Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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Kommunikationstheorie. Er versteht Krankheit als eine Veränderung des Lern- und Kommunikationsprozesses, die zu einem Defizit in der Realitätsanpassung des Individuums führt. Seine Lektüre Roman Jakobsons, Jürgen Rueschs und Gregory Batesons ermöglichte es ihm in Verbindung mit seiner Kenntnis der kleinianischen Theorie, die Prävalenz unterschiedlicher Kommunikationsstile bei unterschiedlichen Patiententypen zu kategorisieren. Liberman arbeitete mit semiotischen und linguistischen Instrumenten, um die Analysestunde zu untersuchen. Er war überzeugt, dass die Psychoanalyse eine Wissenschaft mit empirischer Basis ist, die a) während der Sitzung vom Therapeuten am Patienten und b) im Patienten, im Therapeuten oder in der Verbindung untersucht werden kann. Liberman verstand die Analytiker-Patient- Beziehung als Kombination verbaler und nonverbaler Äußerungsstile, die der klinischen Arbeit zuträglich sein oder sie erschweren können. Silvia Bleichmar (S. Bleichmar 1985, 1993, 2000, 2002, 2005, 2006a, 2006b, 2007, 2008, 2009 a, 2009b, 2009c, 2010, 2011, 2014, 2016) betrachtete die Ethik und die Beziehung zwischen dem Biologischen und dem Sozialen als wichtige Forschungsthemen. Sie erläutert die Produktion von Subjektivität nicht als psychoanalytisches, sondern als soziologisches Konzept – gebunden an die Art und Weise, wie Gesellschaften die Modi der Konstituierung von Subjekten determinieren, die sich in Systeme, die ihnen einen Platz garantieren, integrieren können. Sie ist konstituierend oder „instituierend“, wie Castoriadis-Aulagnier (1975) es vielleicht ausdrücken würde, und hängt mit einer Reihe von Elementen zusammen, die ein sozial akzeptables historisches Subjekt hervorbringen können. Weiterhin gibt es eine Psyche, deren Zusammenhalt auf Abwehr und Verdrängung beruht. Die Psychoanalyse kann auf die Konzepte der Abwehr und Verdrängung nicht verzichten. Sie ist nicht auf die Produktion historischer Subjektivität beschränkt und hängt mit der Art und Weise zusammen, wie Subjekte konstituiert werden (S. Bleichmar 2003). Terencio Gioia (1996) fokussierte auf die Theorie der Triebe und ihre Entsprechungen in der Ethologie. Nachdrücklich bestritt er die Existenz eines Todestriebs. Er stützte seine klinischen Schlussfolgerungen auf Bowlbys und Peterfreunds Theorien und vertrat die These, dass Hass und Aggression durch Angst erzeugt würden und nicht umgekehrt. Hugo Bleichmar (1997, 2000), argentinischer Autor, der in Madrid lebte, formulierte in den 1990er Jahren das Modular Transformational Model, ein Modell des psychischen Funktionierens, das auf der Koexistenz unterschiedlicher Motivationssysteme beruht, z.B. dem Narzissmus, der Selbst- und der Heteroerhaltung, der Bindung und den Sinnlichkeits-/Sexualsystemen. Er nahm an, dass das Unbewusste eine „komplexe Struktur mit Modulen“ sei, „die unterschiedlichen Operationsgesetzen gehorchen, unterschiedlichen Ursprungs sind und unterschiedliche Inhalte haben, deren Inskriptionen über variable Grade der Darstellbarkeit und der Besetzungsintensität verfügen“ (H. Bleichmar 1997, S. 14).

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