Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

Entwicklung des Konzepts herausschälten, können unter dem Gesichtspunkt der anderen Konzepte, auf die sie sich beziehen, und der theoretischen Universen, aus denen sie hervorgehen, organisiert werden: „Gegenübertragung“ mit Bezugnahme auf das topische Modell des psychischen Apparats (bewusst/unbewusst); „Gegenübertragung“ mit Bezugnahme auf das Strukturmodell des psychischen Apparats (Ich-Ideal/Über-Ich, Ich, Es); „Gegenübertragung“ mit Bezugnahme auf spezifische psychische Mechanismen (Widerstand, Projektion, projektive Identifizierung, Container/Contained); „Gegenübertragung“ mit Bezugnahme auf spezifische Aspekte des analytischen Prozesses (effektives Funktionieren, emotionale Reaktion, Empathie); „Gegenübertragung“ mit Bezugnahme auf psychische Charakteristika/Grenzen des Analytikers; „Gegenübertragung“ mit Bezugnahme auf die Übertragungs-Gegenübertragungsmatrix des interpsychischen und/oder intersubjektiven Austausches oder mit Bezugnahme auf das Feld. Man kann die Gegenübertragung als ein Thema ansehen, durch das sich unterschiedliche Traditionen einander annähern und einen Beitrag zur „gemeinsamen Grundlage“ der Psychoanalyse leisten. Die Autoren mit klassisch-freudianischem Hintergrund erkennen heute an, dass der Analytiker unweigerlich vom Patienten beeinflusst wird. Analytiker aus der Tradition der Objektbeziehungstheorie betrachten die Gegenübertragung nicht mehr als exklusives Resultat der Projektionen und/oder Verschiebungen des Patienten (und als ausschließliche Widerspiegelung seiner unbewussten Prozesse), sondern erkennen sie auch als Spiegel von Tendenzen des Analytikers an. Über die Grenzen zwischen den psychoanalytischen Kulturen und den theoretischen wie auch klinischen Richtungen hinweg besteht heute ein breiter Konsens bezüglich des Einflusses, den der Behandler selbst, aber auch der Patient auf die Emotionen des Analytikers ausübt. Dieser Konsens zeugt von der vielseitigen, multifacettierten, von Grund auf menschlichen Dimension des Analytikers bei der Arbeit.

Siehe auch: CONTAINMENT: CONTAINER-CONTAINED PROJEKTIVE IDENTIFIZIERUNG (In Kürze verfügbar) ENACTMENT

78

Made with FlippingBook - Online magazine maker