IHK-Global Business Ausgabe 11/2025

ASIEN-PAZIFIK

INDONESIEN / EU Welche Vorteile bietet das Freihandelsabkommen?

Welche Produkte profitieren besonders?

Die neuen Ursprungsregeln garantieren, dass nur Produkte mit ausreichender Wertschöpfung in der EU oder in Indonesien von Zollpräferenzen profitieren. Durch eine neu eingeführte Selbstzerti- fizierung sinkt der Verwaltungs- aufwand, insbesondere für KMU. Das Abkommen schafft zudem ein faires digitales Handelsumfeld und verbietet Zölle auf elektronische Übermittlungen. Ein weiteres Ziel des CEPA ist es, technische Handelshemmnisse zwischen den beiden Ländern zu beseitigen. Für Schlüsselsektoren wie Maschinen, Elektronik und energieeffiziente Produkte stimmte Indonesien zu, Zertifikate und Prüf- berichte von in der EU ansässigen, akkreditierten Stellen zu akzeptieren. Dadurch entfällt die Notwendigkeit einer teuren und zeitaufwändigen Prüfung und erneuten Zertifizierung in Indonesien. Sicherung der Rohstoffversorgung Das Abkommen zielt auch darauf ab, stabile und zuverlässige Lieferketten für kritische Rohstoffe zu gewährleis- ten. Indonesien ist ein bedeutender Lieferant von Rohstoffen wie Nickel, das für die Batterieproduktion in der Elektromobilität essenziell ist. Das Abkommen soll die Abhängigkeit von anderen Lieferanten verringern. Zudem gelten für bestimmte Waren- tarifnummern von Palmöl zollfreie Importquoten. Nächste Schritte Nach Abschluss der rechtlichen Prüfung beginnen nun die Ratifizie- rungsprozesse in beiden Parlamenten. Bei Zustimmung könnte das Ab- kommen am 1. Januar 2027 in Kraft treten.

Am 23. September 2025 haben die EU und Indone-

sien die Verhandlungen über ein umfassendes Wirtschaftspartner- schaftsabkommen (Comprehensive Economic Partnership Agreement, CEPA) abgeschlossen. Für die international vernetzte deutsche Wirt- schaft ist das eine erfreuliche Nach- richt: Mit über 285 Millionen Einwoh- nern und einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,4 Billionen US-Dollar ist Indonesien der größte Binnenmarkt unter den boomenden ASEAN-Staa- ten. Abbau von Handelshürden Im Jahr 2024 belief sich der Waren- handel zwischen der EU und Indo- nesien auf 27,3 Milliarden Euro. Die EU importierte Waren im Wert von 17,5 Milliarden Euro und exportierte Güter im Umfang von 9,8 Milliarden Euro. Durch das CEPA entsteht nun eine fast vollständige Freihandels- zone – 98 Prozent der Zölle sollen mit Inkrafttreten des Abkommens abge- schafft werden. Bereits zum Zeitpunkt des Inkrafttretens sollen 80 Prozent der Produkte zollfrei sein. Insgesamt werden die EU-Exporteure etwa 600 Millionen Euro pro Jahr an Zöllen sparen. Besonders in Branchen wie Auto- mobilindustrie, Maschinenbau und Chemie eröffnen sich neue Absatz- und Kooperationsmöglichkeiten in einem dynamischen Wachstums- markt. Etwa 15.000 kleine und mittlere Unternehmen aus der EU exportieren bereits heute nach Indonesien – künftig profitieren sie von deutlich besseren Wettbewerbs- bedingungen. Durch das Abkommen werden zudem 221 europäische geografische Angaben für landwirt- schaftliche Erzeugnisse und Lebens- mittel geschützt.

Produkt- gruppe

Aktuelle Zollsätze auf EU- Produkte

Geplanter Zollabbau

50 Prozent

Automobile

schrittweiser Wegfall von Zöllen inner- halb von fünf Jahren bei Inkrafttreten größtenteils zollfrei

15 Prozent

Maschinen und Elektronik

Arzneimittel

15 Prozent

bei Inkrafttreten größtenteils zollfrei

Chemikalien

25 Prozent

bei Inkrafttreten größtenteils zollfrei

Verarbeitete Lebensmittel

30 Prozent

bei Inkrafttreten größtenteils zollfrei

10 Prozent

bei Inkrafttreten größtenteils zollfrei

Milch- erzeugnisse

Fleischer- zeugnisse

5 – 20 Prozent

bei Inkrafttreten größtenteils zollfrei

QUELLE: EU-KOMMISSION, ACCESS2MARKETS

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