Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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CONTAINMENT: CONTAINER-CONTAINED Tri-regionaler Eintrag Interregionale Consultants: Louis Brunet (Nordamerika);

Vera Regina Fonseca (Lateinamerika); Dimitris-James Jackson (Europa) Interregionaler Koordinierender Co-Chair: Eva D. Papiasvili (Nordamerika)

I. DEFINITION

Wilfred R. Bion verstand sein Konzept des Container-Contained als Analogie zwischen der Situation des analytischen Paares und der Stillsituation von Mutter und Säugling. Das Konzept beschreibt die Mutter nicht lediglich als Trostspenderin und Nahrungsquelle, sondern auch als aufmerksame Empfängerin der Botschaften, durch die der Säugling Unlust und emotionalen Schmerz signalisiert. Die Mutter lindert den Schmerz des Kindes und verwandelt ihn so, dass er für den Säugling handhabbar wird. Sehr allgemein formuliert, transformiert sie Unlust und Schmerz von O (in der Bedeutung namenloser Angst) in K (knowledge = Wissen), damit “das Undenbare denkbar wird”. Theoriegeschichtlich gesehen, ist das Konzept eine Erweiterung der Theorie der projektiven Identifizierung (siehe den Eintrag PROJEKTIVE IDENTIFIZIERUNG): von der Theorie einer primitiven Phantasie und entsprechenden Abwehr zur Theorie einer archaischen Kommunikationsform als unverzichtbare Voraussetzung für die Entwicklung des Denkens. Als relationales Modell des psychischen Geschehens erweitert der Containment-Prozess ein lineares Wechselspiel zwischen Container-Contained durch folgende Schritte: Ein psychischer Zustand (Inhalt) wird von einem Sender an einen Empfänger vermittelt; der Empfänger kann diesen Inhalt in sich aufnehmen – ihn “containen” – und ihn durch eigene psychische Arbeit verändern; daraufhin kann der Sender den veränderten Inhalt mitsamt der Containing-Funktion re-introjizieren. Der entwicklungspsychologische Prototyp dieses Modells ist die Mutter-Baby- Beziehung, doch das Konzept kann auch eine spezielle Art der unbewussten Kommunikation beschreiben, die in dyadischen Beziehungen und in Gruppen sowie im psychoanalytischen Prozess stattfindet. Es erleichtert zudem das Verständnis des intrapsychischen Prozesses, in dem das Individuum seine Emotionen zu containen, umzuwandeln/zu transformieren und in Worte zu fassen versucht. In einer klinischen Situation besitzt das Konzept des Containments eine besondere Bedeutung für das Verständnis der psychoanalytischen Prozesse und der

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