IHK-Global Business Ausgabe 10/2026

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POLEN IT-Standort: Know-how schlägt Kostenvorteil

Nach Angaben des Branchen- verbands ABSL wandern aus Shared-Service-Centern vor allem einfache Tätigkeiten ab. Grund sind die gestiegenen Lohnkosten in Polen. Hin- zu kommt der Druck durch künstliche Intelligenz (KI). Dienstleistungszentren setzen laut ABSL verstärkt KI-Anwen- dungen ein, was zum Teil mit Stellenstreichungen einher- geht. Betroffen sind vor allem Junior-Positionen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach er- fahrenen IT-Fachkräften hoch. Das Jobportal Just Join IT re- gistrierte im 1. Halbjahr 2026 rund 86 Prozent mehr Stellen- anzeigen als im Vorjahreszeit- raum. Hoch im Kurs stehen Entwickler mit mehrjähriger Berufserfahrung. Nur rund 5 Prozent der Stellenanzeigen richteten sich an Berufsein- steiger. Zugleich gehört die Arbeitslosenquote in Polen weiterhin zu den niedrigsten in Europa. Im März 2026 lag sie laut Eurostat bei 3,3 Prozent. Für Unternehmen bleibt die Suche nach erfahrenen IT-Spe- zialisten damit anspruchsvoll. Der IT-Standort verändert sein Profil. Niedrige Kosten stehen nicht mehr im Vorder- grund. Gleichzeitig wächst die Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte, internationale Aufträge nehmen zu und pol- nische Teams übernehmen anspruchsvollere Aufgaben. Für deutsche Unternehmen bleibt das Land deshalb so- wohl als Beschaffungsmarkt für IT-Dienstleistungen als auch als Standort für eigene Entwicklungsaktivitäten inte- ressant. GTAI/IHK

Mehr als Kosten: Qualifizierte Fachkräfte und technisches Know- how gewinnen für Polens IT-Standort an Bedeutung. Be- sonders erfahrene Entwickler sind gefragt.

Hochschulen bringen damit jedes Jahr mehr IT-Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt. Viele IT-Unternehmen siedeln sich in der Nähe großer Univer- sitäten an. Laut dem Branchen- verband für Dienstleistungs- zentren ABSL arbeitet rund die Hälfte aller IT-Beschäftigten in den drei Großstädten War- schau, Krakau und Wrocław. Damit konzentriert sich ein großer Teil des Fachkräfteange- bots auf wenige Standorte. Wie polnisches Know-how in der Praxis genutzt wird, zeigen Kooperationen mit deutschen Unternehmen. Spyrosoft arbeitet seit Jahren mit Vor- werk zusammen und entwi- ckelte gemeinsam mit dessen Ingenieuren die Bedienoberflä- che des Thermomix TM7. Die IT-Tochter von dm betreibt in Wrocław einen eigenen Stand- ort. Inzwischen übernimmt die polnische Tochtergesellschaft eigenständig ganze Projekte. Polnische IT-Dienstleister entwickeln für ihre Kunden so- wohl komplette Anwendungen als auch Lösungen gemeinsam mit bestehenden Teams der Auftraggeber.

Polens IT-Branche befindet sich im Aufwind. Die Zahl der Anbieter von Programmierdienstleistungen stieg laut nationaler Statistikbe- hörde GUS zwischen 2022 und 2025 um 21 Prozent. Die Umsätze legten im gleichen Zeitraum um 47,8 Prozent zu. Internationale Projekte tragen zu dieser Entwicklung bei. Deutsche Auftraggeber bestell- ten 2025 IT-Dienstleistungen aus Polen für rund 1,8 Milliar- den Euro. Der Wert hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als vervierfacht. Dabei ist Polen im IT-Sektor längst kein klassischer Nied- riglohnstandort mehr. 2025 lag der mittlere Jahresverdienst von Softwareentwicklern bei rund 52.000 Euro und damit nur etwa ein Drittel unter dem deutschen Niveau. Dass Polens IT-Branche trotzdem wächst, hängt mit der Verfügbarkeit von Fachkräften zusammen. Laut Eurostat schlossen 2024 insgesamt 20.628 Studierende in Polen ein Bachelor- oder Masterstudium der Informatik ab. Das waren 31,7 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Die

42,8 PROZENT beträgt der Ex- portanteil an allen Umsätzen in Polens IT-Industrie.

QUELLE: GTAI

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