Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Kontinuität und Stabilität der Komponenten der Realitätsbeziehung. Die Spezifikation einer als Realitätsverarbeitung (Robbins & Sadow 1974) bezeichneten Entwicklungslinie unterstreicht den Erwerb komplexerer Aspekte der inneren und äußeren Realität, der aus deren Interaktion resultiert. Ein damit eng zusammenhängendes Konzept ist der „Realitätssinn“. Paul Federn (1926) beschrieb ein auf dem Gewahrsein der Ich-Grenzen beruhendes Ich- Gefühl, das der Wahrnehmung der Innen-Außen-Unterscheidung zugrunde liegt, also nicht mit einer beurteilenden und vergleichenden Realitätsprüfung identisch ist. Relativ intakte Ich-Grenzen sind für eine zutreffende Realitätsprüfung unabdingbar (Federn 1926; Kernberg 1967). Die Realitätsprüfung ist intellektueller, rationaler und konzeptueller, der Realitätssinn hingegen emotionaler, intuitiver und in höherem Maße wahrnehmungsbezogen. „Die Realitätsprüfung findet ihr Material in den Bedingungen der Erfahrung, während der Realitätssinn die Erfahrung an sich betrifft“ (Weisman 1958, S. 246). III Bdb. Ich-Stärke(n) Ich-Stärken unterscheiden sich von den basalen Ich-Funktionen und sind durch Aufschub und Kontrollfähigkeiten definiert. Zu ihnen zählen: • Impulskontrolle – i.e., Aufschub der Befriedigung oraler, sexueller und feindselig-destruktiver Wünsche; • Affektregulation – die Fähigkeit, starke Affekte zu ertragen, ohne Abwehrmechanismen zu aktivieren; • Kontrolle von Mechanismen des Primärvorgangs – Fernhalten vom Bewusstsein (Bellak et al., 1973; Kernberg, 1975); • Spannungstoleranz (für innere Konflikte), Frustrationstoleranz (Warten auf äußere Gratifikationen) & Toleranz für (emotionalen und körperlichen) Schmerz (Blackman, 2010):

Entwicklung von Sublimierungsmöglichkeiten (Kernberg, 1975) für Triebwünsche;

Phantasieren als Probehandeln (Hartmann, 1964);

Adaptive Regression im Dienste des Ichs (Kris 1952, ARISE – Bellak 1989), und der Entwicklung (Blos, Sr.); dem Primärvorgang wird partiell Zugang zum Bewusstsein gewährt, z.B. im Spiel mit kleinen Kindern oder wenn man einen Witz erzählt, künstlerisch tätig ist oder sich in psychoanalytische Behandlung begibt; Die Reizschranke (Esman, 1983) – ermöglicht fokussiertes Nachdenken, Konzentration und Arbeit.

131

Made with FlippingBook - Online magazine maker