IHK-Global Business Ausgabe 3/2026

EUROPA

POLEN Pharmamarkt bietet gute Chancen

bungs- und apothekenpflichtige Präparate. Das sind 73 Arzneimittel mehr als ein Jahr zuvor. In der Praxis erhalten vor allem preisgünstige Generika eine Erstattung, während innovati- ve und kostenintensive Medikamente höhere Hürden überwinden müssen. Häufig verlangt das Gesundheitsministerium zusätzliche soge- nannte Risk-Sharing-Vereinbarungen, bei denen Hersteller sich an Mehrkosten beteiligen, wenn vereinbarte Erstattungsbudgets überschritten werden. Der polnische Arzneimittelmarkt ist auch auf- grund seiner Größe attraktiv. Polen zählt rund 38 Millionen Einwohner, die Bevölkerung altert, und Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck nehmen zu. Vor diesem Hinter- grund rechnet die Marktberatungsagentur Fitch Solutions bis 2029 mit einem durchschnitt- lichen jährlichen Umsatzwachstum von 5,4 Prozent bei pharmazeutischen Erzeugnissen. Positiv für Hersteller patentgeschützter Arznei- mittel ist, dass Polen zunehmend innovative Medikamente erstattet, unter anderem in der Onkologie, Neurologie sowie bei seltenen Krank- heiten. Deutschland ist der wichtigste Lieferant Polens für pharmazeutische Erzeugnisse. Mit einem Anteil von 18,8 Prozent an den gesamten Pharmaimporten liegt Deutschland deutlich vor allen anderen Herkunftsländern. Polen ist bei der Arzneimittelversorgung stark auf Importe angewiesen. Entsprechend sind zahlreiche deut- sche Pharmaunternehmen im Land präsent, vor allem mit Vertriebs-, Marketing- und Verwal- tungseinheiten. Einzelne Hersteller produzieren auch bereits vor Ort. Die Rahmenbedingungen für den Markt- zugang entsprechen weitgehend den europäi- schen Vorgaben. Neben nationalen Zulassungs- verfahren über die zuständige Behörde URPL können Unternehmen auch die EU-weiten Verfahren nutzen, etwa über die Europäische Arzneimittelagentur EMA. Für ausländische Anbieter gelten damit vergleichbare regulatori- sche Voraussetzungen wie in anderen EU-Mit- gliedstaaten. GTAI/IHK Die Liste der erstattungsfähigen Medikamente ist auf der Website des polnischen Gesundheitsmi- nisteriums veröffentlicht:

Dynamischer Markt: Der steigende Wohlstand, die alternde Bevölkerung und höhere öffentliche Gesundheitsausgaben lassen die Nachfrage nach Arzneimitteln in Polen wachsen.

Steigende staatliche Mittel für das Ge- sundheitssystem führen in Polen zu einer wachsenden Nachfrage nach Arzneimitteln und erhöhen die Attraktivität des Marktes für ausländische Anbieter. Für 2026 sieht das Haushaltsgesetz öffentliche Gesundheitsausga- ben von rund 59 Milliarden Euro vor, ein Plus von 6 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr – und damit ein Rekordniveau. Enthalten sind sowohl die beitragsfinanzierten Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse NFZ (Narodowy Fundusz Zdrowia) als auch steigende Zuschüsse aus dem Staatshaushalt. Für Pharmaunternehmen besonders relevant ist das Erstattungsbudget. Die Mittel der NFZ für Arzneimittelerstattungen steigen um mehr als 780 Millionen Euro auf insgesamt rund 7,3 Milliarden Euro. Damit verbessert sich die Chance, dass weitere Präparate in die Erstat- tungsliste aufgenommen werden. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten, lösen Patienten Rezepte häufiger ein, was dem Absatz von Pharmaprodukten einen deutlichen Impuls gibt. Zwischen 2025 und 2026 hat das Gesund- heitsministerium die Liste der erstattungs- fähigen Medikamente erneut erweitert. Anfang 2026 umfasste sie insgesamt 4.146 verschrei-

18,8% DER PHARMAIMPORTE in Polen kommen aus Deutschland. QUELLE: G TAI

 gov.pl/web/zdrowie/obwieszczenia-ministra- zdrowia-lista-lekow-refundowanych

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IHK Global Business 03/2026

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