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POLEN Rüstungsindustrie sucht Partner
Die meisten polnischen Rüstungs- unternehmen produzieren für den heimischen Markt. Einige Modelle wie das tragbare Raketensystem Piorun oder das gepanzerte Fahrzeug Oncilla werden aber bereits auch exportiert – vor allem in die Ukraine. Steigt die Nachfrage, sollen zusätz- liche Werke entstehen. Auch deutsche Zulieferer profitieren: In polnischen Militärfahrzeugen kommen Motoren von MTU Solutions und Getriebe von ZF zum Einsatz. Polen investiert parallel in die Verteidigungsinfrastruktur. Entlang der Grenze zu Belarus entstehen im Rahmen des Programms Ostschild neue Verteidigungsanlagen. Bis 2028 sind dafür rund 2,3 Milliarden Euro vorgesehen.. Die hohen Ausgaben belasten die Staatskasse. 2024 lag das Defizit bei 6,6 Prozent des BIP. Zur Finanzierung hat das Ministerium für EU-Fonds rund 7,1 Milliarden Euro aus dem europäischen Wiederaufbaufonds für Verteidigungsprojekte umgewidmet – mit Zustimmung der EU-Kommission. Künftig könnte Polen auch vom EU-Programm SAFE profitieren, das zinsgünstige Kredite für gemeinsame Rüstungsprojekte bietet. Im Gespräch ist die Finanzierung neuer U-Boote, bei der auch deutsche, italienische und schwedische Firmen Chancen haben. GTAI/IHK Das polnische Verteidigungsministe- rium und das Nationalen Sicherheits- büro bieten einen Katalog mit allen großen Rüstungsunternehmen Polens in englischer Sprache: bbn.gov.pl/pl/wydarzenia/9962,The-Po- lish-Defence-and-Security-Equipment- Catalogue.html Polnische Unternehmen organisieren sich in der Kammer der nationalen Rüstungshersteller PIPnROK:
Die internationa- le Messe MSPO in Kielce : Polens wachsender Ver- teidigungsmarkt zieht Investoren und Technologie- partner aus Europa und Übersee an.
Leopard-2-Panzer für die polnische Armee modernisiert. PGZ baut zudem seine Munitions- produktion stark aus. Ab 2028 sollen bis zu 180.000 Artilleriegeschosse pro Jahr hergestellt werden – fast das Neunfache der aktuellen Menge. Dafür stehen rund 570 Millionen Euro von einem staatlichem Fonds bereit. Gemeinsam mit dem Chemie- konzern Azoty ist eine neue Schieß- pulverfabrik geplant. Über Lizenzen für großkalibrige Munition wird mit internationalen Partnern verhandelt, darunter der deutsch-französischen KNDS-Gruppe. Im Fahrzeugbau setzt Polen hingegen auf Eigenentwicklungen. So stammt der Schützenpanzer Borsuk von der PGZ-Tochter HSW und wird bereits in Serie produziert. Um die steigende Nachfrage der Armee zu decken, sollen die Produktionskapazitäten ausgebaut werden. Andere Werke des Konzerns sind einen Schritt weiter. Der Herstel- ler Jelcz baut für rund 167 Millionen Euro eine neue Fabrik, um Fahrgestelle für Luftabwehrsysteme und Mehrfach- raketenwerfer zu fertigen.
Polen steigert seine Verteidi- gungsausgaben deutlich. Mit 4,7 Prozent des Bruttoinlandspro- dukts (BIP) im Jahr 2025 liegt das Land innerhalb der NATO an der Spitze. Der Rüstungsetat dürfte zwischen 2025 und 2035 mehr als doppelt so hoch sein wie im Jahr- zehnt zuvor. Bisher fließen bis zu 80 Prozent der Mittel an ausländische Konzerne, vor allem aus den USA und Südkorea. Das Verteidigungsministe- rium will dies ändern und künftig rund die Hälfte der Beschaffungen an die heimische Industrie vergeben. Dafür sucht Polen verstärkt nach internationalen Technologiepartnern. Das private Unternehmen WB etwa plant gemeinsam mit dem südko- reanischen Hersteller Hanwha die Produktion von Raketen. Auch der staatliche Konzern PGZ arbeitet mit südkoreanischen Partnern zusam- men. Die PGZ-Tochter Bumar-Łabędy soll künftig Kampfpanzer des Typs K2 der Hyundai Rotem in Polen montie- ren und Begleitfahrzeuge herstellen. Bereits zuvor hatte Bumar-Łabędy zusammen mit Rheinmetall mehrere
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