RZ_KW08_2019

Riehener Zeitung 

Freitag, 22. Februar 2019

Nr. 8

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CVP-Hauptliste mit zwei Riehenern lov. Als erste beide Parteien gaben An- fang Woche CVP und SP ihre Natio- nalratskandidaten für die Wahlen im Oktober bekannt. Anlässlich der No- minationsveranstaltung nominierten die Mitglieder der CVP Basel-Stadt Daniel Albietz, Manuela Brenneis, Balz Herter, Patrick Huber und And- rea Knellwolf für die kommenden Na- tionalratswahlen. Mit Gemeinderat Daniel Albietz sowie Gross- und Ein- wohnerrat PatrickHuber stehen somit zum ersten Mal in der Geschichte der CVP zwei Riehener auf der Hauptliste. Weniger Erfolg war Sasha Mazzotti beschieden. Die Riehener Gross- und Einwohnerrätin hatte sich zusammen mit weiteren acht Kandidierenden für einen der fünf Plätze auf der National- ratsliste der SP Basel-Stadt beworben. Die Delegierten gaben schliesslich Eva Herzog (ebenfalls für den Stände- rat nominiert), Beat Jans, Mustafa Ati- ci, Christian von Wartburg und Sarah Wyss den Vorzug. Basler Privatspitäler mit mehr Patienten rz. Im Jahr 2018 liessen sich 27’591 Pa- tientinnen und Patienten – 1018 Fälle oder zwei Prozent mehr als imVorjahr – in den sieben der Basler Privatspitä- ler-Vereinigung (BSPV) angehören- den Kliniken stationär behandeln. Dies geht aus einer Medienmitteilung hervor. Zur BSPV gehören das Adul- lam-Spital, das Bethesda-Spital, die Klinik Sonnenhalde in Riehen, die Merian-Iselin-Klinik, das Palliativ- zentrum Hildegard, das Rehab Basel sowie das St. Claraspital. Die Anzahl Pflegetage und -nächte aller Institutionen betrug insgesamt 228’625. Davon entfielen auf den Akutbereich 131’734, auf die Rehabili- tation 67’496, auf die Psychiatrie 22’862 und auf die Palliativmedizin 6533 Tage. 109’089 Pflegetage entfie- len auf Patienten aus Basel-Stadt, 73’001 auf solche aus Baselland. 35’282 Pflegetage betrafen Patienten aus der übrigen Schweiz und 11’253 auf solche aus dem Ausland.

ARENA-SOIREE Helen Liebendörfer porträtierte den Literatur-Nobelpreisträger 1919

Die vielen Facetten des Carl Spitteler

Frieder Liebendörfer spielt am Flügel kurze Werke von Beethoven, Haydn, Schubert, Böhm, Bach, Tschaikowsky, Chopin und Mozart.

Helen Liebendörfer liest auf der Bühne des Lüschersaals aus verschiedenen Werken Carl Spittelers. Fotos: Philippe Jaquet

Theologie als Antitheolog, habe Spitte- ler zu seiner Wahl gesagt, erzählte Lie- bendörfer, erwähnte Spittelers langen Auslandaufenthalte als Hauslehrer und seine umfangreiche Tätigkeit für verschiedeneZeitungeninderSchweiz, Deutschland und Österreich. Bevor Spitteler 1893 durch eine Erb- schaft seines verstorbenen Schwieger- vaters finanziell unabhängig wurde, verdiente er seinen Lebensunterhalt als Lehrer und Journalist, erst danach liess er sich mit seiner Familie – eine Frau und zwei Töchter – als freier Schriftsteller in Luzern nieder. Das Werk Spittelers sei zu seiner Zeit durchaus nicht unbestritten ge- wesen und sein «Olympischer Früh- ling», für den er schliesslich denNobel- preis bekam, wurde von den einen mit Werken von Dante oder Homer vergli- chen, von anderen als Bauernliteratur verhöhnt, erzählte Helen Liebendör- fer. Und gab Einblick in ganz verschie- dene Facetten von SpittelersWerk, des- sen Bestreben gewesen sei, jede

