RZ_KW09_2017

AZA 4125 Riehen 1

3. März 2017

Riehener Zeitung DI E WOCHENZE I TUNG FÜR R I EHEN UND BETT INGEN

96. Jahrgang | Nr. 9

Redaktion und Inserate: Riehener Zeitung AG Schopfgässchen 8 , Postfach 198 , 4125 Riehen 1 Telefon 061 645 10 00 , Fax 061 645 10 10 www.riehener-zeitung.ch Erscheint jeden Freitag Preis: Fr. 2.– , Abo Fr. 80.– jährlich

Morgestraich: Erinnerung an den Fasnachtsauftakt vor 50 Jahren Seite 2

Flüchtlinge: «Begegnung und Bewegung» in der Sporthalle Niederholz Seite 3

Videokunst: Blick zurück mit Ausstellung «Rewind 1997» im Kunst Raum Seite 5

Volleyball: Frauen des KTV Riehen noch ein Sieg vom Playoff-Final entfernt Seite 11

Seite 8–9

AnnAlen Die «Chropf-Clique-Rieche» spielte vor und nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Gedanken, in Riehen einen eigenen Umzug durchzuführen

Wie Riehen beinahe zu einer eigenen Fasnacht kam

Die Chropf-Clique in der Rössligasse (1939) mit dem Sujet «Schwoobe-Maitli-Misere».

1947 vor der Mustermesse Basel mit dem Sujet «S’ Blauschdepartemänt am Sammle».

1949 vor der Dorfkirche Riehen mit dem Sujet «Dr Hottedotte-Helge am Niederholzschuelhuus».

1958 auf dem Barfüsserplatz (Seibi) mit dem Sujet «S’ Riechemer-Schugger-Masse-Erholigsheim». Fotos: zVg

An der letzten Fasnacht nahm die Chropf-Clique die Fifa und insbesondere Sepp Blatter auf die Schippe. Foto: Archiv RZ Véronique Jaquet

Guggen immorgendlichen Dorf und Schnitzelbänke in den Beizen: In Riehen gabs mal einen Hauch von Fasnacht. Der Plan eines eigenen Umzugs kam aber nie zustande. Ob Allschwil, Binningen oder Birsfel- den: So manche Gemeinde, die nur einen Katzensprung von Basel ent- fernt ist, hat ihre fasnächtlichen Um- züge. Vielleicht wird sich schon ein mancher gefragt haben, wieso denn ausgerechnet die grösste Gemeinde der Nordwestschweiz kein närrisches Treiben kennt. Zwar gab und gibt es Cliquen, Wagen und Guggen, die im Dorf verwurzelt sind. Diese orientie- ren sich jedoch ganz nach den «drey scheenschte Dääg» in Basel. Man den- ke etwa an die mittlerweile ver- schwundenen «Räblys» von 1953 oder Michel Schultheiss

gründete «Chropf-Clique-Rieche», die noch immer als zweitältester Wagen besteht. Sie war so etwas wie ein Hansdampf in allen Gassen: Einer- seits war sie schon in der Zwischen- kriegszeit als Wagenclique am Cor- tège mit dabei, andererseits aber auch als Guggenmusik. Zudem sorgte sie mit Schnitzelbänken und Kehraus- bällen im «Rössli» auch in Riehen für Stimmung. Fasnacht zur gleichen Zeit wie in Allschwil Somit gab es auch in Riehen so et- was wie eine Fasnacht, doch ohne Tambouren und Pfeifer. Die Sujet- wahl für die Aktivitäten an beiden Or- ten sorgte immer wieder für Debatten: Die Riehener Clique wollte das Ge- schehen aus demDorf ausspielen, was aber in der Stadt mangels Bekanntheit nicht gut ankam. Es gab aber auch Ausnahmen. Sowurdedas geschichts- trächtigeRiehener Frauenstimmrecht von 1958 in der darauffolgenden Fas- nacht thematisiert. Es war ein dichtes

Reklameteil Em Bebbi sy Mählsuppe frisch gekocht vom Gasthof Ochsen Mit der Zeit wurde das volle Pro- gramm einfach zu viel und die Riehe- ner konzentrierten sich ganz auf den Wagen. Aus der Gugge gingen übri- gens die «Schränz-Gritte» hervor: Mit- glieder der Chropf-Clique und der Feldmusik Basel gründeten diesen Ableger. Auch mit den Bängg in Rie- hen war in den 1960er-Jahren mal Schluss: Die Wirte wollten keine Bei- träge mehr leisten. 1968 wurde das Schnitzelbanksingen in Riehener Bei- zen definitiv eingestellt. Dasselbe ge- schah dann auch mit den Kehraus- bällen: Der letzte fand 1972 statt – zu aufwendig war das. Somit ist von der Riehener Fasnacht nicht mehr viel übrig. Die Chropf-Clique ist aber auch dieses Jahr als Riehener Beitrag am Cortège so aktiv wie eh und je. Leute von der Chropf-Clique jeweils um 9 Uhr für ein Ständeli nach Rie- hen, um am Nachmittag dann wieder beim Cortège anzutraben. Ab 1968 gabs kein Schnitzelbanksingen mehr

