IHK-Global Business Ausgabe 3/2026

WACHSTUMSMÄRKTE

7,5 Prozent auf rund 8,7 Milliarden Euro. Auch im Jahr 2025 verzeich- neten die deutschen Ausfuhren ein weiteres Plus von 2,3 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro. Ein Blick in die detaillierte Warenstatistik verdeut- licht die Stärken der deutschen Indus- trie vor Ort. An der Spitze stehen klas- sische Investitionsgüter: Maschinen und mechanische Geräte bildeten mit einem Exportwert von rund 1,8 Milli- arden Euro das Rückgrat des Handels. Dicht dahinter folgen Kraftfahrzeuge und Teile mit 1,4 Milliarden Euro sowie pharmazeutische Erzeugnisse, die mit 1,0 Milliarden Euro einen Spitzenwert erreichten. Auch chemi- sche Erzeugnisse und Elektrotechnik bleiben gefragte Dauerbrenner. Für deutsche Unternehmen, ins- besondere aus dem Anlagenbau, der Gesundheitstechnologie und dem Bausektor, bietet das Königreich ein stabiles Umfeld mit hoher Kaufkraft. Die Herausforderung besteht darin, die lokale Präsenz zu stärken und die Transformation im Rahmen der „Vision 2030“ aktiv mitzugestalten. Saudi-Arabien ist längst kein reiner Abnehmer von Industriegütern mehr, sondern ein Partner für komplexe Systemlösungen in einem der dyna- mischsten Märkte weltweit. Brasilien: Mäßiges Wachstum mit guten Aussichten Mit 1,6 Prozent setzt sich das Wachstum der brasilianischen Wirtschaft 2026 fort, allerdings langsamer als im vergangenen Jahr (2,5 Prozent). Ab 2027 rechnet der IWF wieder mit einer stärkeren Dynamik und prognostiziert ein reales BIP-Wachstum von 2,3 Prozent. Die langfristigen Aussichten bleiben daher auch über das Wahljahr 2026 hinaus gut. Die umfassende Steuer- reform trägt dazu bei, Bürokratie abzubauen und verbessert die Voraussetzungen für eine grüne Reindustrialisierung. Besonders wachstumsstark sind das Agribusi- ness und die Nahrungsmittelindust- rie, aber auch Bergbau, Kfz-Industrie, Bauwirtschaft, Gesundheitswirt- schaft, Verteidigungsindustrie und der Bereich der erneuerbaren Ener- gien.

Wachstumstreiber Agribusiness und erneuerbare Energie: Brasilien setzt in der Land- wirtschaft verstärkt auf Wind- und Solarstrom, um auch in Dürrezeiten von Wasserkraft unabhängig zu sein.

Das Agribusiness bleibt trotz Schwankungen ein wichtiger Wachs- tumsmotor. 2025 erzielte die Branche einen deutlicher Zuwachs von etwa 8 Prozent. Im Jahr 2026 dürfte sich das Wachstum mit prognostizierten 2 bis 3 Prozent vorerst verlangsamen. Auch die Industrie entwickelt sich insgesamt schwächer, doch zeigen sich je nach Sektor große Unter- schiede. Während die verarbeitende Industrie kaum wächst, legt die Roh- stoffindustrie deutlich zu. Impulse kommen dabei aus dem Öl- und Gassektor, dem Bergbau sowie aus Infrastrukturprojekten, die auch 2026 eine tragende Rolle spielen. Als größter Gesundheitsmarkt Lateinamerikas verzeichnet Brasi- lien eine hohe Nachfrage im Bereich Medizintechnik. Der demografische Wandel wird in den kommenden Jahrzehnten zu weiter steigenden Gesundheitsausgaben führen – und damit auch zu Absatzchancen für internationale Anbieter. Zudem ist Brasilien bei erneuer- baren Energien ein gigantischer Wachstumsmarkt. Insgesamt nimmt Lateinamerika bei der Energiewen-

de einen Spitzenplatz ein. Dabei ist Brasilien der mit Abstand wichtigste Windenergiemarkt in der Region, und auch die Photovoltaik-Kapazitä- ten wachsen. Künftig soll der Ausbau und die Modernisierung der Über- tragungs- und Vertriebsnetze voran- getrieben werden. Kosteneffiziente Energiespeicher- und Management- systeme rücken in den Vordergrund und bieten deutschen Anbietern von Netztechnik, Speicherlösungen oder Steuerungssoftware konkrete Chan- cen. Mittelfristig kommt man bei stra- tegischen Überlegungen an Brasilien nicht vorbei. Sollte das EU-Mercosur- Abkommen in den nächsten Jahren vorläufig oder vollständig in Kraft treten, eröffnet dies nochmals ganz neue Chancen durch einen einfache- ren Marktzugang. Polen: Wachstumsmarkt vor der Haustür

Nahe am deutschen Markt und mit industrieller Tiefe bleibt das

Nachbarland auch 2026 einer der dynamischsten Wachstumsmärkte

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IHK Global Business 03/2026

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