literarische Gattung mit einem Stein zu besetzen. So habe er Heimatdich- tungen, Erzählungen, Theaterstücke, Romane und auch Lyrik geschrieben. Helen Liebendörfer begann mit zwei kurzen Passagen aus demOlympi- schen Frühling und las danach einige Erlebnisse aus Spittelers Kindheit vor, die dieser erst in hohem Alter, aber mit einem bemerkenswert guten Erinne- rungsvermögen, aufgeschrieben habe. Da wurde erzählt, wie der Knabe mit seinem Grossvater in die fremde Stadt Basel fuhr, wie er bei den Grosseltern hin und her gerissenwar zwischen dem Ruf nach Ordnung und der Lust, im Garten herumzutollen, und wie das rätselhafte Schnarchen des Grossva- ters den Knaben tief beunruhigte. Dass in diesem Jahr ein Spitteler- Jahr begangen wird – demnächst er- scheint im Nagel & Kimche Verlag ein Lesebuch mit Spitteler-Texten und di- verse Veranstaltungen stehen an – dürfte nicht ganz im Sinne Spittelers sein, der sich in «Lachende Wahrhei-

Als einziger gebürtiger Schweizer – ne- ben dem gebürtigen Deutschen Her- mann Hesse – hat Carl Spitteler den Literatur-Nobelpreis erhalten. Spitte- ler erhielt den Preis für das Jahr 1919 und aus diesem Anlass widmete die Arena Literaturinitiative Riehen hun- dert Jahre später dem grossen Basel- bieter Schriftsteller und Dichter eine Soiree. Am vergangenen Sonntag las Helen Liebendörfer im Lüschersaal der Alten Kanzlei vor gut fünfzig Gästen aus ver- schiedenen Werken Spittelers. Ihr Mann Frieder Liebendörfer sorgte mit seinen Zwischenspielen amKlavier für geistige Verschnaufpausen und gab Gelegenheit, das Gelesene nochmals zu überdenken – eine schöne Idee. Helen Liebendörfer stellte in ihrer Lesung, in deren Rahmen sie auch viel Biografisches über den Schriftsteller erzählte, den Menschen Carl Spitteler ins Zentrum, am 24. April 1845 als Sohn eines Richters geboren, Atteist – und Theologiestudent. Er studiere die

ten» über solche Jubiläen lustig ge- macht habe, erzählte Helen Lieben- dörfer nicht ohne Schalk und las die betreffende Passage vor. Hundertjäh- rige Weisswaschereien seien das, es werde gelogen – und nach dem Jubilä- umwerde der soebenGelobte als stilles Opfer wieder begraben, umdenNächs- ten in einer neuerlichen Jubiläumsfeier noch unverschämter aufzublasen, heisst es dort. Helen Liebendörfer tat gerade dies nicht. Sie liess Spitteler als einen selbst- bewussten, aber auch selbstkritischen Menschen wirken, erzählte Lustiges wie Nachdenkliches, zitierte sowohl aus seiner viel beachteten Rede «Unser Schweizer Standpunkt», worin Spitte- ler zu einer echten Neutralität aufrief und sich gegen den Nationalsozialis- mus wandte, als auch aus der «Ballade vom lyrischen Wolf», die sie als heite- ren Schlusspunkt nahm. Langer, heite- rer Applaus zum Schluss – und keine Fragen, denn alles war gesagt. Rolf Spriessler-Brander

BETTINGEN PolitiTeens ermöglicht Gespräche mit der Politik

EINWOHNERRAT Vor der Parlamentssitzung vom 27. Februar

Holz- oder Betonboden für die Reithalle?

Bettinger Kinder sollen mitreden rs. Die Gemeinde Bettingen möchte, dass sich Jugendliche im Dorf wohl- fühlen und sich mit ihrer Meinung und ihren Ideen einbringen können. In Zusammenarbeit mit dem Kinder- büro Basel organisiert die Gemeinde Bettingen deshalb unter dem Namen «PolitiTeens» eine Veranstaltung für Jugendliche.

meindehaus dauern jeweils von 17 Uhr bis 20 Uhr. Am ersten Abend be- richten die Bettinger Gemeinderätin Eva Biland und der Bettinger Grossrat Olivier Battaglia aus erster Hand, wie Politik in der Gemeinde und im Kan- ton funktioniert. Am zweiten Abend nehmen nicht nur Frauen und Män- ner aus der Politik, sondern auch aus der Verwaltung teil. Jugendliche, die amAnlass teilneh- men möchten, können sich bis kom- menden Donnerstag, 28. Februar, an- melden via E-Mail solinda.morgillo@ kinderbuero-basel.ch (mit Vorname, Nachname und Geburtsjahr).

