Flüchtlinge an Bord gewesen, darunter über 100 Frauen und Kinder. Sie war bis ins Mark erschüttert und versuchte, die Lähmung abzuschütteln. Ich bin die Bürgermeisterin und ich muss die Hilfe koordinieren, schoss es ihr in den Sinn. Ich bin sehr gut darin, Dinge zu organisieren, einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn andere kopflos und aufgeregt sind. Das hatte sie schon als Kind getan, wenn sie sich um ihre Geschwister kümmern musste. „ Sergio ruf die Küstenwache an !“ rief sie ihrem Sekretär zu. „ Sag ihnen, dass wir 324 Menschen im Wasser haben ! Carlos, wie viele Boote könnt ihr rausschicken? Fahrt bitte immer in 2er Teams und achtet darauf, dass ihr nicht von zu vielen Menschen gleichzeitig erreicht werdet, damit ihr nicht kentert. Werft ihnen zuerst Schwimmwesten ins Wasser! Filippo, fahre mit dem Megafon mit und beruhige die Menschen! Wenn sie in Panik ausbrechen, wird es auch für euch lebensgefährlich! Maria und Carla, organisiert Schwimmwesten, Decken und Wasser, damit wir die Geretteten versorgen können! Sergio und ich koordinieren alles und sind jederzeit mobil zu erreichen. Alle, die helfen können, sollen sich bei Sergio melden !“ Sie musste kurz innehalten. Bestimmt hatte sie das Wichtigste vergessen. Einige wenige Afrikaner saßen erschöpft am Ufer. Sie waren völlig entkräftet und manche von ihnen beteten, weil sie das rettende Ufer erreicht hatten. An dieser Stelle vom Meer gab es unangenehme Strömungen und scharfkantige Klippen. Es war schwer, ins und aus dem Wasser zu kommen. Die Schnittwunden müssen versorgt werden. Sie rief Theresa der Ärztin zu, ob sie ein Team zur Erstversorgung der Geretteten aufstellen könne. So eine Katastrophe hatten sie hier auf ihrer beschaulichen kleinen Insel noch nie erlebt. Erste Leichen wurden ans Ufer geschwemmt. Oh Gott, so viele Kinder! Das ertrage ich nicht! Sie musste sich zusammenreißen, wusste aber schon jetzt, dass sie diese Bilder so schnell nicht würde vergessen können. Und die Seenotrettung ist von der EU eingestellt worden, sodass im schlimmsten Fall immer öfter Boote stranden würden, dachte sie und ballte vor Wut die Fäuste. Sie hatte gelesen, dass eine neue Mittelmeerroute über ihre Insel gehen sollte. Tatsächlich waren in den letzten Wochen vereinzelt Boote gelandet, aber seit zwei Wochen riss der Strom der Flüchtlingsboote nicht ab. They all came rushing as word spread through the villages—news of a capsized boat. A boat, or rather a nutshell, crammed with refugees. A survivor from Somalia, speaking fragments of English, had said there had been 324 souls on board—over a hundred of them women and children. She was shaken to the core, struggling to shake off the paralysis. I am the mayor. I must coordinate the rescue, she told herself. This is what I do best: organizing, keeping a cool head when others lose theirs. She had done it since childhood, when she had cared for her younger siblings. “Sergio, call the coast guard!” she shouted to her secretary. “Tell them we have 324 people in the water!”
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