I closed my eyes and turned my head to the side, burying my nose in the coolness of the pillow once more, wanting to hide from myself and the day, but the rain pattering loudly on the tall bamboo outside in the garden kept me awake. It was my first day off in weeks and I fervently wished it had started with a different feeling. Shame. Of all things. I found it hard to shake it off because there was something to my mother's words in the dream - it didn't help that in reality, of course, it wasn't a topic of conversation between us. And it also didn't help that, in my mid-50s, I generally didn't let this topic affect me in my everyday life. I reached for the empty red wine glass on the floor next to the bed and couldn't stop myself from sniffing it; disgusted, I put it back and pulled the covers over my head.
Christiane H. Schleidt, Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie Munich
Am ersten April zog eine kleine alte Frau in die Wohnung neben an. Als ich morgens erwachte und noch verschlafen im Bett lag, hörte ich in der Wohnung neben mir Geräusche, die mir unbekannt waren. Eigentlich war diese Wohnung unbewohnt und ich war verwirrt über die Laute, die da zu mir drangen. Zuerst dachte ich, ich würde träumen. Ich träumte, dass eine Hexe auf einem Besen am Fenster vorbeiflog. Aber dann sah ich, dass es Vögel waren. Wahrscheinlich bin ich kurz wieder eingeschlafen. Als ich wieder erwachte, hörte ich ein rhythmisches Klopfen. Waren das Morse-Signale? Was war die Botschaft? War es ein Aprilscherz? Klopfte da jemand mit einem Besenstil gegen die Decke? Jetzt war es wieder still. Ich begann zu überlegen, warum die Wohnung neben uns schon seit so vielen Jahren unbewohnt war. Ich selbst wohnte erst seit drei Jahren hier in diesem Haus und es hieß immer, die Besitzer können sich nicht einigen und deshalb würde die Wohnung nicht vermietet. Eigentlich hatte ich immer schon den Verdacht, dass die Wohnung in Wirklichkeit bewohnt war, denn ein Fenster stand ab der Dämmerung meist offen und morgens waren dann sogar die Fensterläden verschlossen. Aber es war dann doch nie so wichtig gewesen, als dass ich mit jemandem im Haus darüber geredet hätte. Und irgendwie beruhigte es mich immer, dass es so eine Art Geheimnis neben uns gab. Jetzt war die Beruhigung vorbei und leise Angst kroch durch mich. Ich dachte daran, dass ich beim Renovieren unserer Wohnung unter einer Türschwelle ein Foto entdeckt hatte, auf dem eine kleine alte Frau zu sehen war, die neben einem uniformierten Mann mit Spitzkappe aus dem ersten Weltkrieg zu sehen war. Die Frau hatte gelächelt und man sah einen Leiterwagen mit allen möglichen Dingen, der neben ihr stand. Und der Mann sah eigentlich auch freundlich aus. Das Foto
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