Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

beabsichtigte Abfuhr beurteilt. Das Selbst wird im Hinblick auf ein Angstgefühl, das Gefahr signalisiert, bzw. auf ein Gefühl der Sicherheit und Bemeisterung beurteilt. Die ubiquitäre Hintergrundaktivität, die Rangell (1963) als eine ununterbrochene Serie mikroskopischer Konflikte und innerer Probehandlungen beschreibt, kann auch unter dem Gesichtspunkt der unbewussten Phantasie erforscht werden. Arlow rückt die unbewusste Phantasie und die unbewusste Phantasiefunktion ins Zentrum seiner Untersuchung des intrapsychischen Konflikts. Hatte Freud die unbewusste Phantasie als Abkömmling eines unbewussten Wunsches betrachtet, versteht Arlow sie als Kompromissbildung mit sämtlichen Komponenten eines strukturellen Konflikts. Ebenso wie Rangell den ubiquitären, allgegenwärtigen Charakter mikroskopischer Konfliktprozesse und Probehandlungen betonte, unterstreicht Arlow (1969) den fortwährenden Einfluss, den unbewusste Phantasien auf jeden Aspekt des psychischen Geschehens ausüben, das heißt auch auf das Geschehen in den relativ konfliktfreien Bereichen. Arlow zufolge erzeugt die unbewusste Phantasieaktivität die psychische Verfasstheit, die die Gesamtheit der Wahrnehmungen und des kognitive Funktionierens organisiert. Was die Erklärung der therapeutischen Wirkung durch die zeitgenössischen Modernen Konflikttheoretiker betrifft, so lenkt Abend (2007) die Aufmerksamkeit auf die unbewussten Übertragungseinstellungen, die den unbewussten Phantasien über das psychoanalytische Setting und den Prozess entsprechen. Grays im Paradigma der Modernen Konflikttheorie beschriebene „präzise Prozessbeobachtung“ mit Blick auf die Abwehrfunktion, die verbale Kommunikationen in jeder Sitzung erfüllen, gilt der Analyse der Übertragung des Patienten und insbesondere seiner Angst vor urteilenden Reaktionen des Analytikers. Follow-up-Studien über abgeschlossene psychoanalytische Behandlungen bestätigen die heutige Auffassung, dass Konflikte nie vollständig aufgelöst werden. Selbst nach Beendigung der Analyse bleiben Konflikte als aktive und abrufbare Elemente in der Psyche erhalten. Was sich verändert, ist die Fähigkeit des Individuums, auf aktivierte Konflikte in einer besser angepassten Weise zu reagieren (Papiasvili 1995; Abend 1998). III. Bd. Objektbeziehungstheorie und Objektbeziehungskonflikt in der Strukturtheorie: Dorpat und Kernberg Theodore Dorpat (1976) führte den Begriff „Objektbeziehungskonflikt“ zur Bezeichnung einer bestimmten Form des inneren Konflikts ein, an dem eine psychische Struktur mitwirkt, die der Differenzierung von Es, Ich und Über-Ich vorgängig und weniger differenziert ist. Ein solcher Objektbeziehungskonflikt taucht auf, wenn das Individuum einen Widerstreit zwischen seinen eigenen Wünschen und seinen internalisierten Repräsentationen der Wünsche anderer Menschen ausgesetzt

198

Made with FlippingBook - Online magazine maker