BA_KW47_202

3

Birsfelder Anzeiger

Freitag, 20. November 2020 – Nr. 47

Unverpackt und plastikfrei

Nachhaltigkeit

ist der Einkaufstrend der Zukunft Mit der «Füllstelle» geht in Birsfelden demnächst ein Laden auf, der sich ganz der Nachhaltigkeit verschrieben hat.

Regional sind beispielsweise di- verse hausgemachte Konfitüren oder Eier von glücklichen Birsfelder Hühnern mit Freilauf, ebenso sai- sonales Gemüse und Früchte von kleinen Produzenten aus der nähe- ren Umgebung. «Das Sortiment ist nicht in Stein gemeisselt», sagt Jaun. Zum einen sei sie offen für die Vorschläge und Wünsche ihrer Kundschaft, zum anderen wolle sie kleinen Produzenten mit ihrem La- den eine Verkaufsplattform bieten. Gelebter Idealismus Aber gibt es in einer Gemeinde wie Birsfelden, wo sich nebst Migros und Coop sowie zwei Denner-Fili- alen der Billig-Discounter «Radi- kal Liquidationen» innert kurzer Zeit etablieren konnte, überhaupt eine Kundschaft für die «Füll- stelle»? Désirée Jaun räumt ein, dass ihre Produkte zwar etwas mehr kosten als diejenigen der Dis- counter und Grossverteiler, «auch wenn ich versuche, die Preise mög- lichst tief zu halten». Ihr sei bewusst, dass sie mit den Grossen nicht konkurrenzieren könne. «Ich möchte mich mit dem Sortiment abgrenzen.» Sie ist über- zeugt, dass hier eine Nische für ihren Laden vorhanden ist. «Es gibt auch in Birsfelden Leute, denen Nachhaltigkeit wichtig ist und die bereit sind, dafür auch ein bisschen mehr zu bezahlen.» Sie hoffe jetzt erst einmal, in absehbarer Zeit ein kostendeckendes Ergebnis erzielen zu können. «Es geht mir ja nicht um das grosse Geld», sagt sie, «es ist für mich auch nicht irgendein Ge- schäft, sondern ein Stück gelebter Idealismus.»

Von Monika Zech

Spätestens seitdem die Bilder von vermüllten Stränden und qualvoll an Plastikabfällen verendenden Meeresbewohnern und Seevögeln um die Welt gegangen sind, ist in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Gefahr, die von unserem verschwenderischen Umgang mit Plastik für die Umwelt ausgeht, ge- stiegen. Mittlerweile sind denn auch diverse Bemühungen, den Plastikverbrauch und den Plastik- abfall zu senken, auszumachen. Ein Beispiel sind die Plastiksä- cke, die nicht mehr gratis abgege- ben werden dürfen. In der EU sind ab kommendem Jahr sogar sämtli- che Wegwerf-Artikel aus Kunst- stoff wie Einweg-Geschirr, Watte- stäbchen oder Trinkhalme aus Plastik verboten. Obwohl die Schweiz (noch) nicht an diesem Punkt ist, setzt der Handel auch hierzulande vermehrt auf umwelt- freundliche Produkte. Konsequent diesem Credo fol- gend sind in letzter Zeit in der Schweiz einige Läden aufgegangen, die ihreWaren unverpackt anbieten. Und demnächst gibt es auch in Birs- felden ein solches Geschäft: Die «Füllstelle», gegründet und geführt von Désirée Jaun, Landrätin und Gemeinderätin der SP und als letz- tere in Birsfelden unter anderem zuständig für Abfall und Recycling. Das ist kein Zufall. Denn sie in- teressiere sich nicht erst seit ihrer Wahl in den Gemeinderat für diese Themen, sagt die 33-Jährige. «Der Natur- und Umweltschutz ist mir schon seit meiner frühen Jugend eine Herzensangelegenheit.» Sie sei daher sehr glücklich gewesen, dass sie als Gemeinderätin ihr «Wunsch- departement» übernehmen konnte. Die Idee, einen Laden zu eröff- nen, dessen Angebot auf das Nach- haltigkeitsversprechen ausgerichtet ist, trage sie schon mindestens ein Jahr mit sich herum. Die Überle- gung dahinter: «Ichwill das Thema noch mehr in die Praxis und in den Alltag reinbringen und den Leuten umweltfreundliche Möglichkeiten aufzeigen.» Dass sie mit diesem La- den – «wenn auch nur im Kleinen»

Die Behälter in der «Füllstelle» stehen bereit zum Auffüllen.

Fotos zVg

– noch mehr bewirken könne als allein mit politischer Arbeit, davon ist Jaun überzeugt. Offen für Kunden-Vorschläge Die Idee wurde konkreter, als sie beim Vorbeigehen am Haus an der Schulstrasse 10 das Schild «zu ver- mieten» las. Nach einigen weiteren Überlegungen und diversen Abklä- rungen entschied sie sich im Au- gust, die Idee in die Realität umzu- setzen. Wichtig für ihren Entscheid war, dass «ich die Unterstützung von meinem Partner und meiner Familie habe, wofür ich sehr dank- bar bin». Hinzu kam, dass Jaun ihren Job als HR-Teamleiterin beim Kanton Basel-Stadt auf ein 60-Pro- zent-Pensum reduzieren konnte und somit nicht ganz auf ein gesi- chertes Einkommen verzichten muss.

Der Countdown läuft: Am Dienstag, 1. Dezember, öffnet Dé- sirée Jaun ihre «Füllstelle» und stellt sie am Tag darauf der Kund- schaft auf dem Warenmarkt vor. Am Samstag, 5. Dezember, wird der Laden offiziell eröffnet. Die Ei- genschaften der Produkte, die es dort zu kaufen gibt, lassen sich mit zwei Begriffen zusammenfassen: plastikfrei und regional. Ersterer bedeutet zum einen – gemäss dem Namen «Füllstelle» – offene Le- bensmittel wie diverseMehle, Teig- waren und Getreideflocken zum Abfüllen nach Bedarf. Letzterer bezieht sich auf die plastikfreien Alltagsgegenstände wie Zahnbürs- ten aus Holz oder Kaffeekapseln aus Edelstahl, die wieder aufge- füllt, statt wie die gängigen nach einmaligem Gebrauch weggewor- fen werden.

Mehr Infos unter: www.fuellstelle.ch

Eine gute Alternative zur Plastikfolie: Bienenwachs- tücher.

Auch aus Büchern konnte Désirée Jaun spannende Infos rund um das plastikfreie Leben erfahren.

Made with FlippingBook - Online catalogs