TUM 02/2025

Tiergesundheit und mehr | 021 2025

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Welche Erreger machen hauptsächlich Probleme? Haupterreger sind bei uns die Umweltstreptokokken, da ist vor allem Streptococcus uberis zu nennen. Hautpsäch- lich im Sommer tritt er auf und sorgt leider für höhere Abgangsraten. Staphylococcus aureus ist ebenfalls noch da und Streptococcus agalactiae , also der Galterreger, kommt auch noch vor und seit zwei Jahren stellen wir ein vermehr- tes Auftreten von Hefen fest. Hier wissen wir noch nicht genau wo das herkommt. Wie läuft das Trockenstellen in der Regel ab? Wir orientieren uns an einem übersichtlichen Dia- gramm aus der RAST-Studie. Eine Kuh, die in den letzten drei Milchleistungsprüfungen unter 100.000 Zellen lag, stellen wir ohne Antibiotika trocken, sofern der Schalm- test oder auch eine Milchprobe vor dem Trockenstellen unauffällig sind. Bei Kühen mit höheren Zellzahlen und/oder einer auffälliger Milchprobe bzw. Schalmtest können wir auf das Antibiotikum oft nicht verzichten. Ein Tier mit Strep. uberis-Nachweis und hoher Zellzahl wird immer anti-

immer mehr Betriebe lassen sich zertifizieren (z. B. Weide- haltung, Haltungsform 3 u. a.). Parallel nehmen die Vorgaben für den Einsatz von Antibiotika zu, Stichwort Antibiotika- monitoring und Antibiotikaminimierung.

Welche Rolle spielt hier das selektive Trockenstellen?

Die Trockenstehphase ist die entscheidende Zeit für die Erholung und gegebenenfalls Ausheilung des Eutergewe- bes. Die Frage ist, wie dabei Antibiotika eingesetzt werden. Biobetriebe stellen ja grundsätzlich antibiotikafrei trocken. Wenn sie Antibiotika einsetzen, dann nur bei einem Erreger- nachweis. Selektives Trockenstellen wird auch in konventi- onellen Betrieben immer mehr eingesetzt. Dafür hat nicht zuletzt das RAST-Projekt gesorgt, welches das Thema seit 2018 für die Landwirte praxisnah untersucht hat. Als ein Ergebnis des Projektes ist ein Entscheidungsbaum entstan- den, der sehr hilfreich ist. Seitdem wollen es viele Betriebe versuchen und wir leisten dabei gerne Hilfestellung. Und natürlich steht der Therapieindex mehr im Fokus, diesbe- züglich herrscht viel Unsicherheit unter den Landwirten.

Welche Kriterien nutzen Sie beim selek- tiven Trockenstellen? Entscheidungskriterien sind für uns die Ergebnisse der Milchleistungsprüfung, ein Schalmtest, die Erregersituation auf dem Be- trieb und die Resistenzlage der gängigen Anti- biotika. Wir arbeiten viel mit bakteriologischen Untersuchungen der Milchproben über den Tiergesundheitsdienst. In Bayern werden diese Proben über die Tierseuchenkasse erstattet. Das erhöht eindeutig die Motivation, öfter als es der Gesetzgeber vorschreibt, Proben zu nehmen und auf Erreger untersuchen zu las- sen. Wir haben Landwirte, die wirklich bei jeder Kuh über 100.000 Zellen vor dem Trocken- stellen eine Milchprobe nehmen. Das ist aber gut so, denn damit sichern wir uns auch bei der Wirkstoffwahl ab. Einfach pauschal einen Trockensteller verwenden, das war gestern. Die Wahl, wie und mit welchem Produkt die Kuh trockengestellt wird ist jeweils eine indivi- duelle Entscheidung für jede Kuh.

Ob eine Kuh antibiotisch trockengestellt wird, muss individuell entschieden werden.

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