IHK-Global Business Ausgabe 8-9/2026

ASIEN-PAZIFIK

VIETNAM Stahlindustrie wächst stark

Vietnam zählt zu den größten Stahlproduzenten weltweit und exportiert jährlich Millionen Tonnen Stahl. Mit der im Februar 2026 verabschiedeten Entwick- lungsstrategie für den Stahlsektor verfolgt die Regierung nun zwei zentrale Ziele: Sie soll mehr Wertschöpfung im Inland schaffen und grüner werden. Nach Schätzungen der Vietnam Steel Association (VSA) deckt die heimische Industrie derzeit lediglich 60 bis 65 Prozent des Inlandsbedarfs. Einfacher Baustahl (Lang- stahl) und verzinkte Bleche bilden traditionell das Kern- geschäft der vietnamesischen Stahlindustrie, daher gilt Vietnam bei einfachem Baustahl weitgehend als autark. Bei technologisch anspruchsvolleren Produkten besteht jedoch weiterhin eine große Lücke. Rund 40 Prozent des Bedarfs an Warmband werden importiert. Spezial- und Schienenstahl sogar vollständig. Bis 2030 soll der Anteil der heimischen Produktion am Inlandsbedarf auf 80 bis 85 Prozent steigen, bis 2035 auf bis zu 90 Prozent. Die Strategie nennt ausdrücklich Pro- duktgruppen, deren lokale Herstellung ausgebaut werden soll. Darunter Schienenstahl für Hochgeschwindigkeits- bahnen, Legierungs- und Werkzeugstähle für die Industrie, hochfeste Stahlbleche, korrosionsbeständige Edelstähle, Stahl für den Schiffbau, Windkrafttürme sowie nahtlose Rohre für Energieprojekte. Für deutsche Anbieter eröffnen sich dadurch Geschäfts- möglichkeiten. Vietnamesische Großprojekte setzen auf europäische Spitzentechnologie. Gefragt sind Walz- und Prozesstechnik, Automatisierung, Energieeffizienz, Quali- tätskontrolle sowie die Erfassung von Emissionsdaten. Auch bei Maschinen zur Stahlverarbeitung ist Vietnam

Nationale Entwicklungsstrategie: Die Produktion für Schienenstahl soll künftig im eigenen Land aufgebaut werden. Das bietet Chancen für deutsche Technologieanbieter.

auf Importe angewiesen. Es gibt nur wenige lokale An- bieter. Für neue Investitionsprojekte fordert die nationale Entwicklungsstrategie moderne, energieeffiziente und umweltfreundliche Technologien. Allerdings gelten die Ge- schäftsbedingungen als schwierig. Inflation und Konkur- renzdruck schmälern die Finanzkraft vieler Unternehmen. Auch die Nachfrage nach neuen Spezialstählen ist nicht gesichert. GTAI/IHK

TAIWAN Hohes Wachstum gestützt durch KI

Aus deutscher Sicht bleiben im Jahr 2026 Lieferungen von Maschinen für die Halbleiterproduktion und von Präzisionsinstrumenten nach Taiwan die wichtigsten Wachstumstreiber. Dies gilt auch, obwohl Taiwans Importe deutscher Erzeugnisse im 1. Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 5,5 Prozent sanken. Gleichzeitig stie- gen Taiwans Exporte nach Deutschland um 28,3 Prozent. Beide Seiten richten ihren Handel auf mehr Resilienz in den Lieferketten aus und suchen in Zukunftsfeldern neue Anknüpfungspunkte für Wachstum. Nicht überra- schend setzen deutsche Firmen sehr hohe Erwartungen in die Entwicklung rund um KI und Halbleiter, gefolgt von guten Aussichten bei Energie und Rohstoffen, Luft-/ Raumfahrt und Sicherheit sowie Maschinenbau/Automa- tisierung. GTAI/IHK

Taiwans Wirtschaftswachstum wird getragen von einem starken Außenhandel, dessen Zuwachsraten sich 2026 und 2027 voraussichtlich weiterhin im zweistelligen Bereich bewegen werden. Auf anhaltend hohe Exportdynamik weist der starke Anstieg der Exportbestellungen hin. Zweistellig zulegen werden 2026 auch die wertmäßigen Importe. Taiwan ist auf die Einfuhr vieler Rohstoffe und Vorprodukte für die Produktion angewiesen. Deren Weltmarktpreise tendie- ren aufgrund des Krieges in der Straße von Hormus nach oben. Dies betrifft eine Vielzahl von Branchen, die beispielsweise auf Inputs wie Naphta, Urea und weitere petrochemische Zwischenprodukte sowie auf andere Vorprodukte wie etwa Aluminium und Speicherchips angewiesen sind.

15

IHK Global Business 08-09/2026

ihk.de/rhein-neckar

Made with FlippingBook Learn more on our blog