03 | 2026 IHK Global Business
WACHSTUMSMÄRKTE Wohin der Blick sich lohnt SEITE 4
NORDSEEANRAINER Milliarden für Offshore- Energieverbund SEITE 10
SINGAPUR / EU Digitales Handelsabkommen in Kraft SEITE 13
EDITORIAL
Liebe Leserinnen und Leser, 2025 war ein schwieriges Jahr für die deut- sche Exportwirtschaft. Und sie steht weiter unter Druck. In der aktuellen IHK-Konjunk- turumfrage nennen 54 Prozent der Unter- nehmen „geopolitische Risiken“ als zentrale Herausforderung. Auch die Binnennachfrage stagniert. „Buy European“, wie jüngst auf EU- Ebene diskutiert, kann nicht die Lösung sein. Deutsche Produkte sind im Ausland nach wie vor gefragt: Die Exporte wuchsen 2025 trotz Einbruch in den USA und China unterm Strich um 1,0 Prozent. Erreicht wurde dies durch mehr Ausfuhren innerhalb Europas, aber auch durch deutliche Steigerungen in viele Länder in anderen Weltregionen. Die Diversifizierung der Absatzmärkte ist ein guter Weg, um wider- standsfähiger gegen globale Verwerfungen zu werden. In unserem Titelthema beleuchten wir daher einzelne Märkte mit überdurch- schnittlich hohem BIP-Wachstum, die beson- ders gute Chancen für deutsche Unternehmen bieten. Aber auch in anderen Ländern gibt es hervor- ragende Möglichkeiten in einzelnen Branchen, wie etwa der Luft- und Raumfahrttechnik in Italien, der Biotechnologie in Kanada oder der Medizintechnik in Marokko. Mehr dazu in unseren Länderrubriken. Immer wichtiger wird zudem der globale Digitalhandel. Auch hier sind verlässliche Partner essenziell. Umso erfreulicher, dass das Digital Trade Agreement der EU mit Singapur nun in Kraft getreten ist. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre und viele neue Impulse für Ihr Auslandsge- schäft. Herzlichst Ihr
8 Polen:
Pharmamarkt bietet gute Chancen
11 Peru:
Bergbautechnologie gefragt
Georg Müller Außenwirtschafts- informationen
14 Vietnam:
Textilindustrie will unabhängig werden
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INHALT
IHK Global Business 03 | 2026
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International
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TITELTHEMA
MENA/AFRIKA
4 Wachstumsmärkte Wohin der Blick sich lohnt
16 Marokko Me hr Investitionen in Medizintechnik 16 MENA
#GemeinsamWeltweit #ihkrheinneckar
EUROPA
EU -Umfrage: Welche Interessen haben Sie in der MENA-Region?
8 Polen Ph armamarkt bietet gute Chancen 9 Italien Absatzpotenzial in der Luft-
DIE ZAHL
28% DER INDUSTRIEUNTERNEHMEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG
ZOLL & RECHT
und Raumfahrttechnik 10 Nordseeanrainer Mi lliarden für Offshore-
18 Exportkontrolle Änderungen bei Allgemeinen Genehmigungen 18 EU Zu gelassener CBAM-Anmelder 18 Webinar Pr axiswissen für Zollbeauftragte – Organisation des betrieblichen Zollwesens 19 EU / Indien Fr eihandelsabkommen unterzeichnet 19 EU Ha ndelsbeziehungen zu den USA 19 USA Aufhebung von Zusatzzöllen für Indien 19 Äg ypten „R evised Rules“ auf Präferenznachweisen
Energieverbund 10 Niederlande
rechnen mit steigenden Ausfuhren in den kommenden zwölf Monaten – zwei Prozentpunkte mehr als im Sommer 2025. Knapp 20 Prozent erwarten einen Rückgang (Sommer: 28 Prozent). Keine Kehrtwende, aber eine leichte Aufhellung der Exporterwartungen. QUELLE: IHK-KONJUNKTURUMFRAGE JAHRESBEGINN 2026
Ge schäftsanbahnungsreise: Sicher- heit von Offshore-Windkraftanlagen
AMERIKAS
11 Peru Be rgbautechnologie gefragt 12 Kanada Bi otech wächst stark
DATUM DES MONATS
ASIEN-PAZIFIK
13 Indien Chemieindustrie profitiert vom Wirtschaftswachstum 13 Singapur / EU Di gitales Handelsabkommen in Kraft 14 Vietnam Te xtilindustrie will unabhängig werden 14 Indonesien Lieferchancen in maritime Sicherheit 15 Thailand Na chfrage nach Medikamenten steigt 15 Neuseeland Ne ues Energiepaket setzt auf Gas
7. März 1951 75 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Indien Mit einer knappen Pressemitteilung ver- kündete das Bundespresseamt am 7. März 1951 den Beginn diplomatischer Bezie- hungen zwischen Indien und Deutschland. Zahlreiche bilaterale Abkommen folgten. Seit Mai 2000 verbindet beide Staaten ein Abkommen über eine „strategische Part- nerschaft“ zur Bewältigung der globalen Herausforderungen im 21. Jahrhundert. Teil des Abkommens sind zweijährlich stattfindende Regierungskonsultationen. Ein solches Dialogforum hat Indien nur mit Deutschland. QUELLE: AUSWÄRTIGES AMT
RUBRIKEN
17 Veranstaltungen 19 Impressum
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WACHSTUMSMÄRKTE
Strategische Entscheidungen stehen an: Wo wächst die Wirtschaft? Welche neuen Märkte sind für mein Produkt interessant? – Indien gehört sicher dazu.
Wohin der Blick sich lohnt Wirtschaftswachstum findet aktuell vor allem im Ausland statt. Doch traditionelle Exportmärkte sind schwieriger geworden. Grund genug, sich nach neuen Märkten umzuschauen. Wo bieten sich derzeit besonders gute Chancen für deutsche Unternehmen?
