Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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eines Kindes, die beide in der Shoah ermordet worden waren, verschwiegen hatte, heiratete mit 31 Jahren einen Mann, der Frau und Kind verlassen hatte. Dass sie durch die Ehe mit diesem Mann die Situation ihres Vaters reinszenierte, war ihr nicht bewusst. In der Analyse ließ sie versehentlich eine junge Katze einen ganzen Tag lang unbeaufsichtigt allein. Das Tier starb in einem überheizten Badezimmer. Später legte sie sich in einem Zimmer, in dem Gas ausströmte, schlafen. Von den Erfahrungen ihres Vaters hatte sie zu dieser Zeit keine bewusste Kenntnis. Dank der Bearbeitung der Übertragung konnten ihre unbewussten Identifizierungen mit Opfer und Täter sowie ihre unterschiedlichen Formen der Selbstbestrafung aufgedeckt werden. Schließlich wurde es auch möglich, Worte für die Familiengeschichte zu finden. IV. C. Europäische Entwicklungen und klinische Relevanz Europäische Analytiker benutzten den Begriff „Enactment“ oder „Inszenierung“ und, damit zusammenhängend, die Termini „Gegenübertragung“ und „Agieren“, um die in dem Konzept implizierten klinischen Phänomene zu beschreiben. Im Allgemeinen beschränken sie sich speziell auf die analytische Situation. In der Tat verwenden zahlreiche Europäer „Agieren“ und „Enactment“ als Synonyme. Andere hingegen verstehen das Enactment als eine Weiterentwicklung des von Freud beschriebenen Agierens (Paz 2007). Außerdem gibt es Analytiker, die zwar eine Unterscheidung zwischen Agieren und Enactment treffen, aber der Ansicht sind, dass im klinischen Feld beides, wenngleich nicht im selben Moment des analytischen Prozesses, vorkommen kann (Ponsi 2013). Sapisochin zufolge sind Enactments des analytischen Paares der Königsweg zur Einsicht in das verdrängte Unbewusste; dieses Unbewusste kann nicht verbal repräsentiert werden, findet aber Ausdruck in Form einer ideo-piktografischen Repräsentation der emotionalen Erfahrung, die der Autor als „psychische Gesten“ bezeichnet (Sapisochin 2007, 2013, 2014, 2015). Die meisten europäischen Autoren halten das Enactment des Analytikers für die Konsequenz eines Agierens oder eines Enactments seitens des Patienten. Aus diesem Grund beschreibt „Enactment“ ein Geschehen, das nicht nur mit dem Analytiker zusammenhängt, sondern auch mit dem Patienten; möglicherweise verwenden einige europäische Analytiker das Konzept vorwiegend für Verhaltensweisen sowohl des Analytikers als auch des Patienten. Manche Autoren sprechen vom „Druck“, den der Patient ausübt, um den Analytiker in ein Enactment zu verwickeln, oder von einem „Agieren“ zu diesem Zweck. Sie betrachten Enactments ebenfalls als zumindest partiell unvermeidlich, solange das, was zwischen Patient und Analytiker vor sich geht, nicht wirklich verstanden wurde (Pick 1985; Carpy 1989; O’Shaughnessy 1989; Feldman 1994; Steiner 2000, 2006).

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