UND WIE HOLT SICH DIE NATUR AUS WISSEN- SCHAFTLICHER SICHT DIESE ORTE ZURÜCK? Es kommen zuerst immer jene Arten der Flo- ra und Fauna, die es in unmittelbarer Um- gebung gibt, und zwar zuerst alles, was mo- bil ist beziehungsweise was " iegt. Das muss nicht nur der Vogel, der Schmetterling oder die Fledermaus sein, sondern zum Beispiel auch der Löwenzahn, die Pusteblume – also Samen, die sich verbreiten. Pionierarten, die sehr anspruchslos sind und die mit extremen Bedingungen umgehen können, sind unter den Ersten, die sich ansiedeln. Auch die in- vasiven Arten werden au # auchen, die haben meist keine großen Ansprüche und breiten sich schnell aus. Allerdings wird es in vielen Fällen eine Eroberung auf Zeit sein, da diese Orte mittlerweile ja auch vermarktet werden – schließlich wird es immer $ ndige Men- schen geben, die daraus Geld machen. Was abgesehen davon aber dabei auch wichtig zu beachten ist: Die Natur war immer zuerst da. Wenn Medien heute berichten, Bären dringen in Dörfer oder in Häuser ein, darf man nicht vergessen, dass es wir Menschen sind, die ih- nen vorher ihren eigentlichen Lebensraum weggenommen haben. WIE SCHNELL PASSIERT DAS „ZURÜCKHOLEN“? WIE SCHNELL IST EIN BAUWERK BEISPIELSWEISE ÜBERWUCHERT? Das kommt immer auf die jeweiligen Arten vor Ort an. Der Japanische Knöterich beispielsweise breitet sich massiv aus, aber auch die Robinie und der Götterbaum erobern neue Räume. Oder die Kudzu, ursprünglich in Asien beheimatet. Die wächst wahnsinnig schnell, hat meterlange Austriebe, sodass sie alles überwuchert. DAS HEISST, DIE VEGETATION VERÄNDERT SICH IM VERGLEICH ZU FRÜHER? Wir haben mittlerweile schon ein Problem da- mit, dass Neophyten und Neozoen, also Arten, die eigentlich an bestimmten Orten nicht hei- misch sind, diese Räume dominieren. Heimi- schen Arten oder jene, die spezi $ sche Ansprü- che haben, können sich dort dann nicht mehr ansiedeln, weil die anderen so dominant sind. Es kommt aber eben auf den Standort an. Ich sehe das weder positiv noch negativ, allerdings müssen wir ein bisschen wachsam sein, damit Arten mit spezi $ schen Standortansprüchen nicht verdrängt werden. BRAUCHT ES ALSO DEN MENSCHEN FÜR DIE ENT- WICKLUNG DER NATUR? Für die Natur braucht es den Menschen nicht. Wir sind natürlich Teil der Natur, aber wir
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