Writing Workshop at Lisbon Congress

bench and wrote in my diary in English words: ‘The morning started with heavy rain.’ Yes, sometimes I found it easier to express difficult things in English words. And what else could you say about this Sunday morning other than that it was difficult/heavy? [3] Then I added another sentence with a light touch and in German words: ‘Mein Schwersinn rettet mir heute das Leben!’ [4] Last night's microwave lasagne was still sitting heavy in my stomach and my head was throbbing heavily from the bottle of wine I'd knocked back around midnight. Lightheartedly, I thought to myself: You don't treat yourself to anything else! [1] Leichtsinn = recklessness - literal translation: ‘light sense’ [2] ‘Schwersinn’ is not an official German word. It is reminiscent of the word ‘Schwermut’, which means ‘melancholy’ and is intended here as a play on words. [3] In German, ‘difficult’ and ‘heavy’ are the same word: ‘schwer’ - Similarly, ‘easy’ and ‘light’ are the same word: ‘leicht’ - In this text, I constantly play with these words. [4] = ‘My melancholy is saving my life today!‘

Julia Gerlach, DPG/German Psychoanalytic Society

Am 1. April zog eine kleine alte Frau in die Wohnung nebenan. Zuerst dachte ich, das ist ein Aprilscherz. Mir war ein junger Italiener versprochen worden, attraktiv, charmant und lebensfroh. Und jetzt das. Ich sah aus dem Fenster und beobachtete, wie sie dem Umzugswagen hinterherschaute. Einen Moment stand sie ganz still da, dann drehte sie sich um und sah nach oben, direkt zu meinem Fenster. Erschrocken wich ich ein Stück zurück, schritt aber gleich wieder nach vorne und hob zögerlich die Hand zu einem kleinen Winken. Sie verzog keine Miene, ihre dunklen Augenbrauen waren zusammengezogen, kritisch prüfend starrte sie mich an. Dann bückte sie sich, nahm den großen Korb der neben ihr auf dem Gehsteig stand, randvoll gefüllt mit roten. Äpfeln, und machte sich , leicht gebeugt, auf den Weg ins Haus. Von oben blickte ich auf ihren streng gezogenen grauen Scheitel und die im Nacken zusammengebundenen grauen Haare. „Eine Hexe!“ dachte ich erschrocken und lauschte auf die langsamen Schritte, die von der Stiege her zu hören waren. Das alte Holz knarrte vernehmlich. Wie magisch angezogen, bewegte ich mich durch den Flur zur Wohnungstür. Zögerlich drückte ich die Klinke herunter, öffnete und sah ins Treppenhaus.

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