IHK-Global Business Ausgabe 3/2026

AMERIKAS

KANADA Biotech wächst stark

industrielle Fermentation. Die Anlage fungiert als gemein- schaftlich nutzbare Plattform und bietet Präzisionsfermenta- tion sowie Sprühtrocknung im kommerziellen Maßstab. Ziel ist es, die Skalierung im Land zu halten und nachhaltige Lieferketten aufzubauen. Ge- fragt sind Fermentations- und Trocknungstechnik, die sich in automatisierte Prozesse ein- fügen und den Anforderungen an Nachweisführung und Zu- verlässigkeit gerecht werden. Doch nicht nur neue Anlagen und Beschaffungen machen den Markt attraktiv. Zusätzlich haben sich die Rahmenbedin- gungen verbessert, auch durch modernisierte Regeln. Das schafft mehr Planungssicher- heit und beschleunigt Projekte. Die Bundesbehörde Health Canada hat 2024 den Annex 2 des GMP Leitfadens für Bio- logika (Gute Herstellungspra- xis) überarbeitet und stärker an internationale Vorgaben angelehnt. Zell- und Genthera- pien wurden bewusst aus dem Geltungsbereich herausge- nommen und in einer eigenen Leitlinie berücksichtigt. Für Unternehmen bedeutet das: Klarere Vorgaben bei klassi- schen Biologika und spezi- fische Regeln für neuartige Therapien in Vorbereitung. Das Rahmenwerk für „Ad- vanced Therapeutic Products“ (ATP) erlaubt ein kontrollier- tes Testen neuer Technolo- gien im realen Betrieb. Health Canada legt für ausgewählte Produkte klare Vorgaben fest – vom zusätzlichen Monito- ring bis zu Änderungsregeln. Unternehmen können so früher starten. Erfolgreiche Ansätze werden später in die regulären Vorgaben übernom- men. GTAI/IHK

Neue Projekte von British Columbia bis nach Nova Sco- tia: Investitionen, Förderprogramme und regulatorische Reformen stärken den kanadischen Biotech-Sektor.

weitere Linien sowie Strah- lenschutz und Steriltechnik integriert werden, bestehen für spezialisierte Anbieter derzeit gute Lieferchancen. Auch außerhalb Ontarios wächst die Produktion: In British Columbia entsteht ein nationaler Biomanufacturing- Hub für neuartige Therapien, gefördert mit rund 100 Millio- nen US-Dollar (US$). Der Hub will Forschungsergebnisse in weniger als 100 Tagen in die Produktion bringen. Folglich wächst der Bedarf an Anlagen, Automatisierung und Quali- tätssystemen. Zudem bauen Unternehmen in Alberta Kapazitäten auf: Entos errichtet in Edmonton eine Produktions- und For- schungsstätte für genetische Arzneimittel. Da sich das Projekt in der Vorbereitung befindet, stehen zentrale Beschaffungsrunden an. Für deutsche Anbieter bestehen daher in der aktuellen Pla- nungs und frühen Implemen- tierungsphase ausgezeichnete Einstiegsmöglichkeiten. An der Atlantikküste setzt Nova Scotia mit dem Neptune BioInnovation Centre auf

Ontario bleibt Zentrum der kanadischen Bio-

pharmazie: Sanofi eröffnete 2024 in Toronto eine Impf- stofffabrik, eine zweite Anlage für einen Influenza-Impfstoff ist derzeit im Hochlauf. Da diese 2027 mit der Produktion startet, laufen derzeit Beschaf- fungen für Abfüll‑ und Verpackungstechnik sowie digitale Rückverfolgung – mit entsprechenden Einstiegs- chancen für spezialisierte Anbieter. Hamilton entwickelt sich zum Standort für Zell und Gentherapien. OmniaBio hat dort 2024 eine Produktions- anlage eröffnet, in der künst- liche Intelligenz (KI) und Robotik in automatisierte Abläufe integriert sind. Auch AtomVie baut in Hamilton seine Kapazitäten im Bereich Radiopharma aus. Die neue Anlage, ausgelegt auf strahlge- schützte und sterile Prozesse, soll die Produktion deutlich steigern. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an präzise Technik, zuverlässigen Service und belastbare Quali- fizierungsnachweise. Da das Ausbauprojekt noch läuft und

1.000 BRANCHEN- UNTERNEHMEN zählt der kanadische Biotech-Sektor. Die wichtigsten Cluster befinden sich in Toronto, Vancouver, Montreal und Calgary.

QUELLE: BIOTECANADA+

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IHK Global Business 03/2026

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