Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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Entwicklung des Denkens/Symbolisierens. Behandlungstechnisch bedeutet Containing mehr als nur ein stummes Ertragen des Schreiens oder anderer Schmerz- /Unlustäußerungen des Säuglings/des Patienten. Es bedeutet, dass Schmerz/Unlust nach Möglichkeit identifiziert, transformiert und gedeutet werden. Diese multidimensionale Definition spiegelt die auf den drei Kontinenten jeweils gebrächlichen regionalen Wörterbücher und Enzyklopädien wider, leitet sich aus ihnen her und erweitert sie (Lopez-Corvo 2003; Skelton 2006; Auchincloss und Samberg 2012).

II. URSPÜNGE DES KONZEPTS

Das Konzept lässt sich zurückverfolgen bis in die 1940er Jahre, als Melanie Klein und ihre Schüler Herbert Rosenfeld, Hanna Segal und Wilfred R. Bion in England die Schizophrenie klinisch erforschten. (Der Begriff “Containment” hängt auch mit W. R. Bions Erfahrung als Panzerkommandeur im 2. Weltkrieg zusammen. Im militärischen Kontext bezeichnet er die Strategie, Konflikte auf dem Schlachtfeld einzugrenzen und einzudämmen, um sie besser handhabbar zu machen, auch wenn sie nicht unbedingt zu beheben sind.) In ihrem Beitrag “Bemerkungen zu einigen schizoiden Mechanismen” erläuterte Klein (2000 [1946]) ihre Auffassung, dass die primitive frühe Lebensphase des Säuglings die pathologische Fixierungsstelle der Schizophrenie sei. Sie bezeichnete diese ersten drei Lebensmonate als “paranoid-schizoide” Position. Charakteristisch für diese Position sind Beziehungen zu Partialobjekten, Verfolgungs- und Vernichtungsängste sowie primitive Abwehrmechanismen, z.B. Spaltung, projektive Identifizierung, Verleugnung und Omnipotenz. Rosenfeld (1959, 1969) vertiefte in seinen klinischen Untersuchungen insbesondere das Verständnis der projektiven Identifizierung. Er warf Licht auf den Prozess, der sich in der infantilen, primitiven Welt des Patienten vollzieht: Patienten projizieren die inneren Objekte, Partialobjekte und konflikthaften Anteile ihres Selbst in das Objekt – in die Brust und den Körper der Mutter/des Analytikers -, damit dieses sie handhabbar macht; daraufhin werden sie durch Reintrojektion erneut verinnerlicht und zu einem Teil des Selbst, mit dem der Patient sich identifiziert. Dieser Projektions- und Reintrojektionsprozess wurde zu einem fundamentalen Bestandteil von Bions Erforschung des Container-Contained. Die ersten Hinweise auf die Container-Contained-Theorie tauchten in den 1950er Jahren in Bions Schriften auf, vor allem in seinen Abhandlungen “Die Entwicklung des schizophrenen Denkens” (2013 [1956], “Zur Unterscheidung zwischen psychotischer und nicht-psychotischer Persönlichkeit” (2013 [1957]), “Über

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