Grund für die stetige Entwicklung ist die derzeit gute Stimmung in der indischen Wirtschaft, die von mehre- ren Faktoren getragen wird: Zum einen ist die Binnen- nachfrage in Indien unter anderem aufgrund des guten Monsunverlaufs, der moderaten Inflation und der Ver- brauchssteuersenkungen im letzten Jahr weiterhin robust. Außerdem stellt der vor kurzem verkündete indische Haus- halt strategische Investitionen auch für die nächsten Jahre in den Fokus. Zum anderen wurden in diesem und letztem Jahr gleich mehrere Freihandelsabkommen unterzeichnet. Das wohl wichtigste ist das EU-Indien Abkommen, das die Zölle für 96 Prozent der EU-Warenexporte abschafft oder reduziert. Deutsche Unternehmen können von diesem Wachstum in mehreren Branchen profitieren. Die Luftfahrtindustrie ist eine davon. Die Erweiterung bestehender sowie der Bau zahlreicher neuer Flughäfen in Indien lässt den Markt dynamisch wachsen. Fluggesellschaften erweitern ihre Flotten, auch um Modelle aus Europa. Hier ergeben sich vor allem Chancen für deutsche Unternehmen, die in der Wartung von Flugzeugen tätig sind oder die dafür notwen- digen Teile bauen. Der Maschinenbau und die chemische Industrie wachsen ebenfalls. Die oben genannte Steuer- senkung wird zum Beispiel die Nachfrage nach vielen Gütern steigen lassen. Das stärkt auch den Bedarf an Nah- rungsmittel- und Verpackungsmaschinen. Zusätzlich
Während das Wachstum in Deutschland und vielen europäischen Ländern stagniert und Unternehmen mit konjunkturellen und strukturellen Herausforderungen zu kämpfen haben, läuft der Wirtschaftsmotor in anderen Teilen der Welt auf Hochtouren. Bisherige Wachstums- treiber für die deutsche Exportwirtschaft wie die USA oder China ziehen aber nicht mehr. Die Lieferungen in die bei- den weltweit größten Volkswirtschaften außerhalb Europas sind 2025 jeweils um fast 10 Prozent eingebrochen. Daher lohnt sich ein Blick in andere Weltregionen – und neue Länder rücken in den Fokus. Wir haben einige Wachs- tumsmärkte genauer angeschaut, die sich in nächster Zeit besonders dynamisch entwickeln und gute Geschäftsaus-
sichten für deutsche Unternehmen bieten. Indien: Gute Aussichten durch Wachstum und Marktöffnung
Indien bleibt auch mittelfristig die am stärksten wachsende große Volkswirtschaft weltweit. Für das Jahr 2025 hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumszahlen zuletzt auf 7,3 Prozent angehoben. Es ist zu erwarten, dass sich das Wachstum in den kom- menden Jahren auf ähnlich hohem Niveau fortsetzen wird. Für 2026 und 2027 geht der IWF von einem realen BIP-Zuwachs von jeweils 6,5 Prozent aus.
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gewinnt Indien im Bereich der Elektronikfertigung rapide an Bedeutung und ist dabei, in die Halbleiterproduktion einzusteigen. Indiens exportstarker Dienstleistungssektor wächst deut- lich schneller als die Industrie. Als wettbewerbsfähiger IT-Standort zieht das Land verstärkt digitale Forschungs- zentren, Global Capability Centers für konzerninterne Dienste und moderne Rechenzentren an. Malaysia: Solides Wachstum trotz schwierigem Umfeld Die malaysische Wirtschaft zeigt sich weiterhin robust. Der IWF prognostiziert für 2026 und 2027 ein reales BIP-Wachstum von jeweils rund 4,3 Prozent. Auch die verarbeitende Industrie, die rund 15 Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt, dürfte in ähnlichem Tempo expandieren. Zu den wichtigsten Wachstumsbranchen zählen die Elektro- und Elektronikindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau, Medizintechnik, Chemie sowie die erneuerba- ren Energien. Malaysia ist zudem ein global bedeutender Standort für die Halbleiterfertigung und baut seine Posi- tion entlang der Wertschöpfungskette weiter aus – insbe- sondere in den Bereichen „Advanced Manufacturing“ und Automatisierung. Die staatlich geförderte Transformation hin zu einer grüneren Wirtschaft schafft zusätzliche Chan- cen in Sektoren wie Energieeffizienz, Wasseraufbereitung und nachhaltige Mobilität. Für deutsche Unternehmen ist Malaysia hinter Singapur der zweitgrößte Absatzmarkt in Südostasien. Darüber hinaus sind über 700 deutsche Unternehmen bereits vor Ort aktiv. Die Mitgliedschaft im ASEAN macht Malaysia zu einem attraktiven Produktionsstandort und erleichtert den Zugang zu einem Markt mit über 685 Millionen Einwohnern. Es ergeben sich vielfältige Ansatzpunkte. Deutsche Tech- nologie genießt einen hervorragenden Ruf, insbesondere in Bezug auf Qualität, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit. Mittelständische Unternehmen finden in Malaysia nicht nur Absatzmärkte, sondern auch Möglichkeiten für lokale Produktion. Förderprogramme, Industrieparks und Inves- titionsanreize erleichtern den Markteintritt zusätzlich. Ein weiterer positiver Impuls ist die Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Malaysia. Seit Februar 2026 befindet sich die Europäische Kommission mit dem malaysischen Handels- ministerium in der dritten Verhandlungsrunde. Kerninhal- te des Abkommens umfassen Marktzugang für Dienstleis- tungen, Investitionen, der Schutz des geistigen Eigentums und geografischer Angaben, das öffentliche Beschaffungs- wesen sowie Klimaschutz. Saudi-Arabien: Wirtschaftliche Realität und stabiles Wachstum Das Königreich Saudi-Arabien festigt seine Position als zentraler Wachstumsmarkt in der Golfregion. Nach einer Phase des massiven Aufbruchs setzt die Regierung nun auf eine gezielte Priorisierung: Während symbolträchtige Megaprojekte wie NEOM zeitlich gestreckt
Pulsierendes Wirtschaftsleben: Kuala Lumpur ist mit rund 2 Mil- lionen Einwohnern Malaysias politisches und ökonomischen Zent- rum. Zahlreiche deutsche Unternehmen sind bereits vor Ort aktiv.
werden, rücken ökonomisch tragfähige Vorhaben in den Fokus. Insbesondere die Vorbereitungen für die Expo 2030 in Riad und die Fußball-WM 2034 treiben die Nachfrage nach Infrastruktur und urbanen Lösungen massiv voran. Für 2026 prognostiziert der IWF ein reales BIP-Wachstum von 4,5 Prozent, für 2027 von weiteren 3,6 Prozent. Dieser Aufschwung wird nicht nur durch die Erholung der Öl- fördermengen, sondern maßgeblich durch einen robusten Nicht-Öl-Sektor getragen. Saudi-Arabien investiert massiv in die Diversifizierung seiner Wirtschaft – ein Feld, in dem deutsche Qualitätstechnologie besonders gefragt ist. Die aktuellen Außenhandelszahlen untermauern diese Dynamik: Die deutschen Ausfuhren stiegen 2024 um
Mehr als Öl- und Gas: Mit dem Programm „Vision 2030“ treibt Saudi-Arabien die Diversifizierung seiner Wirtschaft voran. Der Markt für Hochtechnologie und damit verbundenen Services wächst stetig.
