, die sich nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulung befinden (Anm. der Redaktion)
37
Made with FlippingBook - Online catalogs