AMERIKAS
USA Abgrenzung von Arbeitnehmern
(U.S. Department of Labor – DOL) wieder auf ältere Leit- linien zurück, etwa das Fact Sheet #13 aus dem Jahr 2008. Diese Standards gelten als arbeitgeberfreundlicher, da sie die Einstufung von Beschäftigten als unabhängigen Auf- tragnehmer erleichtern. Rechtsunsicherheit für Unternehmen Die Situation ist dadurch komplex, da in behördlichen Vollzugsverfahren nun wieder die älteren Leitlinien zur Anwendung kommen, während die Vorgaben aus 2024 in laufenden Gerichtsverfahren weiterhin berücksichtigt werden können. Hinzu kommt, dass mehrere Klagen gegen die Neuregelungen anhängig sind und eine endgültige Entscheidung über deren Aufhebung noch aussteht. Unter- nehmen sowie Beschäftigte sehen sich daher mit einer erheblichen Rechtsunsicherheit konfrontiert. Neben den bundesrechtlichen Vorgaben existieren in den USA eigenständige Regelungen der US-Bundesstaa- ten. Besonders bekannt ist zum Beispiel die kalifornische Assembly Bill 5, die seit 2020 für viele Branchen eine gesetzliche Vermutung des Arbeitnehmerstatus vorsieht, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Auch Bundesstaaten wie Massachusetts oder New Jersey ver- folgen restriktivere Ansätze und nutzen sogenannte ABC- Tests, bei dem die Unternehmer nachweisen müssen, dass ein Auftragnehmer tatsächlich unabhängig ist. Andere Bundesstaaten wie Texas und Florida halten dagegen an liberalen Standards fest und gewähren Unternehmern größere Flexibilität. Damit entsteht ein Flickenteppich, da die Leitlinien auf Bundesebene nicht notwendigerweise mit den Grundsät- zen der einzelnen US-Bundesstaaten übereinstimmen. Für landesweit tätige Unternehmen bedeutet das erheblichen Anpassungsaufwand und das Risiko widersprüchlicher rechtlicher Bewertungen. Ausblick Die künftige Entwicklung hängt sowohl von gericht- lichen Entscheidungen als auch von weiteren politischen Weichenstellungen ab. Klar ist: Die Einstufung von Beschäftigten bleibt ein hoch umkämpftes Feld, in dem Bundesrecht und das Recht der einzelnen US-Bundestaa- ten nicht immer deckungsgleich sind. Für Unternehmen wie für Beschäftigte ist die Transparenz über die jeweiligen Standards jedoch entscheidend, um rechtliche Risiken zu vermeiden. GTAI/IHK Das Fact Sheet #13 ist auf der Website des U.S. Department of Labor abrufbar:
Auftragnehmer oder Angestellter? Bei der Einstufung von Arbeits- verhältnissen stehen Unternehmen in den USA derzeit vor recht- lichen Unklarheiten.
Die Abgrenzung zwischen Arbeitnehmern (emp- loyees) und unabhängigen Auftragnehmern (independent contractors) ist in den USA seit Jahren umstritten. Für Beschäftigte entscheidet sie über Mindestlohn, Überstundenvergütung, Sozialleistungen und arbeitsrechtlichen Schutz. US-Unternehmen betonen wiederum die Notwendigkeit flexibler Vertrags- modelle. um Arbeitskräfte bedarfsgerecht und projekt- bezogen einzubinden. Bundesrechtliche Neuregelungen Anfang 2024 wurde auf Bundesebene eine neue Regel eingeführt, die die Kriterien für die Einstufung verschärfte. Sie basierte auf einem sechsstufigen „economic realities test“, bei dem unter anderem Faktoren wie die Kontrolle durch den Auftraggeber, die Dauer der Arbeitsbeziehung und die Einbindung in die unternehmerische Tätigkeit insgesamt berücksichtigt worden sind. Ziel dieser Rege- lung war es, mehr Beschäftigten den Arbeitnehmerstatus zusprechen zu können. Seit Mai 2025 wird diese Regel jedoch nicht mehr an- gewendet. Stattdessen greift das US-Arbeitsministerium
dol.gov/agencies/whd/fact-sheets > Number 13
12
IHK Global Business 11/2025
ihk.de/rhein-neckar
Made with FlippingBook Learn more on our blog