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7,5 Prozent auf rund 8,7 Milliarden Euro. Auch im Jahr 2025 verzeich- neten die deutschen Ausfuhren ein weiteres Plus von 2,3 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro. Ein Blick in die detaillierte Warenstatistik verdeut- licht die Stärken der deutschen Indus- trie vor Ort. An der Spitze stehen klas- sische Investitionsgüter: Maschinen und mechanische Geräte bildeten mit einem Exportwert von rund 1,8 Milli- arden Euro das Rückgrat des Handels. Dicht dahinter folgen Kraftfahrzeuge und Teile mit 1,4 Milliarden Euro sowie pharmazeutische Erzeugnisse, die mit 1,0 Milliarden Euro einen Spitzenwert erreichten. Auch chemi- sche Erzeugnisse und Elektrotechnik bleiben gefragte Dauerbrenner. Für deutsche Unternehmen, ins- besondere aus dem Anlagenbau, der Gesundheitstechnologie und dem Bausektor, bietet das Königreich ein stabiles Umfeld mit hoher Kaufkraft. Die Herausforderung besteht darin, die lokale Präsenz zu stärken und die Transformation im Rahmen der „Vision 2030“ aktiv mitzugestalten. Saudi-Arabien ist längst kein reiner Abnehmer von Industriegütern mehr, sondern ein Partner für komplexe Systemlösungen in einem der dyna- mischsten Märkte weltweit. Brasilien: Mäßiges Wachstum mit guten Aussichten Mit 1,6 Prozent setzt sich das Wachstum der brasilianischen Wirtschaft 2026 fort, allerdings langsamer als im vergangenen Jahr (2,5 Prozent). Ab 2027 rechnet der IWF wieder mit einer stärkeren Dynamik und prognostiziert ein reales BIP-Wachstum von 2,3 Prozent. Die langfristigen Aussichten bleiben daher auch über das Wahljahr 2026 hinaus gut. Die umfassende Steuer- reform trägt dazu bei, Bürokratie abzubauen und verbessert die Voraussetzungen für eine grüne Reindustrialisierung. Besonders wachstumsstark sind das Agribusi- ness und die Nahrungsmittelindust- rie, aber auch Bergbau, Kfz-Industrie, Bauwirtschaft, Gesundheitswirt- schaft, Verteidigungsindustrie und der Bereich der erneuerbaren Ener- gien.
Wachstumstreiber Agribusiness und erneuerbare Energie: Brasilien setzt in der Land- wirtschaft verstärkt auf Wind- und Solarstrom, um auch in Dürrezeiten von Wasserkraft unabhängig zu sein.
Das Agribusiness bleibt trotz Schwankungen ein wichtiger Wachs- tumsmotor. 2025 erzielte die Branche einen deutlicher Zuwachs von etwa 8 Prozent. Im Jahr 2026 dürfte sich das Wachstum mit prognostizierten 2 bis 3 Prozent vorerst verlangsamen. Auch die Industrie entwickelt sich insgesamt schwächer, doch zeigen sich je nach Sektor große Unter- schiede. Während die verarbeitende Industrie kaum wächst, legt die Roh- stoffindustrie deutlich zu. Impulse kommen dabei aus dem Öl- und Gassektor, dem Bergbau sowie aus Infrastrukturprojekten, die auch 2026 eine tragende Rolle spielen. Als größter Gesundheitsmarkt Lateinamerikas verzeichnet Brasi- lien eine hohe Nachfrage im Bereich Medizintechnik. Der demografische Wandel wird in den kommenden Jahrzehnten zu weiter steigenden Gesundheitsausgaben führen – und damit auch zu Absatzchancen für internationale Anbieter. Zudem ist Brasilien bei erneuer- baren Energien ein gigantischer Wachstumsmarkt. Insgesamt nimmt Lateinamerika bei der Energiewen-
de einen Spitzenplatz ein. Dabei ist Brasilien der mit Abstand wichtigste Windenergiemarkt in der Region, und auch die Photovoltaik-Kapazitä- ten wachsen. Künftig soll der Ausbau und die Modernisierung der Über- tragungs- und Vertriebsnetze voran- getrieben werden. Kosteneffiziente Energiespeicher- und Management- systeme rücken in den Vordergrund und bieten deutschen Anbietern von Netztechnik, Speicherlösungen oder Steuerungssoftware konkrete Chan- cen. Mittelfristig kommt man bei stra- tegischen Überlegungen an Brasilien nicht vorbei. Sollte das EU-Mercosur- Abkommen in den nächsten Jahren vorläufig oder vollständig in Kraft treten, eröffnet dies nochmals ganz neue Chancen durch einen einfache- ren Marktzugang. Polen: Wachstumsmarkt vor der Haustür
Nahe am deutschen Markt und mit industrieller Tiefe bleibt das
Nachbarland auch 2026 einer der dynamischsten Wachstumsmärkte
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WACHSTUMSMÄRKTE
Wo wächst die Wirtschaft besonders stark? Jährliche Wachstumsrate des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) in ausgewählten Ländern weltweit (Prognose, in Prozent)
6,46,4
2026 2027
5,6 5,8
5,4
5,1 5,1
4,7
4,5
4,5
4,4 4,2
4,4
4,34,3
4,2 4,1
4,1
4,04,0
4,0
3,6
3,3 3,2
3,5
2,7
2,3
1,6
1,5
1,1
QUELLE: IMF, WORLD ECONOMIC OUTLOOK UPDATE, JANUARY 2026
Fahrzeugtechnik sowie Logistik- und Intralogistiklösun- gen. In der Industrie steigen zudem Bedarf und Budgets für Prozessdigitalisierung, Industrie-IT und Qualitätssi- cherung. Viele polnische Industrieunternehmen erweitern ihre Kapazitäten und rücken im Zuge von Nearshoring- Strategien stärker in europäische Wertschöpfungsketten – ein Pluspunkt für Zulieferer, Serviceanbieter und Techno- logiepartner. Besonders investitionsgetrieben sind drei Felder: Erstens die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft. Polen erhöht seine Verteidigungsausgaben in Richtung 5 Prozent des BIPs und baut Produktions- und Instandhaltungskapazi- täten aus; zusätzliche Impulse kommen aus dem EU-SAFE- Programm mit bis zu 43,7 Milliarden Euro an Finanzie- rungsrahmen. Zweitens die Energiewende: Der nationale Energie- und Klimaplan setzt stärker auf erneuerbare Er- zeugung, Netzausbau und Speicher; mittelfristig soll auch Kernkraft eine größere Rolle spielen. Drittens Infrastruktur und Digitalisierung – von Schienen- und Straßenprojekten bis zur Modernisierung öffentlicher Leistungen. Für den Mittelstand ergibt sich daraus ein breites Projekt- und Partnerfeld mit kurzen Lieferwegen und EU-Rahmenbe- dingungen. GTAI/IHK
innerhalb der Europäischen Union. Der IWF erwartet für 2026 ein reales BIP-Wachstum von rund 3,5 Prozent, für 2027 etwa 2,7 Prozent. Damit hebt sich Polen deutlich vom europäischen Durchschnitt ab. Treiber sind vor allem staatliche Investitionen – gestützt durch eine zügigere Umsetzung von EU-finanzierten Programmen – sowie ein robuster Arbeitsmarkt. Nach den inflationsbedingt schwierigen Jahren 2022 und 2023 hat sich das makro- ökonomische Umfeld spürbar stabilisiert. Gleichzeitig steigt der staatliche Finanzierungsbedarf unter anderem durch höhere Verteidigungs- und Sozialausgaben. Für deutsche Unternehmen ist Polen längst Kernmarkt und Fertigungsstandort zugleich – und ein wichtiger In- dikator für die enge Verflechtung ist der Handel: 2025 exportierte Deutschland Waren im Wert von knapp 100 Milliarden Euro, rund 7 Prozent mehr als 2024. Damit liegt das Nachbarland auf Platz 4 der wichtigsten deut- schen Exportmärkte. Die Nachfrage konzentriert sich auf Investitions- und Vorleistungsgüter, etwa aus Maschinen- und Anlagenbau, Automatisierungs- und Elektrotechnik,
Informationsquellen
INFO
International Monetary Fund (IMF) – World Economic Outlook, January 2026: imf.org/en/publications/weo/issues/2026/01/19/world- economic-outlook-update-january-2026 AHK World Economic Outlook, Herbst 2025 dihk.de/de/newsroom/ahk-world-business-outlook- herbst-2025-entwicklungen-risiken-und-chancen-fu- er-deutsche-firmen-weltweit-157702 Germany Trade & Invest (GTAI) – Wirtschaftsausblick gtai.de/de/trade/unser-service/wirtschaftsausblick
Ihr Team International bei der IHK Rhein-Neckar
Für alle weiteren Fragen zur Marktentwicklung in den verschiedenen Regionen und Ländern stehen wir Ihnen mit unserem Know-how gerne zur Verfügung. Sprechen Sie uns an – per Telefon oder E-Mail.
