BiBo_KW14_2021

OBERWI L

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8. APRIL 2021 | NR. 14

«Wir essen viel zu oft aus Frust und Langeweile» Es war am 18. März, als ich ein E-Mail erhielt, das so begann: «Mein Name ist Daniela Bodmer. Ich komme ursprünglich aus München, lebe aber seit vielen Jahren in Oberwil und lese im- mer gerne den BiBo.» Und die restlichen gut 25 Zeilen «fessel- ten» mich, weil hinter dem Schreiben eine Frau steht, die viel erlebt und noch mehr zu bieten/sagen hat.

auch wenn es enorme Anstrengungen abverlangt – darauf verzichten können und müssen. Beim Essen geht das nicht, denn es ist ein physio- logisches Grundbedürfnis. Ausserdem ist nicht das Essen an sich das Problem, sondern unsere Einstellung dazu. Das Überessen-Überwin- den-Programm verändert diese Einstellung in drei Schritten: • Selbstbefreiung: Zunächst werden Sie auf eine intuitive respektive bedarfsorientierte Ernährung eingestimmt. Dazu ist es wichtig, sich erstmal von der vorherrschenden Diätkultur loszusagen sowie Frie- den mit Ihrem Essverhalten und Ihrer Figur zu schliessen. • Selbsternährung: Hier lernen Sie, wie Sie sich aus Ihrem Drang, zu überessen, förmlich herausessen können. Denn der Schlüssel zur Gesundung von Ihrem Essproblem liegt im Essen selbst. Zusätzlich beschäftigen wir uns mit all Ihren Fragen und Bedenken zumThema intuitives Essen. • Selbstkompetenz: Während der dritten Phase lernen Sie sich noch ein wenig besser kennen.Wir veranschaulichen, wie Sie etwas, das Sie einmal als negatives Verhalten – «Ihren grossen Appetit» – gedacht haben, in ein positives Verhalten verwandeln können. Auf meiner Webseite steht ein Büchlein kostenfrei zum Download bereit, in dem die Philosophie von Überessen-Überwinden etwas präziser erklärt wird. Stimmen Sie der These zu, dass Übergewicht längst eine Art «Volkskrankheit» geworden ist? Ist – als Beispiel – «Junkfood» mitunter ein (Haupt-)Grund dafür? Natürlich! Und das weltweit. Junkfood per se hat nichts Schlechtes, wenn man hin und wieder mal dazu greift, aber wir greifen permanent zu Convenience-Food. Das sind Lebensmittel, die sehr oft mehr als 30 Zusatzstoffe aufweisen – wie soll das noch gesund sein? Es ist heute leider bei vielen Menschen die Ausnahme, mal einen Apfel zu geniessen, einfachWasser zu trinken oder nur dann zu essen, wenn sie wirklich physiologischen Hunger verspüren. Wir essen viel zu oft aus Frust und Langeweile oder um gesellschaftliche Pflichten zu erfüllen und haben vergessen, auf die Bedürfnisse unserer Körper zu hören. Sie wohnten einst in Bottmingen, nun sind Sie in Oberwil wohn- haft und haben in Therwil Ihr eigenes Geschäft eröffnet – wie würden Sie einem Ortsfremden das «BiBo-Land» beschreiben/ schildern? Das einzigartige «BiBo-Land» liegt sehr nah und südlich von Basel und ist mit sehr vielen sonnigen Tage gesegnet. Die Menschen in diesem Tal sind sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. Sie lassen einen sehr bald spüren, dass man auch als «Fremder» (Auswärtiger) hier willkommen ist. Im Birsig- und Leimental lässt sich das ruhige Dorfleben genies- sen – und man ist doch komplett auf den neusten Stand. Es ist mir ein Anliegen, Frau Bodmer (vielen Dank, Daniela) für dieses profunde Interview, zu einer Thematik, welche oft tabuisiert wird, herzlichst zu danken.Würde ich Tennis spielen, würde ich Frau Bodmer für ein Mixed-Doppel bitten… und die Hoffnung bleibt, dass irgend- wann im Laufe der nächsten Zeit ein «käffele» in einer der Oberwiler oder Therwiler Gastronomiestätten möglich sein wird.  Georges Küng

