P.M. History

Spitzmarke

lichen Handelspartnern Rohstoffe und Luxusprodukte wie Ebenholz, Elfen- bein, Gold und Straußenfedern. Es steckt wohl unverhohlener Neid auf diese hohen Standards dahinter, sodass die ägyptischen Begehrlichkei- ten auf den südlichen Nachbarn immer größer werden. Die Könige der 18. Dy- nastie wollen nicht länger zusehen. Der große Konkurrent muss weg. Ab etwa 1500 v. Chr. dringen die Pharaonen Thutmosis I., II. und III. nacheinander ins Obernubische ein, auf Schiffen – und das trotz der Nil-Katarakte, von denen die Nubier glauben, sie würden die Invasoren abhalten. Die Kämpfe um Kerma dauern lange, aber am Ende ist die Stadt erobert und zerstört. Als Zei- chen seines Sieges hängt Thutmosis I. den Körper des besiegten nubischen Widersachers an den Bug seines Kriegs- schiffes und kehrt mit dieser Trophäe nach Theben zurück. Doch erst Thutmosis III. kann den Krieg nach fast 100 Jahren beenden und das Kusch-Reich größtenteils unterwer- fen. Er verschiebt die südliche Grenze Ägyptens zum vierten Nil-Katarakt und etabliert Napata als Grenz- und Han- delsstützpunkt. Und gehandelt wird vor allem Gold, das Zwangsarbeiter im Land unter grausamen und härtesten Bedingungen aus dem Boden pressen. Statt von Königen wird das Reich jetzt von einem vom Pharao eingesetzten Beamten regiert. Das einst so stolze Land sinkt zur ägyptischen Provinz herab, ja zu einem militärisch besetz- ten Gebiet mit einem aufgezwungenen fremden Verwaltungssystem. Rund 400 Jahre braucht Kusch, um sich erneut zu erholen, begünstigt auch dadurch, dass sich die Ägypter ihrer- seits wieder gegen Norden zurückzie- hen. Es gibt dort Probleme mit

WERKSTATT In Kerma freigelegte Schmelzöfen zur Verarbeitung von Metallen und Keramiken

entgegenzusetzen. Stadt um Stadt fällt an Pije und seine Truppen, bis diese schließlich, am Nildelta stehend, sie- gen. Jetzt ist Ägypten unter nubischer Herrschaft. Aber die Nubier zahlen einen hohen Preis. Um den Krieg wei- terzuführen, muss Pijes Nachfolger Schebitko bis nach Palästina ziehen. Mithilfe der Assyrer schlagen die Ägypter um 590 v. Chr. unter Pharao Psammetich II. zurück. Durch fremde Söldner verstärkt, kann dessen Heer die Kuschiten unter König Aspelta besie- gen und die mehr als 100-jährige Phase der „schwarzen Pharaonen“ schließlich wieder beenden. Keine Erinnerung daran soll er- halten bleiben. Aspeltas Palast wird niedergebrannt, die Insignien seiner Dynastie werden demoliert. Psam- metich lässt die Kusch-Pharaonen aus dem Gedächtnis des Volkes tilgen. Er manipuliert dafür königliche Inschrif- ten. Sein Furor zeigt sich auch an den sieben tonnenschweren Granitstatuen, die Bonnet 2003 in Kerma ausgraben kann. Psammetichs Häscher köpfen die Steinkolosse, verstümmeln ihre

Fürstentum regruppieren und noch einmal 250 Jahre später als Königreich von Kusch wiedererstehen. „Schwarze Pharaonen“ Um 750 v. Chr. regiert es Kaschta der Fromme. Er ist derart erbost über die Dekadenz Ägyptens, dass er es als sei- ne Pflicht betrachtet, im Land zu inter- venieren. Elephantine, die legendäre Nilinsel bei Assuan, soll bereits wieder unter seiner Kontrolle stehen. Doch erst Pije, Kaschtas Sohn, startet um 725 v. Chr. einen militärischen Feldzug gegen den Norden, per Schiff und über Land. Ägypten ist durch Bürgerkriege geschwächt und hat dem Eroberer aus dem Süden mit seinen berühmten Bogenschützen, die als die fähigs- ten der Welt gelten, kaum etwas

weiteren Völkern wie den Libyern und den Assy- rern aus Mesopotamien, die die Macht der Pha- raonen herausfordern. Das Reich ist territorial schlicht überdehnt. Das entstandene Machtvakuum

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ist eine Riesenchance für die Nubier, die sich um das Jahr 1000 v. Chr. als

55 P.M. HISTORY – OKTOBER 2025

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