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EUROPA
POLEN Pharmamarkt bietet gute Chancen
bungs- und apothekenpflichtige Präparate. Das sind 73 Arzneimittel mehr als ein Jahr zuvor. In der Praxis erhalten vor allem preisgünstige Generika eine Erstattung, während innovati- ve und kostenintensive Medikamente höhere Hürden überwinden müssen. Häufig verlangt das Gesundheitsministerium zusätzliche soge- nannte Risk-Sharing-Vereinbarungen, bei denen Hersteller sich an Mehrkosten beteiligen, wenn vereinbarte Erstattungsbudgets überschritten werden. Der polnische Arzneimittelmarkt ist auch auf- grund seiner Größe attraktiv. Polen zählt rund 38 Millionen Einwohner, die Bevölkerung altert, und Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck nehmen zu. Vor diesem Hinter- grund rechnet die Marktberatungsagentur Fitch Solutions bis 2029 mit einem durchschnitt- lichen jährlichen Umsatzwachstum von 5,4 Prozent bei pharmazeutischen Erzeugnissen. Positiv für Hersteller patentgeschützter Arznei- mittel ist, dass Polen zunehmend innovative Medikamente erstattet, unter anderem in der Onkologie, Neurologie sowie bei seltenen Krank- heiten. Deutschland ist der wichtigste Lieferant Polens für pharmazeutische Erzeugnisse. Mit einem Anteil von 18,8 Prozent an den gesamten Pharmaimporten liegt Deutschland deutlich vor allen anderen Herkunftsländern. Polen ist bei der Arzneimittelversorgung stark auf Importe angewiesen. Entsprechend sind zahlreiche deut- sche Pharmaunternehmen im Land präsent, vor allem mit Vertriebs-, Marketing- und Verwal- tungseinheiten. Einzelne Hersteller produzieren auch bereits vor Ort. Die Rahmenbedingungen für den Markt- zugang entsprechen weitgehend den europäi- schen Vorgaben. Neben nationalen Zulassungs- verfahren über die zuständige Behörde URPL können Unternehmen auch die EU-weiten Verfahren nutzen, etwa über die Europäische Arzneimittelagentur EMA. Für ausländische Anbieter gelten damit vergleichbare regulatori- sche Voraussetzungen wie in anderen EU-Mit- gliedstaaten. GTAI/IHK Die Liste der erstattungsfähigen Medikamente ist auf der Website des polnischen Gesundheitsmi- nisteriums veröffentlicht:
Dynamischer Markt: Der steigende Wohlstand, die alternde Bevölkerung und höhere öffentliche Gesundheitsausgaben lassen die Nachfrage nach Arzneimitteln in Polen wachsen.
Steigende staatliche Mittel für das Ge- sundheitssystem führen in Polen zu einer wachsenden Nachfrage nach Arzneimitteln und erhöhen die Attraktivität des Marktes für ausländische Anbieter. Für 2026 sieht das Haushaltsgesetz öffentliche Gesundheitsausga- ben von rund 59 Milliarden Euro vor, ein Plus von 6 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr – und damit ein Rekordniveau. Enthalten sind sowohl die beitragsfinanzierten Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse NFZ (Narodowy Fundusz Zdrowia) als auch steigende Zuschüsse aus dem Staatshaushalt. Für Pharmaunternehmen besonders relevant ist das Erstattungsbudget. Die Mittel der NFZ für Arzneimittelerstattungen steigen um mehr als 780 Millionen Euro auf insgesamt rund 7,3 Milliarden Euro. Damit verbessert sich die Chance, dass weitere Präparate in die Erstat- tungsliste aufgenommen werden. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten, lösen Patienten Rezepte häufiger ein, was dem Absatz von Pharmaprodukten einen deutlichen Impuls gibt. Zwischen 2025 und 2026 hat das Gesund- heitsministerium die Liste der erstattungs- fähigen Medikamente erneut erweitert. Anfang 2026 umfasste sie insgesamt 4.146 verschrei-
18,8% DER PHARMAIMPORTE in Polen kommen aus Deutschland. QUELLE: G TAI
gov.pl/web/zdrowie/obwieszczenia-ministra- zdrowia-lista-lekow-refundowanych
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EUROPA
ITALIEN Absatzpotenzial in der Luft- und Raumfahrtindustrie
Italien investiert massiv in seine Luft- und Raum- fahrtindustrie. Die Branche soll bis 2030 jährlich um 10,5 Prozent wachsen – getragen von neuen Ferti- gungsprojekten, internationaler Kooperation und starken regionalen Clustern. Besonders hohe Wachstumsdynamik zeigt der Bereich Erdbeobachtungstechnologien, dessen Umsatz allein 2025 um 28 Prozent steigen dürfte. Deutsche Zulieferunter- nehmen profitieren vom wachsenden Bedarf an Hightech- Komponenten, elektronischen Systemen, Präzisionsferti- gung und Leichtbau. Ein Leuchtturmprojekt ist der Bau eines Werks für das zukünftige größte Frachtflugzeug der Welt (Windrunner). Der US-Hersteller Radia investiert dafür 3 Milliarden Euro in eine neue Produktionsstätte in Grottaglie (Apulien). Die Fertigstellung ist zwischen 2026 und 2029 geplant. Zentrale Industrieakteure Italiens führendes Unternehmen Leonardo baut seine Aktivitäten weiter aus und kooperiert dazu eng mit Air-
bus und Thales. Das Unternehmen fertigt unter anderem Hubschrauberkomponenten in Brindisi und betreibt um- fassende Raumfahrtprogramme. Weitere wichtige Player mit Zulieferbedarf sind: • Sitael – führender Satellitenhersteller mit Sitz in Bari • Alenia Aermacchi (Leonardo-Gruppe) – produziert Rumpfsektionen für die Boeing 787 und Kompo- nenten für ATR Flugzeuge • Avio Aero (GE) – liefert Triebwerkskomponenten für Boeing Programme • U Avitalia – aktiv im Bereich UAV (Unmanned Aerial Vehicle) und VTOL (Vertical Take-Off and Landing) Kooperationen mit internationalen OEMs – etwa Boeing, Airbus und General Electric – sorgen für eine beständige Nachfrage nach zertifizierten Zulieferteilen. GTAI/IHK