Mit Baujahr 1961 und als Sportinteressierter sowie Sportjournalist dämmerte es mir sofort, dass sich hinter dem Namen «Daniela Bodmer» ein einstiges Tenniswunderkind verbirgt, dem man eine Kar- riere à la Steffi Graf voraussagte. Im folgenden Interview steht jedoch nicht der «Weisse Sport» im Fokus, sondern etwas, das viele junge Frauen (weniger die Jungs) ereilt.

BiBo: Dürfen wir ein paar Eckdaten zu Ihrer Person und den beruflichen Werdegang erfahren?

Daniela Bodmer: Ich wurde 1973 in München geboren. Von 1987 bis 1995 war ich Tennis- profi, danach war ich bis 1999 WTA-Tour- Coach.Von 2008 bis 2020 war ich Head Coach im Tennisclub BIZ (Bottmingen). Meine Berufsausbildung: 1998 bis 1999: Aus- bildung als Heilpraktikerin für Psychotherapie (HPG) – 2000 bis 2002: Overcoming Overea- ting-Ausbildung in New York – 2017 bis 2021: Ausbildung Feldenkrais Bewusstheit durch Be-

wegung. Von 2002 bis 2008 war ich in der Overcoming Overeating Praxis in München tätig. Ab 2009 bis 2014 arbeitete ich in Basel in der Praxis von Dr. Marz Herz (glücklich Abnehmen mit Kindern). Seit 2021 erfolgte die Wiederaufnahme der Praxis «Überessen-Überwinden» in Therwil. Essen tun wir in der Regel täglich (teils mehrmals). Sie litten als Kind/Jugendliche an Essstörungen (Bulimie). Können oder wol- len Sie uns verraten, wo die Ursachen für Essstörungen liegen? Essstörungen sind multifaktoriell bedingt und haben somit nie nur eine Ursache. Die Suche danach ist dennoch notwendig für die Gene- sung des Betroffenen, um die Entstehung der Erkrankung zu verstehen und um beeinflussbare Faktoren positiv zu verändern. Mögliche Aus- löser sind: Biologische Ursachen, wie zum Beispiel genetische Disposi- tion; individuelle Ursachen, wie geringes Selbstwertgefühl, hoher Per- fektionismus, Schwierigkeiten bei Stressbewältigung; familiäre Ursa- chen wie das Fehlen positiver Vorbilder in Bezug auf Essverhalten oder Figur, Übernahme von zu viel Verantwortung (zum Beispiel alleinerzie- hend nach Scheidung), fehlende Streitkultur; soziokulturelle Ursachen wie vorherrschende Schönheitsideale, Vergleich unter Gleichaltrigen, Mobbing oder negative Kommentare und Lebensmittel, die süchtig machen. Als Betroffene war ich nicht in der Lage, die Ursachen meiner Ess- störung selbst zu erkennen und zu bekämpfen. Heute weiss ich genau, woran es damals gelegen hat: Als ehemaliges Tenniswunderkind war der Druck für mich einfach zu gross. Meine Eltern hatten als Gastro- nomen nicht die finanzielle Freiheit, um mich bei meinem Sport zu

