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Birsfelder Anzeiger

Freitag, 20. November 2020 – Nr. 47

Schafe im Hardwald als tierische «Waldarbeiter» Im Hardwald werden seit einiger Zeit Walliser Schafe eingesetzt, um Natur

Kolumne Ab in die Wüste In den letzten Wochen gab es zwei vorherrschende Themen in denMedien. Das eine Thema war ein winzig kleines Virus, über das ich jetzt eigentlich gar nichts sa­ gen möchte, da es leider unser Leben gewaltig einschränkt und einfach nur noch nervt.

Brombeersträucher «zurückzubinden».

Von Martina Tanglay*

Von Tobias Gfeller

Vor Kurzem hat Florian Neumann seine 16 Schafe vom Abschnitt gleich hinter der Autobahn auf öst­ licher Seite der Grenzacherstrasse auf die zweite Parzelle in Richtung Rheinfelderstrasse gezügelt. Es naht das Ende des eigentlich vier Jahre dauernden Pilotprojekts, das auf­ grund derWaldsperrungen 2019 um ein Jahr verlängert wurde. Ziel des Projekts sei es, so Biologe Neumann, dass die Schafe auf natürliche Art und Weise die Brombeersträucher zurückbinden. «Bei der leichtesten Lichteinstrahlung beginnen Brom­ beeren zu wuchern und nehmen so kleineren Pflanzen und Tieren das für sie so wichtige Licht.» Das Pro­ blemder armenischen Brombeere ist im Hardwald besonders gross. In­ nert kürzester Zeit bilden sie einen Teppich von bis zu eineinhalbMeter Höhe und lassen fast kein Licht mehr durch. Fressen die Schafe die Blätter und Teile der Stängel ab, werden die Brombeeren geschwächt. «Die Schafe verbiegen die Stängel auch, wodurch sich Pilze bilden, die das Wachstum der Brombeeren ebenfalls hindern», erklärt Neu­ mann. Das Mähen der Flächen sei weniger nachhaltig, ist der Zwinge­ ner Biologe überzeugt. «Brombee­ ren haben eine starke Wurzel und damit einen grossen Speicher. Wer­ den sie gemäht, können sie schnell wieder nachwachsen – teilweise noch stärker als zuvor.» Der Eingriff durch die Tiere sei für die Natur ins­ gesamt sensibler und nachhaltiger. Jungeichen schützen Das regelmässige Wechseln und Er­ holenlassen der Parzellen sind wich­ tige Bestandteile der «Arbeit» der Schafe. «Je länger sie auf einem Abschnitt sind, desto weniger fres­ sen sie das ab, was sie sollen. Und lässt man sie zu häufig drauf, ist die Wirkung ähnlichwie beimMähen», beschreibt Florian Neumann. Er weiss aus Erfahrung genau, wie viele Tiere es pro Hektar Land braucht. Auf dem Abschnitt, auf dem die Schafe jetzt sind, geht es darum, die neu gepflanzten Eichen vor dem Brombeerwachstum zu

Das andere Thema hingegen war ein riesengrosses Virus, schlicht Trampel-Trump genannt, das uns auch überall hin verfolgte. Doch damit ist jetzt Schluss, sollte man meinen. Abgewählt, ver­ schmäht und verspottet tröstet er sich schmollend auf dem Golf­ platz und leckt seine Wunden. Doch gleichzeitig schürt er die Wut und den Hass seiner Anhän­ ger mit kruden Betrugsvorwürfen. Aber diesmal kommt er damit hoffentlich nicht durch, abge­ wählt ist abgewählt, sogar in Amerika, dem Land der mächti­ gen altenMänner. Eigentlich sollte man einen Altersmittelwert der Gesamtbevölkerung errechnen und die Altersbeschränkung für Politiker bei Amtsantritt – auch für Präsidenten – so festlegen, dass sie diesen Mittelwert um nicht mehr als zehn Jahre übersteigen. Vielleicht käme dann einmal eine Politik zustande, die allen Alters­ gruppen gerecht wird, weil sie sich auf eigene Erfahrungswerte stüt­ zen kann. Auf der einen Seite wä­ ren das die Probleme und Sorgen der eigenen Kinder und auf der anderen Seite die Nöte der Eltern, denen es vielleicht gesundheitlich nicht mehr gut geht und die des­ halb Hilfe brauchen. Leider be­ zweifle ich, dass solch ein Gesetz jemals zustande kommen wird und die USAwerden jetzt also von einem noch älteren Präsidenten regiert, aber wenigstens heisst der nicht mehr Trump. Hoffentlich finden unsere Me­ diziner, unsere Forscher und un­ sere Wissenschaftler bald eine Möglichkeit, auch das andere Virus, dieses klitzekleine und un­ sichtbare, abzuwählen und von mir aus in die Wüste zu schicken, damit wir hier wieder unser altes Leben zurückbekommen. Da müssten alle nur an der richtigen Stelle ihr Kreuzchen machen, das wäre die schönste Wahl mit der höchsten Wahlbeteiligung aller Zeiten. *hofft auf virusfreie Zeiten

Seit sechs Jahren lässt Biologe Florian Neumann seine 16 Walliser Scha- fe auf zwei Abschnitten im Hardwald weiden. Sie sollen oder dürfen Brombeeren zurückbinden.  Fotos Tobias Gfeller

schützen. Im Gegensatz zu Ziegen lassen Schafe von Rinden ab. Das Fressen der Blätter in unseren La­ gen schade den Bäumen keinesfalls. Mit ihrem Kot sorgen die Schafe zudem für einen nährstoffhaltigen Boden. Auch deshalb ist ein ge­ naues Zeitmanagement wichtig, damit die Böden nicht zu nährstoff­ haltig werden. Lässt man die Tiere zu lange auf einer Fläche, werden möglicherweise Arten verdrängt, die weniger nährstoffhaltige Böden brauchen. Florian Neumann hat in all den Jahren seiner Arbeit viele Daten gesammelt. Eine Auswertung über das Pilotprojekt imHardwald, das von der Naturfachstelle der Stadt Basel angeschoben und auch von privaten Sponsoren finanziert wurde, liegt aber noch nicht vor. Begleitet wird das Projekt vomAmt für Wald beider Basel und vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach. Gemäss Guido

Bader, Kreisforstingenieur des Forstkreises Basel, hätten erste Be­ gehungen gezeigt, dass die Brom­ beeren zurückgedrängt wurden. Auch Markus Plattner, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft beim Landwirtschaftlichen Zent­ rum Ebenrain, sieht eine positive Wirkung durch die Schafe. «Es wurden Brombeeren abgefressen. Es kommt mehr Licht hinein.» Es sei aber noch nicht abschlies­ send möglich, daraus Schlüsse zu ziehen, welche Einflüsse dies auf die Populationen der verschiedenen Arten, die man unterstützen will, hat. Dies werde in der abschliessen­ den Auswertung genau untersucht. «Es muss dann auch bestimmt wer­ den, ob es zwischen dem aktuellen Zustand und den Schafen eine Kau­ salität gibt», erklärt Plattner. Denn ob die Schafe auch in Zukunft im Hardwald eingesetzt werden, hängt am Ende vor allem auch von der Kosten-Nutzen-Analyse ab.

Die Schafherde ist fleissig mit grossem Appetit im Einsatz und streckt sich manchmal auch, um an schwer erreichbare Stellen zu kommen .

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