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Wie Risikotiere gesund aus der Trockenstehzeit kommen – Gezielte Therapie beim Trockenstellen
„60% der von uns betreuten Betriebe verwenden par- allel zum antibiotischen Trockenstellen auch einen Zitzenversiegler. “
Zitzenversiegler mit kurzer Spitze helfen bei der korrekten Applikation.
Therapieindex und antibiotisches Trockenstellen – wie passt das zusammen? Natürlich muss man den Therapieindex (THI) im Blick haben. Die Anwendung von antibiotischen Trockenstellern beeinflusst ihn stark. Durch selektives Trockenstellen können wir ihn aber senken, und wichtig ist: behandlungswürdige Risikotiere müssen während der Trockenstehphase ausheilen. Dafür müssen wir gezielt einen passenden antibiotischen Trockensteller nutzen. Wir treffen deshalb die Entschei- dung für den geeigneten Trockensteller strikt nach Erre-
biotisch trockengestellt, denn Strep. uberis ist auf Herden- ebene und bei der Tankmilchzellzahl der problematischste Erreger. 60% der von uns betreuten Betriebe verwenden parallel zum antibiotischen Trockenstellen auch einen Zitzenversiegler. Das ist auch gut so, denn am Anfang wirkt der Trockensteller und fördert die Ausheilung und später schützt der Zitzenversiegler mit mechanischer Barriere vor Neuinfektion. Und wenn wir ohne Antibiotikum trocken- stellen, ist der Zitzenversiegler ebenfalls ein sehr guter Schutz, vor allem, weil wir hier ein Braunviehgebiet haben mit einer gerne 10 bis 14 Tage längeren Trockenstehzeit.
gervorkommen und Wirksamkeit der enthaltenen Antibiotika, nicht nach der Bewertung der Kennzahl. Der erwähnte penicillinhaltige Trockensteller z. B. ent- hält eine Kombination aus zwei Penicilli- nen und einem weiteren antibiotischen Wirkstoff und geht deshalb zusätzlich
„Wenn man schon ein Antibiotikum einsetzen muss, dann muss es das am besten passende sein.“
Was muss ein guter Trockensteller leisten? Da bei uns aktuell die umweltassozi- ierten Erreger wie Strep. uberis die größ-
ten Probleme machen und es bei der Verwendung eines nicht passenden Wirkstoffes häufig zu Rückfällen kommt, brauche ich einen Trockensteller, der gegen diese Erreger sehr gut wirkt und hohe Ausheilungsraten aufweist. Wir nutzen deshalb gerne einen penicillinhaltigen Trockensteller mit zwei verschiedenen Penicillinkomponenten und einem weiteren Wirkstoff. Wir sind mit der Wirksamkeit sehr zufrie- den und die Wartezeit von 37 Tagen passt gut ins Konzept. Vor kurzem mussten wir aufgrund von Lieferengpässen auf diesen gut wirksamen Trockensteller verzichten. Als Alternative mussten wir Produkte mit anderen Wirkstoffen einsetzen, vor allem Cloxacillin – und Cephalosporine. Die Folge war, dass wir vor allem bei den Umweltstreptokokken deutlich schlechtere Ausheilungsraten hatten. Also gerade bei den Tieren, bei denen wir durch die Diagnostik wussten, dass der Erreger Strep. uberis ist. Wir haben versucht, das mit einer Vorbehandlung zu kompensieren, aber dadurch ist der Antibiotikaverbrauch natürlich insgesamt nicht weniger geworden. So hat das Fehlen des geeigneten penicillinhal- tigen Trockenstellers zu einem vermehrten Einsatz von Anti- biotika geführt und damit zu einem höheren Therapieindex.
mit dem Wichtungsfaktor 2 in den Therapieindex ein. Wir riskieren mit seinem Einsatz somit einen höheren Thera- pieindex, als wenn ich ein Monopräparat nehme. Wir set- zen ihn aber gezielt bei den Tieren ein, die ihn nachweislich brauchen und entsprechend der belegten Erreger- und Resistenzsituation, also nach wissenschaftlichen Kriterien und kontrollieren auch das Ergebnis der Behandlung. Wenn man schon ein Antibiotikum einsetzen muss, dann muss es das am besten passende sein. Sonst riskiert man, dass man nochmals nachbehandeln muss und spart so keine Antibiotika und erhöht den THI. Der THI berücksichtigt auch nicht die eingesetzte Wirkstoffmenge, was uns auch zu kurz gedacht scheint. Daher raten wir unseren Betrieben, den Therapie- index im Auge zu behalten, aber dafür zu sorgen, dass die Tiere, die eine Behandlung benötigen, diese auch gezielt bekommen. Denn nur so können wir wirksam behandeln und wo möglich auf den Einsatz von Antibiotika verzichten.
Herr Schön, vielen Dank für das Gespräch! Weitere Informationen unter https://www.lfl.bayern.de/RAST
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