GROSSBRITANNIEN
das Vereinigte Königreich großen Modernisierungsbedarf hat und poli- tisch investieren will: Infrastruktur, Energie, Wasserwirtschaft, Mobilität, Digitalisierung, Gesundheitswirt- schaft, Maschinenbau, Industrieaus- rüstung, Sicherheits- und Verteidi- gungstechnologien sowie Lösungen für klimafreundliche Produktion. Für Unternehmen können sich daraus Chancen ergeben – vorausgesetzt, Marktpotenzial und regulatorische Anforderungen werden von Anfang an zusammengedacht. Gerade die von Burnham angekün- digte Agenda könnte neue Ansatz- punkte bieten. Wenn öffentliche Be- schaffung zunehmend zur Stärkung der britischen Industrie genutzt wird, entstehen zwar möglicherweise neue Anforderungen an lokale Wertschöp- fung. Gleichzeitig können deutsche Zulieferer, Technologiepartner und Investoren profitieren, wenn sie früh- zeitig Kooperationen aufbauen, Lie- ferketten anpassen oder ihre Präsenz vor Ort stärken. Zwischen Aufbruch und Unsicherheit Burnhams Amtsantritt markiert mehr als einen weiteren Regierungs- wechsel. Er steht für den Versuch, nach Jahren politischer Instabilität einen neuen Kurs einzuschlagen – so- zialer, regionaler, stärker industriepo- litisch geprägt. Ob daraus tatsächlich wirtschaftliche Dynamik entsteht,
Regeln verlässlicher? Werden Inves- titionen erleichtert? Wird der Handel mit dem Vereinigten Königreich wieder planbarer? Gerade der Mittel- stand braucht keine großen Verspre- chen, sondern klare Verfahren und praxistaugliche Lösungen. Wirtschaftliche Folgen des Brexits halten an Der Regierungswechsel fällt in eine Phase, in der die wirtschaftlichen Folgen des Brexits weiterhin deut- lich spürbar sind. Zehn Jahre nach dem Referendum ist der EU-Austritt für beide Seiten des Kanals keine Erfolgsgeschichte. Das Vereinigte Königreich bleibt für Deutschland zwar ein bedeutender Markt, hat im Ranking der Handelspartner aber an Gewicht verloren. In der betrieblichen Praxis zeigt sich der Brexit vor allem dort, wo früher Routinen waren: bei Zollformalitäten, Ursprungsregeln, Konformitätsbewertungen, Einfuhr- kontrollen und unterschiedlichen regulatorischen Vorgaben. Seit dem offiziellen EU-Austritt bildet das Handels- und Koopera- tionsabkommen (TCA) zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich die Grund- lage der Wirtschaftsbeziehungen. Es ersetzt aber nicht die frühere Tiefe des Binnenmarkts. Für Unternehmen heißt das: Das UK-Geschäft ist weiter- hin möglich – aber es braucht mehr Vorbereitung, mehr Dokumentation und häufig mehr Beratung. Besonders sichtbar sind die Folgen im Warenverkehr. Zollanmeldungen, Nachweise zum präferenziellen Ur- sprung und zusätzliche Dokumentati- onspflichten gehören inzwischen zum Alltag. Auch Dienstleistungen sind komplexer geworden: Für vorüber- gehende Arbeitseinsätze, Montage, Wartung oder Schulungen können Aufenthalts-, Arbeits- und Quali- fikationsfragen entscheidend sein. Was früher oft kurzfristig organisiert wurde, verlangt heute mehr Vorlauf. Annäherung mit wirtschaftlichem Potenzial Gleichzeitig wächst auf beiden Sei- ten das Interesse an einer pragmati-
schen Annäherung. Die EU bleibt der wichtigste Wirtschaftsraum für das Vereinigte Königreich, und umgekehrt ist das UK weiterhin ein zentraler Partner Europas. Geopolitische Kri- sen, Sicherheitsfragen, Energieversor- gung und industrielle Transformation sprechen für eine engere Zusammen- arbeit. Aus Sicht der Wirtschaft wäre eine Vertiefung der Beziehungen vor allem dann wertvoll, wenn sie im All- tag der Betriebe ankommt: weniger doppelte Nachweise, klarere Verfah- ren, verlässlichere Fristen und ein besserer Informationsfluss zwischen Behörden und Unternehmen. Beim letzten EU-UK-Gipfel wurden Felder benannt, in denen Fortschritte möglich sind. Dazu gehören ein ge- meinsamer Bereich für Gesundheits- und Pflanzenschutz, die Verknüpfung der Emissionshandelssysteme, eine engere Energiekooperation und Ge- spräche über die Teilnahme des Ver- einigten Königreichs am Elektrizitäts- binnenmarkt der EU. Ein Abbau von Kontrollen und Zertifikaten im Agrar- und Lebensmittelbereich könnte Unternehmen spürbar entlasten. Eine Verbindung der Emissionshandelssys- teme könnte zudem helfen, Doppel- belastungen durch CO 2 -Grenzaus- gleichsmechanismen zu vermeiden. Ein Markt mit Nähe und Chancen Trotz aller Hürden bleibt der britische Markt attraktiv. Das gilt besonders für Branchen, in denen
Kommt neuer Schwung für Exporte nach UK? Handelsentwicklung zwischen Deutschland und Großbritannien 2015 – 2025 (in Milliarden Euro)
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Exporte von Deutschland nach Großbritannien Importe aus Großbritannien nach Deutschland
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