Teenager können sich an zwei Dienstagen, nämlich am26. März und am 9. April, mit Politikerinnen und Politikern sowie mit Verwaltungsleu- ten treffen, Fragen stellen, ihre Wün- sche äussern und diskutieren. Die Veranstaltungen im Bettinger Ge-

Die Reithalle Wenkenhof mit ihrem heutigen Holzparkettboden anlässlich des letzten Dreikönig-Sternmarsches Anfang Januar. Foto: Philippe Jaquet

und insbesondere Tanzveranstaltun- gen dort nicht mehr möglich wären. Ein Holzboden sei auch mit Bodenhei- zung und ohne Mehrkosten gegenüber der Betonbodenlösung möglich, heisst es im Kommissionsbericht. Eine Kom- missionsminderheit ist für den Beton- boden, weil ein neuer Holzboden die Wirkung der energetischen Sanierung bei der Heizung und Kühlung negativ beeinflusse. Der Entscheid liegt nun beim Parlament. Ein peinliches Versäumnis ist im Zusammenhang mit der Neukalibrie- rung des innerkantonalen Finanz- und Lastenausgleichs zwischen Kanton und Gemeinde passiert. Eigentlich hättemit der Erhöhung des Gemeinde- anteils von 45 auf 50 Prozent der vollen Kantonssteuer auch der Steuerfuss der Grundstückgewinnsteuer von 45 auf 50 Prozent erhöht werden sollen. Eine Korrektur eines entsprechenden Pas- sus’ in der Gemeindesteuerordnung blieb aber aus, was im Steuerberech- nungsprogramm des Kantons zu feh- lerhaften Steuerrechnungen führte. Insgesamt handelt es sich um rund 550’000 Franken, die durch Kanton und Gemeinde von Riehener Grund- stückgewinnsteuerpflichtigen für die Steuerjahre 2017 und 2018 zu viel ver- langt worden sind. Das Geld wird zu-

rs. Der Gemeinderat beantragt dem Einwohnerrat in dessen Sitzung vom kommenden Mittwoch eine haustech- nische Sanierung der Reithalle Wen- kenhof für einen Betrag von 2,46 Milli- onen Franken. Der Kredit kann aus Rückstellungen, wie sie für alle im Ge- meindebesitz stehenden Immobilien im Hinblick auf Renovationen und Sa- nierungen regelmässig gebildet wer- den, finanziert werden und belastet die laufende Gemeinderechnung des- halb nicht. Der Sanierungsbedarf und auch die Kosten dafür werden von der zuständi- gen Sachkommission Publikums- dienste, Behörden und Finanzen (SPBF) in ihrem Bericht denn auch nicht bestritten. Die Kommission be- fürwortet, wie vom Gemeinderat be- antragt, den Ersatz der alten Ölhei- zung durch eine Wärmepumpe mit Erdkörben. Umstritten ist in der Sachkommis- sion aber die Absicht des Gemeindera- tes, den bisherigen Holzparkettboden durch einen Betonboden zu ersetzen, weil künftig eine Bodenheizung vorge- sehen ist. Eine Kommissionsmehrheit plädiert für den Einbau eines neuen Holzparkettbodens, weil sonst das ge- wohnte Ambiente der beliebten Veran- staltungshalle nicht mehr gegeben sei

rückerstattet und der Gemeinderat beantragt demParlament nun, die ver- säumte Änderung in der Gemeinde- steuerordnung nachzuholen. Zur Behandlung gelangt auch die Initiative «Familien entlasten: Für ein kinderfreundliches Riehen», die einen Kinderbonus von 300 Franken pro Kind und Jahr verlangt. Die Initiative wird als rechtlich zulässig erachtet und der Gemeinderat will sich die Initiative vom Parlament überweisen lassen, um eine entsprechende Ordnung ausar- beiten zu können. Eine solche braucht es, weil die Gemeinde aufgrund der bestehenden Gesetzgebung keinen ei- genen Steuerabzug vornehmen kann. In weiteren Traktanden geht es um eine Zonenplanänderung am Chri- schonaweg aufgrund eines Gerichts- entscheids und um mehrere Berichte und Zwischenberichte zu politischen Vorstössen. So haben gemäss einem Bericht zu einem Anzug der Sachkom- missionen SSL und SMV vertiefte Abklärungen bei der Stadt Lörrach er- geben, dass eine Verlängerung der deutschen SWEG-Buslinie 6 auf die Schweizer Seite des Grenzübergangs Riehen-Lörrach in unmittelbarer Nähe der Tramendstation 6 aus betriebli- chen und finanziellen Gründen nicht sinnvoll sei.

Kinder im Gespräch mit Politikerinnen und Politikern im Basler Grossrats- saal. Foto: Schulthess

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