beyond 02|2025

beyond 2|2025

Das Interesse an Jugendprojekten mit der Ukraine ist trotz der schwierigen Situation hoch.

Viele gute Beispiele für die Zusammenarbeit

beschäftigen“, erzählte Starostin, „sie haben mit Eltern und Großeltern gesprochen und Fragen gestellt“. Auf einmal ist die Geschichte gar nicht so weit weg und lie­ fert Antworten auf die Frage, „Wer bin ich?“. Eine Frage, die gerade junge Menschen in der Ukraine angesichts des aktuellen Krieges stark beschäftigt. An guten Beispielen mangelt es also nicht. Auch nicht am Geld, das machte ein eigener Tagungsblock zur Finan­ zierung deutlich. Die Weichen für vielversprechende Projekte sind schon in der Vergangenheit gestellt wor ­ den. Nun kommt es darauf an, die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit auszuweiten und zu intensivieren – viele Teilnehmer*innen der Online-Tagung betonten diesen Wunsch und sind dafür offen. Für beide Seiten gibt es dabei etwas zu lernen, „zum Beispiel vom Mut der jungen Menschen in der Ukraine“, wie IJAB-Direktor Daniel Poli betonte. Das Interesse an der Veranstaltung war groß – etwa 160 Menschen aus der Ukraine und aus Deutschland hat­ ten sich angemeldet. Viele brachten ihre Vorstellungen ein und machten Vorschläge, wie es weitergehen könn ­ te. Die Organisatoren – NUMO, das Deutsch-Polnische Jugendwerk und IJAB – werden die Veranstaltung aus ­ werten und weitere Schritte planen. Für alle, die mehr Einblicke in die Online-Tagung gewin­ nen möchten, steht weiterhin die Download-Seite mit den Präsentationen 1 zur Verfügung.

„Unser Jugendorchester spielt häufig bei Beerdigungen von Soldaten“, berichtete Vita Kostiuk vom Jugendzent ­ rum Keneberg im Dorf Studjanka, „das ist für die Jugend­ lichen oft deprimierend und sie wissen nicht, wie sie mit dem Schmerz der Angehörigen umgehen sollen“. „Bei ihren Aufenthalten in Deutschland haben sie gelernt, dass ihre Musik auch Freude bereiten kann, dass die Menschen ihnen gerne zuhören und dass es sich lohnt, für solche Konzerte zu üben“, fuhr sie fort. Die THW-Jugend hat eine ukrainische Partnerorganisa­ tion, die „Schule der Sicherheit“. In einer Mischung aus Training und Jugendbegegnung werden junge Menschen zu Ersthelfer*innen im Katastrophenschutz ausgebil­ det. Sie sind zur Stelle, wenn russische Raketen einge­ schlagen sind und retten Leben. Svitlana Sydorets ist stolz, auf das Erreichte: „Wir bilden Multiplikator*innen aus, die ihr Wissen weitergeben. So haben wir 16.000 Ersthelfer*innen ausgebildet. Oleksandr Starostin von der Bildungsstätte Bredbeck führt deutsch-polnisch-ukrainische Begegnungen und Seminare zum Zweiten Weltkrieg durch. Die Last der Geschichte liegt schwer auf den drei Ländern: der deut­ sche Überfall auf Polen und die Sowjetunion, die Mas ­ saker ukrainischer Nationalisten an der polnischen Zivil­ bevölkerung in Wolhynien, die Rache der polnischen Heimatarmee an ukrainischen Zivilist*innen, der Kampf um Unabhängigkeit und nationale Selbstbestimmung – und doch scheint die Geschichte für viele junge Men­ schen weit weg zu sein. „Für viele junge Menschen ist es das erste Mal, dass sie sich mit ihrer Familiengeschichte

Kontakt Christian Herrmann IJAB / Referent für Öffentlichkeitsarbeit Mail: herrmann@ijab.de

1 https://ijab.de/sonderseiten/downloads-de-ua-2025

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