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NORDSEEANRAINER Milliarden für Offshore-Energieverbund
Strom von den Windkraftanlagen auf offenem Meer in mehrere Länder transportieren. Geplant sind zudem Offshore-Elektrolyseanlagen zur Erzeugung grünen Wasserstoffs und Pipelines zu dessen Abtransport. Bisher erzeugen in der Nordsee Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von rund 22 Gigawatt Strom. Bis 2050 soll die Erzeugungskapazität für Offshore- Windstrom auf mindestens 300 Giga- watt zulegen und die Nordsee so zum größten grünen Kraftwerk Europas werden. GTAI/IHK
garantiert. Die Branche will sich – wenn die Staaten die Rahmenbedin- gungen schaffen – dazu verpflichten, die Stromgestehungskosten bis 2040 um 30 Prozent zu reduzieren, bis 2030 in Europa 9,5 Milliarden Euro in neue Produktionskapazitäten zu investieren und mehrere Zehntausend neue Arbeitsplätze zu schaffen. Zum Offshore-Energieverbund in der Nordsee sollen künftig neben bereits produzierenden und noch aus- zubauenden Windkraftanlagen auch hybride Interkonnektoren gehören, also Übertragungsleitungen, die den
Mit einem in Hamburg unterzeich- neten Joint Investment Pact wollen Nordsee-Staaten, Offshore-Windin- dustrie und Übertragungsnetzbetrei- ber den Grundstein für den weltweit größten Hub für grüne Energie in der Nordsee legen. Teil der Vereinbarung ist ein Verfahren für Offshore-Wind- Ausschreibungen, das der Windener- gie- und Netzindustrie über das Jahr 2030 hinaus Investitionssicherheit Grünes Powerhouse Europas: Die Nordsee- Staaten wollen gemeinsam ihre Offshore- Energieerzeugung massiv ausbauen. Auch deutsches Know-how ist gefragt.
Die größten Offshore-Wind-Standorte der Welt Länderanteil an der weltweit installierten Kapazität (in Prozent, 2023)
37,8
China
14,7
Vereinigtes Königreich
Deutschland
8,3
Niederlande
4,7
Sonstige
9,7
QUELLE: GLOBAL WIND ENERGY COUNCIL (GWEC) 2024 / GTAI
GESCHÄFTSANBAHNUNGSREISE
8. BIS 10. JUNI 2026 Niederlande: Sicherheit von Offshore-Windkraftanlagen Gemeinsam mit den baden-württembergischen IHKs und der AHK Niederlande organisieren wir eine
TEILNAHMEENTGELT: 900 Euro zzgl. MwSt. WEITERE INFORMATION UND ANMELDUNG: register.ihk-exportakademie.de/event-details?event_id=965 ANMELDESCHLUSS: 31. März 2026 IHR ANSPRECHPARTNER:
Geschäftsanbahnungsreise für Zulieferer im Bereich der Sicherheit von Offshore-Windkraftanlagen nach Den Haag, Amsterdam, Utrecht und Leiden. Ziel ist es, Unternehmen aus Baden-Württemberg beim Erschließen von Geschäfts- potenzialen zu unterstützen. Die Reise bietet Einblicke in zahlreiche Projekte, mit besonderem Fokus auf Branchen- führer wie Equinor, RWE Renewables, Vatenfall und Heerema Marine Contractors. Durch Firmenbesuche und Netzwerk- gespräche haben Sie die Möglichkeit, sich mit internationa- len Größen und deren Zulieferern zu vernetzen. Interessiert?
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AMERIKAS
PERU Bergbautechnologie gefragt
Perus Bergbau boomt: Derzeit stehen Bau- und Erweiterungs- arbeiten an zwölf Minen mit einem Gesamtvolumen von über 11 Milliar- den US-Dollar (US$) an. Zu den größten Vorhaben zählen die Kupfer- minen Tía María und Zafranal. Der Trend zu Nachhaltigkeit eröffnet deutschen Unternehmen neue Chancen – etwa bei Technologien zur Reduzierung des Wasserverbrauchs, Lösungen für den Sekundärbergbau sowie bei erneuerbaren Energien. Nachhaltige Wassernutzung wird wichtiger Ein Großteil der weltweiten Produk- tion von Kupfer, Gold, Eisenerz und Zink findet in Gebieten mit starker Wasserknappheit statt. Unterneh- men versuchen daher, nachhaltiger mit Wasser umzugehen. So kündigte Southern Copper, der Investor des Kupferprojekts Tía María, an, dass die Mine eine Meerwasserentsalzungs- anlage erhalten soll. Auch die lokale Bevölkerung, auf deren Akzeptanz der Bergbau angewiesen ist, haben die Unternehmen im Blick. So investiert Newmont knapp 30 Millionen US$ in Trinkwasserbrunnen und -speicher für Gemeinden in Cajamarca. Deut- sche Technologie, die den Wasserver- brauch senkt und effizienter gestaltet, hat daher gute Chancen. Potenzial im Sekundärbergbau Der Fokus auf Nachhaltigkeit spie- gelt sich auch im Umgang mit Berg- baurückständen wider. Über 1.200 Abraumhalden gelten in Peru als Umweltbelastung. Mehrere Projekte zur Wiederverwertung laufen bereits. So will Cerro de Pasco Resources aus den Halden in Quiulacocha Silber, Zink, Blei und Gallium und poten- ziell Kupfer, Gold und Pyrit zurück- gewinnen. Wer Technologie für den Sekundärbergbau und die Schließung von Minen anbietet, trifft auf Ab- satzchancen: Laut Ministerium für
Steigende Weltmarktpreise und eine robuste Nachfrage: Der peruanische Bergbau expan- diert. Mehrere Großprojekte winken mit Marktchancen für deutsche Unternehmen.
