Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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Beiträge, die sowohl die Behandlungstechnik als auch die weitere Theoriebildung beeinflussten. Zu nennen sind hier u.a. R. Waelder, O. Fenichel, E. Jacobson, M. Mahler, H. Nunberg, J. Arlow, C. Brenner, L. Rangell, H. Blum. Unter Verweis auf Ernst Kris (1950) und Heinz Hartmann (1939) schrieb Jacob Arlow (1987): „Man kann die Psychoanalyse definieren als Untersuchung der menschlichen Natur unter dem Blickwinkel des Konflikts“ (S. 70). In seinem Essay über „Ich-Psychologie und moderne Strukturtheorie“ gelangte Blum (1998) zu dem Schluss, dass Ich- Psychologie „eine unglückliche Bezeichnung für eine Strukturtheorie war und eine eingekapselte ‚Ich-Psychologie‘ im wörtlichen Sinn nicht existiert“ (S. 31). In Reaktion auf die Psychologie des Es legte die Ich-Psychologie besonderen Wert auf die Beobachtung der psychischen Oberfläche als Abkömmling und Anzeichen der tieferen unbewussten Konflikte. Diese Entwicklung hing mit einem neuerlichen Interesse an dem vorbewussten und manifesten Inhalt von Phantasien, Träumen und Deckerinnerungen zusammen. Die Deutung wurde als sequentieller Prozess verstanden. Das Konzept der Deutungsschritte – von der Oberfläche in die Tiefe und „Abwehr vor Inhalt“ – unterstreicht die in den Kommunikationen des Patienten enthaltene Widerstandskomponente und repräsentiert eine stufenweise Analyse von verlängerter Dauer in der Ära nach dem Zweiten Weltkrieg. Als theoretisches Fundament diente die Strukturtheorie, die den psychischen Apparat unter dem Gesichtspunkt des Konflikts zwischen Es, Ich und Über-Ich konzipierte, dem Ich die Rolle eines Vermittlers zwischen den anderen beiden Instanzen und der Realität zuwies und nach und nach genetische, entwicklungspsychologische und adaptive Aspekte integrierte. III. Ba. Anna Freud Anna Freud arbeitete die Beteiligung der Abwehrprozesse an der Genese des Konflikts aus. 1926 war zwar klar, dass dem Konflikt zwei Dimensionen – abgewehrter Inhalt und Abwehrprozesse – eignen, doch Freud konzentrierte sich vorrangig auf den abgewehrten Inhalt. In ihrer bahnbrechenden Buchveröffentlichung Das Ich und seine Abwehrmechanismen legte Anna Freud (1936) dar, dass die Abwehrprozesse für die Konfliktgenese eine gleichermaßen wichtige Rolle spielen wie der abgewehrte Inhalt. III. Bb. Hartmann, Kris, Rapaport und Erikson Hartmann (1939, 1950) beschäftigte sich in seinen Schriften zwar hauptsächlich mit den Problemen der Anpassung und der Psychoanalyse als einer allgemeinen Psychologie, untersuchte aber auch die Konzepte der primären und sekundären Autonomie sowie das Konzept der (relativ) konfliktfreien Bereiche im Ich und den intrasystemischen Konflikt, der im Ich zwischen verschiedenen Ich- Funktionen auftaucht. Zusammen mit Kris, Rapaport und Erikson arbeitete er die

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