COLUMBUS Magazin Frühjahr 2026

Wie eine 660 Tonnen schwere Kugel den 508 Meter hohen Taipei 101-Tower in Taipeh vor Erdbeben und Taifunen schützt ! – und gleichzeitig zum Besuchermagneten macht. DIE FASZINATION STECKT IN DER KUGEL

M it 508 Metern und 101 Stock- werken war der „Taipei 101“ von 2004 bis 2009 das höchste Ge- bäude der Welt. Erst die Fertig- stellung des Burj Khalifa ließ ihn quasi „schrumpfen“. Heute rangiert er als el ! höchstes Gebäude global und dominiert Taipehs Skyline. Dennoch: Der Grund, war- um der beeindruckende Tower jährlich Mil- lionen Touristen aus aller Welt anzieht, ist weder seine Höhe noch die schnellsten Auf- züge der Welt (bis 60 km/h) oder seine un- fassbar spektakuläre 360-Grad-Aussichts- plattform. Vielmehr ist es seine 660 Tonnen schwere gigantische Kugel, die tief in seinem Inneren für internationales Staunen sorgt. TECHNISCHES MEISTERWERK Diese goldglänzende Kugel, liebevoll „Damper Baby“ genannt, ist ein Tuned Mass Damper (TMD) – ein technisches Meisterwerk der Ingenieurskunst. Sie hängt wie ein mächtiges Pendel zwischen der 87. und 92. Etage, umge- ben von einer Glasfront, die Besuchern einen atemberaubenden Blick gewährt. Mit einem Durchmesser von 5,5 Metern besteht sie aus 41 Lagen hochfestem Stahl, geschützt von einer goldenen Farbschicht. An acht 42 Meter lan-

gen Seilen aufgehängt, kann sie sich bis zu 1,5 Meter seitwärts bewegen, gedämp ! durch spe- zielle Gummipu " er. Ihr Zweck: Schwingungen durch Erdbeben oder Taifune abzufangen. Taipeh liegt im Paci # c Ring of Fire, einer der erdbebenreichsten Regionen der Welt. Bei starkem Wind oder seismischen Erschütte- rungen beginnt der schlanke Turm mit sei- ner bambusartigen Form zu schwanken – die Eigenfrequenz liegt bei etwa sechs Sekun- den. Hier kommt die Kugel ins Spiel: Abge- stimmt auf genau diese Frequenz, bewegt sie sich gegensinnig zum Gebäude, wandelt die kinetische Energie in minimale Wärme um und reduziert die Amplituden um bis zu 40 Prozent. Ohne sie würde der Turm bei einem Beben der Stärke 7+ oder Taifunwinden bis 220 km/h gefährlich vibrieren. Die Baukosten für dieses Wunderwerk beliefen sich auf rund vier Millionen US-Dollar – eine Investition in Sicherheit und eine gehörige Portion Show. Denn Besucher können den Damper live von der Aussichtsetage aus erleben. Bei einem Erd- beben der Stärke 7,4 im April 2024 etwa pen- delte die Kugel sichtbar hin und her, während der Turm stabil blieb – Videos davon gingen

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