beyond 02|2025

Forschung

beyond: Gibt es hierzu konkrete Beispiele?

Unser Ziel war es vielmehr dazu anzuregen, die Inklusion und Teilhabe junger Menschen ganzheitlich zu betrach­ ten. Maßnahmen wie mehr Ausbildungsplätze, Lohnzu­ schüsse oder Einstiegsjobs sollten nicht isoliert gedacht werden, sondern in Verbindung mit allen Dimensionen – etwa: Wie sähen Erst-Ausbildungsprogramme in der Di­ mension der politischen Beteiligung aus? Oder wie könn­ ten neue Beteiligungsräume geschaffen werden? Ein nächster Schritt – und das ist sozusagen ein Follow- up zum Report – besteht darin, politische Empfehlungen auf Grundlage der aggregierten Ergebnisse über die verschiedenen Dimensionen hinweg zu entwickeln und zu zeigen, wie diese zusammenhängen. Ein Schritt wäre ebenfalls, Toolkits zu entwickeln darüber, wie die Da­ tensätze effektiv für politische Entscheidungsprozesse genutzt werden können. Im Bericht selbst finden sich be ­ reits einige Hinweise zur Stärkung von Jugendbeteiligung wie etwa Erhöhung der Wählerregistrierungen, Senkung des Wahlalters und ähnliche Ansätze in den anderen Di­ mensionen. Aber unser zentrales Anliegen ist es nun, unsere Ziel­ gruppen zu ermutigen, die Daten intersektional und umfassend zu nutzen und sich Gedanken darüber zu machen, wie die einzelnen Dimensionen miteinander verflochten sind. Der GYPI ist ein lebendiges Instrument, das regelmäßig aktualisiert werden sollte. Da es auf um­ fangreichen Datensätzen beruht, werden jedoch nicht alle Länder regelmäßig aktualisierte Daten zur Verfügung stellen, daher müssen wir aktuell strategisch planen, wie wir die Aktualisierungen vornehmen möchten. Außerdem sollen die länderbezogenen Kurzberichte er­ weitert werden. Diese werden uns dabei helfen, gezielte­ re Handlungsempfehlungen für die vier Dimensionen zu formulieren. Denn auch wenn junge Menschen weltweit ähnliche Herausforderungen erleben, können bestimm­ te Probleme in einem Land stärker ausgeprägt sein als in einem anderen. Deshalb möchten wir die Empfehlun­ gen zwar grundsätzlich breit halten, zugleich aber künftig auch kontextbezogene, länderspezifische Einblicke und Empfehlungen ergänzen.

Ich habe viel zu politischer Repräsentation junger Men­ schen geforscht und dabei zeigt sich, dass politische Re­ präsentation von der gesellschaftlichen Elite lebt. In den Fällen, in denen NEET-Raten sehr hoch sind, ist auch die Beteiligung junger Menschen in Regierungsvertretungen und politischen Ämtern sehr gering. In diesen Fällen se­ hen wir aber auch Hürden im zivilgesellschaftlichen Be­ reich, d. h. es zeigt sich oft auch geringere Beteiligung an zivilgesellschaftlichen Strukturen. Ich kann keine kon­ kreten Beispiele benennen, aber auf einer abstrakteren Ebene sehen wir deutliche Zusammenhänge zwischen sozioökonomischen Werten und politischer Partizipation.

beyond: Wie können die Ergebnisse in politische Empfehlungen übersetzt werden?

Der GYPI macht Schwachstellen sichtbar. Wenn wir kon­ kret Aspekte der sozioökonomischen Inklusion betrach­ ten, halte ich es für wichtig zu betonen, dass wir zwar aus den Daten von ILO oder der Weltbank erkennen können, dass ein Land an einer Stelle Schwierigkeiten hat, unter hohen NEET-Raten leidet oder konkreten Herausforde­ rungen begegnet. Was jedoch oft weniger wahrgenom­ men wird, ist, welche Folgen diese Probleme nach sich ziehen. Eine der Stärken des GYPI – und zugleich ein An­ satzpunkt für politische Handlungsempfehlungen – be­ steht also darin, dass man nun sehen kann, wie diese Dimensionen interagieren. Wenn ein Land etwa einen eingeschränkten Zugang zu Bildung hat, denken wir viel­ leicht zunächst an Investitionen in Stipendien, digitale Lernangebote oder Schulen im ländlichen Raum. Solche Verbesserungen können jedoch ebenso durch die Stär ­ kung zivilgesellschaftlicher Organisationen erreicht wer­ den, die ihrerseits z. B. Bildungshürden abbauen, oder indem man Räume für junge Menschen schafft, damit sie aktiver werden und Zugänge zu anderen Bildungsfor­ maten erhalten. Bislang liegen uns noch keine Anfragen zu Handlungs­ empfehlungen vor – das Ganze ist ja auch relativ neu und erst im Juni 2025 veröffentlicht worden. Wir tasten uns nun aber langsam in diesen Bereich vor und machen uns Gedanken darüber, wie wir in Bezug auf politische Hand­ lungsempfehlungen am besten vorgehen. Wir haben im GYPI keine konkreten Empfehlungen ausgesprochen, wie etwa gezielt mehr Einstiegsarbeitsplätze zu schaffen, wenn man an die sozioökonomische Dimension denkt.

beyond: Vielen Dank für das Gespräch.

Die aktuellen Daten des Global Youth Participation Index sowie einzelne Berichte sind auf der Homepage verfüg­ bar: https://gypi.epd.eu/

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