AMERIKAS
CHILE Sekundärbergbau vor dem Durchbruch
Hintergrund bereitet die Tailings von El Teniente nach Kupfer und Molybdän auf und trägt damit rund 9 Prozent zum Kupferausstoß der Mine bei. Darüber hinaus gibt es klei- nere Initiativen im Norden etwa zur Gold- oder Eisenrückgewinnung. Der bisher geringe Fortschritt beim Sekundärbergbau liegt vor allem an fehlenden Regelungen. Wer Abraum nutzen wollte, musste bislang den kompletten Genehmigungsprozess eines Bergbauprojekts durchlaufen – mit immensen Kosten. Dies soll sich ändern: Im Rahmen der „Política Nacional de la Minería 2050“ arbeitet das Bergbauminis- terium an neuen Leitlinien für die Nutzung von Tailings. Bis 2026 sollen konkrete Vorgaben zu Genehmigung, Eigentumsfragen und Anreizen für die Kreislaufwirtschaft vorliegen. Anbieter von Ingenieurlösungen dürften bei Bergbaufirmen zuneh- mend Gehör finden. Denn sinkende
Gewaltige Halden und Becken mit Aufbereitungsrückständen (englisch: tailings; spanisch: relaves) sind das Erbe des seit Jahrhunderten in Chile betriebenen Bergbaus. Der steigende Weltmarktpreis für Kupfer und der schwierigere Abbau primärer Lagerstätten machen ihre Wiederauf- bereitung zunehmend rentabel. Bis 2026 will Chile den hierfür fehlenden gesetzlichen Rahmen schaffen. Es existieren bereits alte Halden, die einen höheren Kupfergehalt aufweisen als heutige Primärvor- kommen. Deren Abbau lohnt sich dank moderner Technologie und in Anbetracht des hohen Kupferprei- ses. Neben Kupfer könnten in den Rückständen auch andere Rohstoffe enthalten sein. Hierzu zählten Gold, Silber, Molybdän, Kobalt, aber auch seltene Erden. Ein Blick lohnt sich speziell auf die Reste aus den Kon- zentrations- und späteren Verarbei- tungsprozessen bis zur Schmelze, da die Betreiber oft nur das Kupfer extrahierten, andere Stoffe aber weg- warfen. Insgesamt beziffert der staatliche geologische Dienst Sernageomin (Ser- vicio Nacional de Geología y Minería) den Umfang der Tailing-Lagerstätten Chiles auf 11,4 Milliarden Tonnen. Die Deutsche Rohstoffagentur DERA kam in ihren Berechnungen sogar auf Abbaurückstände aus dem Kupfer- bergbau allein zwischen 1950 und 2024 von etwa 19 Milliarden Tonnen. Mit den viel kleineren Fördermen- gen von Gold, Blei oder Zink ergäben sich 20 Milliarden Tonnen. Bereits 795 Tailingbecken wurden in Chile kartiert. Für eine wirtschaftliche Nutzung sind jedoch genauere Unter- suchungen nötig. Trotzdem gibt es in Chile nur wenige Beispiele für den Sekundärberg- bau. Paradebeispiel ist Minera Valle Central. Die Firma mit kanadischem
Erzgehalte und steigende Energie- und Umweltkosten erschweren die Erschließung von Lagerstätten. Alte Halden aufzubereiten bietet Vorteile, da das Gestein bereits zerkleinert ist. Dabei wird moderne, auf KI, Sensorik und Automatisierung gestützte Moni- toring- und Analysetechnik benötigt, um Sicherheitsrisiken in den Minen zu minimieren. Neue Chancen bringt auch der fort- schreitende Übergang zum Untertage- bau. Abraum kann hierbei als Füll- material zurück in die Mine gebracht werden. Dies reduziert Risiken, trägt zur Stabilität der Minen bei und mini- miert Umweltbelastungen. Für stabile Untertagebauten sind entwässerte, aushärtende Füllsysteme nötig – eine Technik, in der deutsche Unterneh- men viel Erfahrung besitzen. Der steigende Bedarf an sicheren Rück- verfüllungssystemen eröffnet neue Geschäftschancen im chilenischen Bergbau. GTAI/IHK/AHK
Gigantische Vorkommen: Bislang wird Kupfer in Chile primär im Tagebau gewonnen, wie hier im Kupferbergwerk Chuquicamata in der nordchilenischen Atacama-Wüste.
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IHK Global Business 11/2025
ihk.de/rhein-neckar
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