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weiblichen Kastrationsangst, die durch Angst vor Entfernung der Geschlechts- und Fortpflanzungsorgane – insbesondere durch die rachsüchtige Mutter – gekennzeichnet ist. Balsam beschreibt den phallozentrischen Charakter bestimmter Aspekte einer vermeintlich „universalen“ Symbolik, während die Symbolisierung des weiblichen Körpers trotz der Assoziationen einer Patientin zumeist gar nicht als Option betrachtet wird. In ihrer Übersicht des klassischen psychoanalytischen Theoretisierens über Symbolik und Repräsentation des Körpers geht Balsam auch auf Lewins (1989 [1933]) Arbeit „Der Körper als Phallus“ (siehe oben) ein; sie betrachtet ihn als Beispiel für die Grenzen, die eine solche Voreingenommenheit des psychoanalytischen Denkens mit sich bringt: Bei den von Lewin beschriebenen Fällen handelte es sich mehrheitlich um Frauen, die symbolisch Bezug nahmen auf unbewusste weibliche und nicht männliche Körperängste , die mit dem Gebären zusammenhingen und Ausdruck in phallischen Symbolen fanden. Laut Balsam trägt ein klares Gefühl der weiblichen Kastration unter Berücksichtigung eines modernen Verständnisses primärer Weiblichkeit einschließlich emotionaler und imaginativer Anerkennung der Fortpflanzungsfunktionen des weiblichen Körpers dazu bei, weibliche Körperängste als einen präziser definierten und spezifischen symbolisierten körperlichen Referenten zu erforschen, als dies durch allgemeinere symbolische Darstellungen von Trennungsängsten möglich ist (vgl. Balsam 2018b, S. 11).
IV. D. Beispiele aus der zeitgenössischen Ich-Psychologie Charles Sarnoff
In seinem Ich-basierten Schema der Entwicklung der Symbolisierungsfähigkeit behält Charles Sarnoff (1976, 2002-2003) Jones’ enge Definition der aus der Verdrängungsarbeit auftauchenden Bildung psychoanalytischer Symbole bei. Auch er unterscheidt die primären, einfachen metaphorischen Symbole, die unmittelbar mit dem, was sie repräsentieren, zusammenhängen, von psychoanalytischen Symbolen im eigentlichen Sinn. Letztere werden durch die Verdrängung modifiziert, so dass sie die Affektivität emotionaler Konflikte weniger direkt teilen und komplexere, differenzierte und überdeterminierte Repräsentationen darstellen. Die Verdrängung transformiert metaphorische oder primäre (relativ einfache) Symbole in psychoanalytische Symbole. Dieser Punkt ist für Sarnoffs Theorie der Symbolisierung in der Latenzphase wesentlich, in der das Kind sich von den durch das Symbol vertretenen Konflikten nach und nach distanziert.
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