an die «Landi Gugge» (1983). Zudem waren die «Rauracher Rueche» ur- sprünglich imNiederholz aus der Tau- fe gehoben worden (siehe «Rendez- vous» auf Seite 3), zügelten aber ihre Aktivitäten später ins festlichere Ba- selbiet. Riehen ist somit eine fas- nachtsfreie Zone. Natürlich ist diese Schlussfolge- rung nicht ganz richtig: Keineswegs soll an dieser Stelle die Riehener Schulfasnacht vergessen werden, die alle zwei Jahre stattfindet. Geht es aber um die Erwachsenen, so konzen- triert sich das bunte Geschehen ganz auf die Stadt. Das war aber nicht schon immer in Stein gemeisselt. Wie Nico- las Jaquet im Riehener Jahrbuch von 1980 schrieb, gab es imDorf durchaus Ansätze zu einem eigenen Brauch- tum. Erst waren es Traditionen aus dem alemannischen Raum, die über die Grenze vordrangen. Nichts damit zu tun hatten jedoch die Cliquenakti- vitäten im 20. Jahrhundert, die im Dunstkreis der Basler Fasnacht aufka- men. Zugpferd war hier die 1930 ge- mf. Für den Weiterbestand der Reha Chrischona am jetzigen Ort wurde amDienstag eine Petition eingereicht. 1115 Unterschriften hat Meta Fischer- Luchetta aus Riehen dem Präsidenten des Bürgergemeinderats der Stadt Basel geschickt. «Die Unterzeichne- ten ersuchen den Bürgergemeinderat, der Integrierung der Reha Chrischona ins Felix Platter-Spital nicht zuzu- stimmen. Sie wollen, dass die Reha am jetzigen Standort im Grünen er- halten bleibt», so der Text der Petition, der noch deutlicher wird: «Die Unter- zeichneten würden sich im Bedarfs- fall weigern, ins Felix Platter-Spital verlegt zu werden, eine kantonale Alternative wählen oder zur Erho- lung eine ausserkantonale oder in Deutschland gelegene Reha suchen.» Fischer kennt die Reha Chrischona aus Sicht der Patientin. Sie seimehrere Male dort gewesen, auch ambulant

Programm für die «Aktiven»: Cortège am Montag- und Mittwochnachmit- tag in der Stadt, «Bängg» am Abend in Riehener Beizen. Nach diesem Tanz auf mehreren Hochzeiten waren die Fasnächtler ganz schönmüde. Wie Ni- colas Jaquet nach dem Studium alter Vereinsakten und Protokollbücher herausfand, fragte die Chropf-Clique 1937 beim Polizeidepartement an, ob man die Fasnacht in Riehen nicht zur gleichen Zeit wie die Allschwiler Fas- nacht durchführen könne. Auch anno 1948 kam es zu einer solchen Anfrage. Allerdings ist nicht bekannt, ob der Vorschlag einmal ernsthaft mit den Behörden erörtert wurde. Jedenfalls ist es bis heute nicht so weit gekom- men. So blieb es noch eine Weile bei diesem Hin und Her zwischen Stadt und Dorf. Bereits am Morgestraich – wo die Guggen bis 1962 noch mitmar- schieren durften – waren die Riehener dabei. Stressig muss es gewesen sein in den 1950er- und 1960er-Jahren: Nach dem Morgestraich zogen die stellte aus Angst um ihren Job in eine Art Schockstarre gerieten», erklärt die Petentin ihre Beweggründe, die Sache in die Hand zu nehmen. Rein finanzielle Überlegungen dürften nicht den Ausschlag geben, die wirtschaftlich erfolgreiche Insti- tution aufzugeben, findet Fischer. Wenn die Bürgergemeinde die Reno- vationen nicht mehr übernehmen wolle, sei ein Verkauf der Klinik, zum Beispiel ans Felix Platter-Spital, eine Möglichkeit, den Weiterbestand zu sichern. Auch dass Kaderstellen nach Kündigungen durch Personal des Felix Platter-Spitals besetzt worden sind – offenbar, obwohl in- ternes Personal interimistisch zur Verfügung gestanden hätte –, sei inakzeptabel, da damit Tatsachen geschaffen worden seien, bevor der Bürgergemeinderat darüber abge- stimmt hat.

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Petition Über 1000 Personen wenden sich an den Basler Bürgergemeinderat

Patientinnen kämpfen um Reha Chrischona

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Gesundheit im Alter Schützengasse 37/60 4125 Riehen Tel. 061 266 99 11

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zur Therapie. «Als bekannt wurde, dass die Reha geschlossen werden soll, stellte ich fest, dass viele Ange- Die Reha Chrischona vom Garten her gesehen. Foto: zVg

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