EUROPA
FINNLAND Hotspot für Datenzentren und KI-Fabriken
Finnland entwickelt sich zu einem dynamischen Markt für Rechenzentren in Nordeuropa. Investitio- nen in Milliardenhöhe schaffen Chancen weit über Servertechnik hinaus. Bis 2030 könnte Finnland zu einem wichtigen Knotenpunkt digitaler Infrastruktur im Norden Europas werden. Viele neue Anlagen sind auf Training und Betrieb künstlicher Intelligenz ausgelegt. Zusätzlichen Schub geben Cloud-Dienste und Datenhosting innerhalb der EU. Rechenleistung könnte stark steigen Die Finnish Data Center Association (FDCA) schätzte im Herbst 2025, dass die Kapazität finnischer Rechenzent- ren bis 2030 auf rund 1.200 Megawatt wachsen könnte. Grundlage sind bekannte Investitionsentscheidungen von etwa 12 Milliarden Euro. Werden weitere Absichten einbezogen, könnten bis 2035 insgesamt 3.400 Megawatt entstehen. Seitdem haben internationale Investoren wei- tere Projekte angekündigt. Die Prognose dürfte daher nach Einschätzung der FDCA nach oben korrigiert werden. Grünstrom lockt Investoren Datenzentren benötigen große Strommengen. Finnland bietet bislang ausreichend sauberen Strom zu wettbe- werbsfähigen Preisen. Dabei stammte bereits 2025 mehr als die Hälfte der Stromproduktion aus erneuerbaren Quel- len. Der frühere Industriestromsteuersatz für Rechenzentren wurde abgeschafft. Seit Juli 2026 gilt der reguläre Tarif. Um Investitionen weiter anzuziehen, diskutiert die Regie- rung befristete Rückerstattungen, etwa bei Nutzung von Abwärme. Stromverbrauch könnte sich bis 2035 verdoppeln Das starke Netz ermöglicht meist schnelle Anschlüsse. Regional entstehen aber Engpässe: Der finnische Netz- betreiber Fingrid musste 2025 in Teilen Südfinnlands den Anschluss für neue Großkunden mit mehr als 10 Megawatt Leistungsbedarf einschränken. Neue Leitungen sollen ab 2027 mehr Strom in den Süden bringen. Mit Investitionen von rund 5,2 Milliarden Euro will Fingrid das Übertragungsnetz ausbauen. Der Netzbetreiber erwartet, dass sich der Stromverbrauch Finnlands bis 2035 verdoppeln könnte. Dabei weichen bereits erste Investoren auf stromreiche Regionen aus. An der Westküste schafft Windkraft zudem bereits hohe Erzeugungskapazitäten; weitere Projekte sind genehmigt.
Mehr als Servertechnik: Neue Datenzentren für Cloud- und KI-Anwendungen machen Finnland zu einem boomenden Markt für technische Infrastruktur.
Rechenzentren benötigen mehr als IT-Hardware Ein großer Teil der Investitionen fließt in technische und bauliche Infrastruktur: Strom- und Notstromanlagen, Küh- lung, Wärmerückgewinnung, Brand- und Zutrittsschutz, Gebäudemanagement und Datenverbindungen. Chancen ergeben sich auch bei Planung, Bau, Energieoptimierung und Betriebssoftware. DC Market Insights bezifferte den finnischen Markt für Rechenzentrumsinfrastruktur 2025 auf etwa 389 Millio- nen Euro. Bis 2035 könnte er auf rund 885 Millionen Euro wachsen. Der Boom ist im finnischen Elektrogroßhandel bereits spürbar. Der Branchenverband STK meldete im 1. Halbjahr 2026 eine deutlich höhere Nachfrage nach Kabeln, Schalt- anlagen und ähnlicher Ausrüstung. Auch deutsche Anbieter profitieren. Rittal lieferte für ein neues Datenzentrum von DNA in Lahti unter anderem Serverkabinette, Klimaanlagen, Warmgangeinhausung und Türautomatisierung. Weitere deutsche Unternehmen wie Siemens oder Ziehl-Abegg sind ebenfalls im finnischen Markt erfolgreich. GTAI/IHK
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IHK Global Business 10/2026
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