Writing Workshop at Lisbon Congress

Aber war es überhaupt ein Gefühl? Es war doch viel mehr ein dicker fetter, vielleicht schleimiger Klumpen, der da in seinem Hals steckte. Immer wieder versuchte er, ihn hinunterzuschlucken – denn ausspucken erschien ihm in dieser Situation doch eher fehl am Platz. Schließlich stand er hier auf der Bühne, für alle sichtbar, am Mikrophon… Das wäre ohne Frage ein eher absurder Anblick für diese feinen Pinkel dort unten, die ihn alle so erwartungsvoll anstarrten, wenn er hier und jetzt tatsächlich diesen glitschigen, schleimigen, stinkenden Klumpen ausspucken würde. Sicherlich würde auf der Bühne eine rotzige Schleimspur entstehen und alles würde glitschig flimmern und fluoreszieren und… Hach! Was für eine Vorstellung! JUST AS HE WAS ABOUT TO ADDRESS THE ASSEMBLED GUESTS, HE LOST HIS VOICE . He never thought this would happen to him. He didn't know this feeling at all. He had heard others talk about it and knew that such strange phenomena existed – but he had never really been able to understand it and had always claimed that these other weaklings were acting stupid or putting on some kind of show. Now he was in this dilemma himself. But was it even a feeling? It was more like a thick, fat, perhaps slimy lump stuck in his throat. He kept trying to swallow it – because spitting it out seemed rather inappropriate in this situation. After all, he was standing here on stage, visible to everyone, at the microphone... It would undoubtedly be a rather absurd sight for the posh people down there, who were all staring at him expectantly, if he were to actually spit out this slippery, slimy, stinking lump here and now. Surely a snotty trail of mucus would appear on the stage and everything would glisten and fluoresce and... Hah! What a performance! IHRE AUFMERKSAMKEIT WURDE AUF EIN STÜCK PAPIER AUF DEM SCHREIBTISCH GELENKT . Was war es, was es ihr ins Auge springen ließ? Warum das Papier, warum nicht irgendwelche andern Details in diesem Zimmer? Das Zimmer war voll von interessanten Möbeln und Teppichen, Gemälden an den Wänden und Spiegeln, die den Raum größer erscheinen ließen als er tatsächlich war. Er wirkte wie ein Raum in einem alten Schloss, einem Palast aus einer anderen Zeit. Doch alles war so ordentlich und symmetrisch angeordnet, dass es wohl eher einem Museum ähnelte, unbewohnt, unlebendig. Wenn nicht dieses Papier gewesen wäre. Es fügte sich so gar nicht in dieses Stillleben ein. Es wirkte einfach so dahin geworfen oder geflattert, achtlos fallengelassen. Es brachte Unordnung in diese vorherrschende Ordnung. Ja, das war der Grund, warum sie sich plötzlich sicher war: Das Papier musste der Schlüssel sein, den sie all die Jahre gesucht hatte. Der Schlüssel, der ihr endlich den entscheidenden Hinweis geben konnte, wie sie in das magische Land ihrer Kindheit zurückkehren konnte. Sie hatte Angst. Daher zögerte sie noch. Aber zugleich machte sich tief in ihr drin die absolute Gewissheit breit, dass sie es wieder tun würde. Sie würde gehen, um Isabella – wenn es sie dort noch gab, wenn sie dort noch lebendig war – zu retten.

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