begleiten. Ich war immer von meinen Sponsoren und dem Tennisver- band abhängig.Ab meinem 12. Lebensjahr war ich ständig auf Tour, oft alleine und ohne Elternhaus. Sie waren schon in sehr jungen Jahren Tennisprofi und schafften es bis zur WTA-Nummer 200. Gegen welche Weltgrössen haben Sie gespielt? Ich hatte die Ehre, mit der Serbin und Weltnummer 1 Monica Seles zu spielen; aber auch mit Barbara Rittner, Anke Huber (beide Deutsch- land), Brenda Schultz (USA), Iva Majoli (Kroatien) und der Österreiche- rin Barbara Schett habe ich mich duelliert. Nach meinerWTA-Laufbahn spielte ich noch einige Jahre in der 1. Bundesliga der Frauen. Zurück in die Gegenwart: Die Pandemie ist allgegenwärtig. Haben Homeoffice, möglicher Jobverlust und Existenzängste denn direkte Auswirkungen/Folgen auf unser Essverhalten? Es gilt nicht für alle, aber für einige von uns hat die Pandemie ganz sicher dieWirkung eines Brandbeschleunigers. Sehen Sie: Sich zu über- essen wirkt auf den ersten Blick destruktiv, ist aber immer eine Art von Hilfeschrei und Versuch zur Selbsthilfe zugleich. Sie haben ein Programmmit demTitel «Überessen überwinden» entwickelt. Können Sie uns hierzu mehr sagen? Für Nicht-Betroffene ist es kaum nachzuvollziehen, wie schwer der Kreislauf einer Essstörung zu durchbrechen ist. Essstörungen sind eine Sucht. Der Unterschied zu Zigaretten oder Alkohol aber ist, dass wir –

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Es war am 12. März 2020, als Christian Kern und Iwan Schweizer in Bottmingen (beim Kreisel) einen kleinen, aber fei- nen Weinladen (Wylaade) eröffneten. Drei Tage später erfolgte der erste Lock- down. Und seitdem ist für die Gastro- nomie, aber auch für sehr viele KMUs, nichts mehr so wie früher. Christian Kern ist Oberwiler, war Ex- Spitzensportler (Rollhockey) und ein Voll- blut-Gewerbler. Sein Geschäftspartner ist ein renommierter Weinkenner – und allen Widerwärtiggkeiten zum Trotz: Für viele Menschen ist ein feiner Tropfen Re- bensaft mehr als «nur» trinken – es ist Genuss, Kulinarik, ja eine Lebensphilo- sophie. Und Oberwil darf sich freuen – seit dem 1. April (und das ist mitunter kein Aprilscherz) haben die Herren Kern und

Schweizer an der Hauptstrasse 31, im Herzen des «Schnäggedorfes», ihre neue Lokalität eröffnet. Eine grössere Ladenfläche, noch grössere Auswahl und – was insbesondere viele Kunden freut – mit Parkplätzen direkt neben dem Laden. Die Eröffnung des Wylaade Oberwil fand am 1. und 3. April 2021 statt. Wir waren an diesem Ostersams- tag, der korrekt aber Karsamstag heisst vor Ort. Und trafen viele bekannte Ge- sichter aus dem ganzen Leimental an (siehe auch unsere Zweitchronik im re- daktionellen Teil von Therwil). «Unser Angebot soll nicht nur das Angebot im Dorf selbst bereichern, sondern wir möchten auch weiterhin mit dem be- währten Konzept von ‹komm als Inter- essent, werde Gast und gehe als Freund› überzeugen», so Christian Kern.

Der BiBo konnte sich, natürlich un- ter Beachtung sämtlicher Schutzmass- nahmen, vom grossen Angebot (mit vielen bei uns unbekannten Weinen, die Trouvailles sind) überzeugen. Wir trafen alt Bürgerratspräsident Werner Rufi an, der mit «Chris» Kern posierte. Iwan Schweitzer ist ein absoluter Wein- kenner – mit Fachwissen, und doch ver- ständlich, wird er die immer grösser werdende Kundschaft beraten. Und es ist ein starkes Zeichen, dass gerade in diesen so schweren Zeiten, wo viele Gewerbetreibende akut um ihre Existenz bangen, Gewerbler wie Kern und Schweizer innovativ-kreativ eine neue Lokalität eröffnen und damit zeigen: Wir sind und bleiben optimis- tisch. Sie doch auch?  Georges Küng

Berghilfe-Projekt Nr.8418: Neuer Dorfladen stärkt den Zusammenhalt.

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