von Herrenknecht minimieren die Betriebsrisiken. Schlüsseltechnologie von deutschen Anbietern Deutsche Firmen sind wichtige Lie- feranten und weiten ihre Aktivitäten im Land aus. Ein Beispiel ist Bosch Rexroth: Das Unternehmen eröffnete 2025 ein neues Servicezentrum in Arequipa. Auch das Ingenieurbüro DMT sieht enormes Potenzial. Der Nachholbedarf bei der Exploration ist groß, da die Reserven schrumpfen und die globale Nachfrage steigt. Der Eschborner Spezialist CMC Instru- ments wiederum erkennt Chancen für seine Ölsensorik, die die Nachhaltig- keit von Prozessen verbessert. Auch innovative Produkte für Laugungs- prozesse der Firma CHT sind gefragt, denn das Verfahren kennt bislang kaum Konkurrenz. Motoren von MTU treiben die wichtigsten Minen an, und Samson lieferte für die Quellaveco- Mine hunderte Regelventile. GTAI/IHK
Energie und Bergbau haben Betreiber im Land über 2,8 Milliarden US$ an finanziellen Garantien zugesagt, um eine verantwortungsvolle Schließung ihrer Minen zu gewährleisten. Effizienz und Sicherheit im Fokus Neu entdeckte Lagerstätten liegen heute tiefer, was die Erschließung technisch und finanziell anspruchs- voller macht. In vielen Minen sinkt zudem der Kupferanteil und somit die Produktivität. Industrie 4.0, Digitalisierung und Nachhaltig- keit sind daher die entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. In diesem Bereich haben deutsche Firmen im peruanischen Bergbau wichtige Alleinstellungsmerkmale. Um die Betriebskosten zu senken, setzen die Betreiber auf effizienzsteigernde Technologien, so etwa auf intelligen- te Druckluftkompressoren von Kaeser aus Coburg. Und Monitoring-Systeme von Netzsch, SEW Eurodrive und Bosch Rexroth sowie Bohrtechnik
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AMERIKAS
KANADA Biotech wächst stark
industrielle Fermentation. Die Anlage fungiert als gemein- schaftlich nutzbare Plattform und bietet Präzisionsfermenta- tion sowie Sprühtrocknung im kommerziellen Maßstab. Ziel ist es, die Skalierung im Land zu halten und nachhaltige Lieferketten aufzubauen. Ge- fragt sind Fermentations- und Trocknungstechnik, die sich in automatisierte Prozesse ein- fügen und den Anforderungen an Nachweisführung und Zu- verlässigkeit gerecht werden. Doch nicht nur neue Anlagen und Beschaffungen machen den Markt attraktiv. Zusätzlich haben sich die Rahmenbedin- gungen verbessert, auch durch modernisierte Regeln. Das schafft mehr Planungssicher- heit und beschleunigt Projekte. Die Bundesbehörde Health Canada hat 2024 den Annex 2 des GMP Leitfadens für Bio- logika (Gute Herstellungspra- xis) überarbeitet und stärker an internationale Vorgaben angelehnt. Zell- und Genthera- pien wurden bewusst aus dem Geltungsbereich herausge- nommen und in einer eigenen Leitlinie berücksichtigt. Für Unternehmen bedeutet das: Klarere Vorgaben bei klassi- schen Biologika und spezi- fische Regeln für neuartige Therapien in Vorbereitung. Das Rahmenwerk für „Ad- vanced Therapeutic Products“ (ATP) erlaubt ein kontrollier- tes Testen neuer Technolo- gien im realen Betrieb. Health Canada legt für ausgewählte Produkte klare Vorgaben fest – vom zusätzlichen Monito- ring bis zu Änderungsregeln. Unternehmen können so früher starten. Erfolgreiche Ansätze werden später in die regulären Vorgaben übernom- men. GTAI/IHK
Neue Projekte von British Columbia bis nach Nova Sco- tia: Investitionen, Förderprogramme und regulatorische Reformen stärken den kanadischen Biotech-Sektor.
weitere Linien sowie Strah- lenschutz und Steriltechnik integriert werden, bestehen für spezialisierte Anbieter derzeit gute Lieferchancen. Auch außerhalb Ontarios wächst die Produktion: In British Columbia entsteht ein nationaler Biomanufacturing- Hub für neuartige Therapien, gefördert mit rund 100 Millio- nen US-Dollar (US$). Der Hub will Forschungsergebnisse in weniger als 100 Tagen in die Produktion bringen. Folglich wächst der Bedarf an Anlagen, Automatisierung und Quali- tätssystemen. Zudem bauen Unternehmen in Alberta Kapazitäten auf: Entos errichtet in Edmonton eine Produktions- und For- schungsstätte für genetische Arzneimittel. Da sich das Projekt in der Vorbereitung befindet, stehen zentrale Beschaffungsrunden an. Für deutsche Anbieter bestehen daher in der aktuellen Pla- nungs und frühen Implemen- tierungsphase ausgezeichnete Einstiegsmöglichkeiten. An der Atlantikküste setzt Nova Scotia mit dem Neptune BioInnovation Centre auf
Ontario bleibt Zentrum der kanadischen Bio-
pharmazie: Sanofi eröffnete 2024 in Toronto eine Impf- stofffabrik, eine zweite Anlage für einen Influenza-Impfstoff ist derzeit im Hochlauf. Da diese 2027 mit der Produktion startet, laufen derzeit Beschaf- fungen für Abfüll‑ und Verpackungstechnik sowie digitale Rückverfolgung – mit entsprechenden Einstiegs- chancen für spezialisierte Anbieter. Hamilton entwickelt sich zum Standort für Zell und Gentherapien. OmniaBio hat dort 2024 eine Produktions- anlage eröffnet, in der künst- liche Intelligenz (KI) und Robotik in automatisierte Abläufe integriert sind. Auch AtomVie baut in Hamilton seine Kapazitäten im Bereich Radiopharma aus. Die neue Anlage, ausgelegt auf strahlge- schützte und sterile Prozesse, soll die Produktion deutlich steigern. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an präzise Technik, zuverlässigen Service und belastbare Quali- fizierungsnachweise. Da das Ausbauprojekt noch läuft und
1.000 BRANCHEN- UNTERNEHMEN zählt der kanadische Biotech-Sektor. Die wichtigsten Cluster befinden sich in Toronto, Vancouver, Montreal und Calgary.
QUELLE: BIOTECANADA+
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ASIEN-PAZIFIK
INDIEN Chemieindustrie profitiert vom Wirtschaftswachstum
Als Basisindustrie der Wirtschaft profitiert die Chemiebranche in Indien vor allem vom soliden, branchenübergreifen- den Wirtschaftswachstum. Infrastrukturinves- titionen treiben die Nachfrage nach Zement und Stahl und damit nach Basischemikalien. Wichtige Industriezweige wie beispielsweise die Kfz-Industrie wachsen. All das sind Gründe, die auch deutsche Unternehmen mit langfristi- gem Interesse an Indien positiv stimmen. Dabei ist Indien sowohl als Absatzmarkt wie auch als Produktionsstandort interessant. Der Chemiesektor zählt zu den wichtigsten Industriezweigen Indiens. Die Branche ist geclustert, mit Schwerpunkten in den Bundes- staaten Gujarat, Maharashtra, Tamil Nadu und Uttar Pradesh. Pharmazie und Chemikalien sind Bestandteile der „Make in India“-Kam- pagne. Die aktuelle Marktgröße beträgt rund 278 Milliarden US-Dollar. Bis 2028 soll die Nachfrage nach Chemikalien um jährlich rund 5 Prozent wachsen, so die Indian Brand Equity Foundation. Brancheninsider berichten, dass es in Indien insbesondere an Produktionsstandorten für sogenannte „Building Blocks“ – also petro- chemische Basischemikalien wie Ethylen, Propylen oder Benzol fehlt. Sowohl staatliche als auch private Unternehmen wägen derzeit Investitionsentscheidungen ab, um die Import- abhängigkeit in diesem Bereich zukünftig zu verringern. GTAI/IHK
Die Chemiebranche ist für Indien von großer Bedeutung. Laut Branchenver- tretern trägt sie zwischen 6 und 7 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.
