Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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Bleichmar ist nicht länger der Meinung, dass das Unbewusste auf homogene Weise operiert, sondern nimmt an, dass die verschiedenen, durch sekundäre Inskription, primäre Inskription oder Non-Inskription entstandenen Module oder Systeme für die unterschiedlichen Operationsmodi verantwortlich sind. Er unterscheidet fünf Typen des Unbewussten: ein Unbewusstes, das Interaktionen erzeugt, eines, das Identifizierungen generiert, eines, in dem die Verdrängung überwiegt (das Verdrängte), eines, in dem andere Operationsmodi überwiegen, und ein deaktiviertes Unbewusstes. Bleichmar behauptet, dass das modulare Modell dem Homogenitätsprinzip der psychoanalytischen Theorie widerspricht. Er erkennt in Freuds Werk zwei Konzeptionen, nämlich die modulare Konzeption und die Homogenitätskonzeption, die abwechselnd dominieren. Das Homogenitätsprinzip taucht in der evolutionären Konzeption der psychosexuellen Entwicklung auf, die durch die libidinöse Befriedigung von Körperzonen charakterisiert ist, deren Schicksale nicht nur die Gestalt vorgeben, die die Objektbindungen annehmen, sondern auch die psychopathologischen Syndrome determinieren. Das die Homogenität charakterisierende Organisationsprinzip wird auf die Entwicklungsstufen der Libido angewendet; daraus leiten sich (anale, orale usw.) Charakterbildungen und die entsprechenden Symptomgruppen her. Das Homogenitätsprinzip beherrscht auch das therapeutische Feld. Freuds Technik konzentrierte sich auf die Bewusstmachung des Unbewussten (die Erweiterung des Bewusstseins). Er behauptete, dass etwas, das Zugang ins Bewusstsein findet, keinen unbewussten Einfluss mehr ausübe. Bleichmar wiederum betont die Signifikanz der Heterogenität, die er auf seine modulare Transformationstheorie und auf die Eigenschaften des Objekts stützt. Ein weiterer intersubjektiv relevanter Beitrag dieses Autors ist das Konzept der „leidenschaftlichen originären Überzeugungen“. Diese Überzeugungen korrespondieren mit den Auswirkungen, die die Urteile anderer Menschen lebenslang auf das Subjekt haben. Sie betreffen nicht allein Urteile, die sich in Selbstrepräsentationen verwandeln, sondern auch Regeln, die durch wichtige Andere vermittelt werden und die Konstruktion dieser mentalen Repräsentationen vorgeben. Dabei handelt es sich nicht um einfache kognitive Strukturen, sondern um Strukturen, die sich in ständiger Verbindung mit der Affektivität in einem Zwei-Wege-Prozess herausbilden. Miquel Hoffmann (2013) prägt die Entwicklung des intersubjektiven Denkens seit vielen Jahren. Sein Buch “Más allá del Yo. El Ser, la Persona” [Jenseits des Ichs: das Sein, die Person] dokumentiert diesen Beitrag. Ohne die sozialen Veränderungen zu übersehen, die den Menschen durchdringen und prägen, betont er in seiner jüngsten Buchveröffentlichung das Bedürfnis, sich die Fähigkeit zu bewahren, als reflektierendes Wesen die eigene Identität zu suchen. Hoffman hält uns dazu an, uns selbst Zeit zu widmen, um uns nach unseren Bedürfnissen, Vorlieben

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