SINGAPUR / EU Digitales Handelsabkommen in Kraft
Das „EU-Singapur Digital Trade Agreement (DTA)“ ist seit 1. Februar 2026 in Kraft. Es ist
offene, wettbewerbsfähige digitale Märkte gestärkt werden. Im Jahr 2024 erreichte der gesamte Waren- und Dienst- leistungshandel zwischen der EU und Singapur ein Volumen von rund 131 Milliarden Euro – davon entfielen 83 Milliarden Euro auf Dienstleistungen und 48 Milliar- den Euro auf Waren. Ein Großteil des Dienstleistungs- handels wurde digital abgewickelt, was die wachsende Bedeutung digitaler Formate für den bilateralen Austausch unterstreicht. IHK
das erste eigenständige bilaterale Digitalhandelsabkom- men der EU. Das Abkommen stärkt den bilateralen Handel durch transparente Regeln für digitale Transaktionen. Es soll vor allem die Rechtssicherheit für Unternehmen schaffen, in dem es unter anderem die Gültigkeit elektro- nischer Signaturen, Verträge und Rechnungen gewährleis- tet und Zölle auf elektronische Übertragungen verbietet. Darüber hinaus unterstützt das Abkommen einen fairen digitalen Handel. Es verbietet ungerechtfertigte Anforde- rungen zur Datenspeicherung vor Ort und die erzwungene Offenlegung von Software-Quellcodes. Damit sollen pro- tektionistische Praktiken verhindert und das Vertrauen in
Weitere Informationen finden Sie auf der Website der EU-Kommission:
ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/mex_26_301
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ASIEN-PAZIFIK
VIETNAM Textilindustrie will unabhängig werden
Die vietnamesische Bekleidungsindustrie ist mit rund 7.000 Unternehmen und über 3 Mil- lionen Beschäftigten ein zentraler Pfeiler der Wirt- schaft. Die Branche gehört auch international zu den wichtigsten Akteuren. Die Branche will nun auch die lokale Wertschöp- fung erhöhen und Abhängigkeiten von importierten Vorprodukten reduzieren. Derzeit stammen rund drei Viertel dieser Materialien aus dem Ausland. Betrof- fen sind Baumwolle, PET-Pellets für Polyesterfasern, Stoffe und Garne sowie Knöpfe, Reißverschlüsse und andere Accessoires. Allein etwa 50 Prozent der Stoffe kommen aus China. Vietnam muss also mehr Zwischenprodukte wie Stoffe, Garne und Zubehör selbst erzeugen, und mehrere Vorhaben zeigen in diese Richtung. Dazu gehören auch das Recycling von Stoffen oder die Nutzung alternativer Materialien aus nachwachsenden biologischen Ressourcen. US-Abnehmer drängen nun darauf, weniger Mate- rialen aus China einzusetzen. Für Lieferungen in die EU ist ebenfalls die Nutzung lokaler Stoffe entschei- dend, um die Ursprungsregeln des Freihandelsab- kommens zwischen der EU und Vietnam zu erfüllen. Die Ursprungsregeln verlangen, dass die verwendeten Stoffe aus Vietnam, der EU oder einem anderen Land stammen, mit dem die EU ein Freihandelsabkom- men hat. Derzeit erfüllen nur etwa 30 Prozent der vietnamesischen Bekleidungsexporte in die EU diese Bedingung. GTAI/IHK
Mehr lokale Wertschöpfung: Vietnam weitet die Produktion von Textilien aus, um Importabhängigkeiten zu senken und mehr Exporte zu ermög- lichen.
INDONESIEN Lieferchancen in maritime Sicherheit
Nationale Plattform für Beschaffungen und Ausschrei- bungen ist das Portal „Pencarian LPSE Indonesia“. Eine Teilnahme an Ausschreibungen ist ausschließlich lokal registrierten Unternehmen möglich. Zudem gelten Vorga- ben zur lokalen Wertschöpfung, weshalb für ausländische Anbieter die Zusammenarbeit mit indonesischen Partner- unternehmen entscheidend ist. Im internationalen Kontext setzt Indonesien auf ein breit angelegtes Netzwerk von Partnerschaften, um im Krisen- fall nicht von einzelnen Staaten abhängig zu sein. Diese Kooperationen sollen zugleich den Transfer von Technolo- gien und Know-how in den heimischen Schiffbau und die maritime Wirtschaft fördern. GTAI/IHK
Die indonesische Regierung verfolgt ehrgeizige Ziele im maritimen Bereich. Neben der Verbesserung der Ernährungssicherheit durch den Ausbau von Fischereiflot- ten und Kühlketten stehen die Bekämpfung illegaler Fischerei, Schmuggel und Piraterie im Vordergrund. Auch der Ausbau von Frühwarnsystemen soll helfen, die Bevölkerung besser vor Überschwemmungen und Naturka- tastrophen zu schützen. Trotz eines allgemeinen Sparkurses wird der maritime Sektor vorrangig gefördert. Nach Expertenschätzungen belaufen sich die staatlichen Investitionen auf rund 4 bis 5 Milliarden US-Dollar. Ausschreibungen werden über- wiegend von staatlichen Organisationen wie der Marine und insbesondere der Küstenwache Bakamla durchgeführt. Letztere ist direkt dem Präsidenten unterstellt und koor- diniert die verschiedenen maritimen Sicherheitsbehörden des Landes.
Portal „Pencarian LPSE Indonesia” (nur auf Indonesisch):
spse.inaproc.id
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ASIEN-PAZIFIK
THAILAND Nachfrage nach Medikamenten steigt
Der thailändische Pharmamarkt steht vor einer Phase kräftigen Wachstums. Laut einer aktuellen Analyse von Krungsri Research wird für die Jahre 2026 und 2027 jeweils ein Umsatzplus zwischen 6 und 7 Prozent erwartet. Das dynamische Branchenwachstum übertrifft damit deutlich das gesamtwirtschaftliche Wachstum des Landes, das mit rund 2 Prozent im regionalen Vergleich verhalten ausfällt. Treiber dieser Entwicklung sind mehrere strukturelle Faktoren. Zum einen verändert der demografische Wandel die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen: Das Median- alter der thailändischen Bevölkerung liegt inzwischen bei 41 Jahren und hat damit europäisches Niveau erreicht. Gleichzeitig sorgt das staatliche Universal Coverage Sche- me (UCS) für einen besseren Zugang zu medizinischer Versorgung, von dem immer mehr Menschen profitieren. Hinzu kommen gesundheitliche Belastungen durch Urba- nisierung, Umweltverschmutzung und Veränderungen der Lebensgewohnheiten in den Städten. Obwohl das Königreich über ein vergleichsweise gut ent- wickeltes Gesundheitssystem verfügt, bleibt die Arzneimit- telproduktion ein Schwachpunkt. Die heimische Industrie konzentriert sich vorwiegend auf die Herstellung von Ge- nerika, deren Grundstoffe zu rund 90 Prozent importiert werden – vor allem aus China und Indien. Diese Medika- mente decken primär den Inlandsbedarf, kleinere Mengen gehen in Nachbarländer innerhalb der ASEAN-Region. Bei innovativen und höherwertigen Arzneimitteln ist Thailand hingegen auf Importe angewiesen. Jährlich
In Thailand gibt es rund 22.000 Apotheken. Sie erwirtschaften etwa 20 Prozent der gesamten Pharmaverkäufe und setzen dabei überwiegend frei verkäufliche Arzneimittel ab.
werden Medikamente im Wert von über 3 Milliarden US- Dollar eingeführt. Zu den wichtigsten Lieferländern zählen Deutschland und die USA. GTAI/IHK
NEUSEELAND Neues Energiepaket setzt auf Gas
die die erneuerbaren Energien bis 2030 auf 100 Prozent des Strommix anheben wollte. So wird auch das geplante Pumpspeicherwerk am Lake Onslow gestrichen. Im Jahr 2025 hatte die Regierung bereits das Verbot der Offshore- Öl- und Gasförderung aufgehoben und stellte insgesamt rund 102 Millionen Euro über vier Jahre für neue und bestehende Gasfelder bereit. Langfristig sollen jedoch auch erneuerbare Energien ausgebaut werden, unter anderem im Offshore Wind-Be- reich. Gemäß des neuen Energiepakets soll die Produktion aller Erneuerbaren bis 2050 verdoppelt werden. Wie genau bleibt vage. Für deutsche Unternehmen ergeben sich Chancen in den Bereichen LNG Infrastruktur, Netzmodernisierung, Ener- giespeicher, Marktüberwachungssoftware und Prognose Tools für Gas- und Stromdaten-Reporting sowie Turbinen und Fundamente für Offshore-Wind-Anlagen. GTAI/IHK
Die neuseeländische Regierung beschloss Ende 2025 ein neues Energiepaket. Die zwei Hauptziele sind Energiesicherheit (technologieoffen) und die Stärkung des Strommarkts. Darüber hinaus sollen Investitionsanreize geschaffen werden. Zu den kurzfristigen Maßnahmen im Paket zählt unter anderem ein geplanter LNG-Import Terminal. Zudem wird die staatliche Strombehörde mehr Macht für die Preisüber- wachung erhalten und bei Marktversagen einschreiten. Ebenso sollen Informationen zu Reserven und Produk- tion von Erdgas transparenter werden, um klare Signale für Investitionen in Energieerzeugung und -speicher zu setzen. Die Regierung will hier einen klaren und binden- den Rahmen für die Datenerhebung und -veröffentlichung einführen. Die konservativ-liberale Landesführung nimmt zudem weiter Abstand von den Zielen der Vorgängerregierung,
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MENA/AFRIKA
MAROKKO Mehr Investitionen in Medizintechnik
2030 wird ein nominales Wachstum von rund 7 Prozent jährlich erwartet. Dabei gewinnen Digital-Health-Programme an Bedeu- tung, darunter Telemedizin und E‑Health zur besseren Versorgung ländlicher Gebiete. Initiativen wie Maroc Digital sowie internationale Veranstaltungen wie die GITEX Future Health Africa 2026 stärken Marokkos Rolle als interessanten Innovationsstandort. Zudem verändern zentrale Investitionsprogramme das Marktumfeld nachhaltig. Dazu gehören der Neubau mehrerer Universitätskliniken in Rabat, Agadir, Laâyoune, Béni Mellal, Guelmim und Errachidia. Bis 2027 entstehen zusätzlich 44 lokale Krankenhäuser, während 91 Einrich- tungen modernisiert werden. Hinzu kommen 49 regio- nale Gesundheitszentren, ausgestattet mit Technik zur Grundversorgung und mobile Medizin wie Rettungs- und Transporteinheiten. Diese Programme sichern eine stabile Nachfrage über nahezu alle Geräteklassen hinweg. Konjunkturell entwickelt sich die Branche dynamisch. Der medizinisch-pharmazeutische Sektor erzielte 2025 rund 1,82 Milliarden Euro Umsatz. Für deutsche Hersteller ergeben sich attraktive Perspektiven. Rund 90 Prozent der Medizintechnik werden importiert. Wichtige Lieferländer sind China, Deutschland und die USA. Zugleich gilt ein striktes Importverbot für gebrauchte Geräte, wodurch ein hoher Bedarf an fabrikneuer Technik entsteht. Besonders gefragt sind Systeme der bildgebenden Diagnostik, Inten- siv- und Überwachungstechnik, Labordiagnostik, Notfall- ausstattung sowie Onkologie und Dialyse. Regulatorisch ist der Marktzugang klar strukturiert. Seit 2026 erfolgt die zentrale Zulassung über die Agence Maro- caine du Médicament et des Produits de Santé (AMMPS). Hersteller und Händler müssen strenge technische An- forderungen erfüllen, bevor Produkte in Verkehr gebracht werden dürfen. Europäische Standards wie CE‑Marking, ISO‑13485 und EU‑Konformitätsbewertungen werden aber anerkannt. GTAI/IHK
Moderne Medizintechnik gefragt: Die Ausweitung der staatlichen Krankenversicherung und Investitionen in Digitalisierung und Kliniken lassen den Bedarf drastisch steigen.
Der marokkanische Medizintechnikmarkt befindet sich in einer Phase beschleunigten Wachstums und struktureller Modernisierung. Treiber sind Gesundheitsre- formen, steigende staatliche Ausgaben und der Ausbau medizinischer Infrastruktur. Das staatliche Gesundheits- budget steigt 2026 auf 4,24 Milliarden Euro und liegt rund 30 Prozent über dem Vorjahr. Etwa 1,45 Milliarden Euro fließen in Medizintechnik, Verbrauchsmaterial und digitale Anwendungen. Parallel wird die allgemeine Krankenver- sicherung auf nahezu die gesamte Bevölkerung ausgewei- tet, was die Nachfrage nach diagnostischer und therapeuti- scher Technologie erhöht. Öffentliche Ausschreibungen erreichten 2025 ein Volumen von 744 Millionen Euro; bis
EU-UMFRAGE
Welche Interessen haben Sie in der MENA-Region? Die EU-Kommission will Unternehmen stärker in Nordafrika und dem Nahen Osten einbinden. Mit einem offenen Interessensaufruf sammelt die Generaldi- rektion MENA dafür Markteinschätzungen aus der
In einem Factsheet sind die wichtigsten Aspekte für Firmen zusammengefasst. GTAI/IHK Zum Interessenaufruf der EU-Kommission: north-africa-middle-east-gulf.ec.europa.eu/what- we-do/global-gateway-mediterranean/publication- general-call-expressions-interest-mena-market- intelligence-mapping-eu-private-sector_en
Wirtschaft. Dies soll helfen, künftige EU-Instrumente im Rahmen von Global Gateway sowie des Pakts für das Mittelmeer besser auszurichten. Europäische Firmen können sich online auf Englisch an der Umfrage beteiligen.
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