Handbuch Bauen und Wohnen 2026

Hausplanung

Energieeffizienz und Komfort

Passivhaus-Standard

112

Anfang der 1990er Jahre definiert und erstmals gebaut, ist das Pas - sivhaus zum Begriff geworden. 15 kWh/m²a sind die Messlatte.

ratur ab und gewährleisten damit ein behagliches Raumklima, das bei konventionellen Häusern nur durch Heizflächen an den Außen - wänden v.a. unter den Fenstern er- zielt werden kann. Luftqualität Bei herkömmlichen Zentralheizun- gen mit Vorlauftemperaturen von 60–70°C entsteht durch die von den heißen Heizkörpern aufstei - gende Warmluft eine Thermik, die die Luft wie eine Walze bewegt. Der Staub wird gleichmäßig im Raum verwirbelt. Noch verstärkt durch die ohnehin trockene Raum- luft im Winter kratzt jedes Staub- partikel dann in den Augen und im Hals. Dieses ungesunde Raumklima belastet besonders im Winter. Bei den sich über den Heizkörpern an - lagernden Schmutzfahnen wird das hygienische Problem sichtbar. Die Komfortlüftung garantiert nicht nur ständige Frischluft, die Luft wird beim Ansaugen mit hochwer- tigen Taschenfiltern gereinigt, die gerade oft hohen Feinstaubkon- zentrationen der Außenluft kom- men so wie Ruß und Pollen erst gar nicht ins Haus, ein erfreulicher Vorteil, nicht nur für Allergiker. Durch den ständigen Luftaustausch wird hohe Luftqualität sicherge- stellt und Raumluftschadstoffe si- cher abgeführt. Erholsames Schla- fen in frischer Luft ohne winterli- che Kälte, Zugerscheinungen und Lärmbelästigung wie bei offenen Fenstern wird so möglich. Hitzetauglichkeit Die Wärmedämmung schützt nicht nur vor winterlicher Kälte, sondern auch vor sommerlicher Hitze, ge - ringe Heizlasten bedeuten auch ge - ringe Kühllasten! Die richtige Ori- entierung der Fenster nach Süden

fortlüftung mit Wärmerückgewin- nung führen dazu, dass die Wär- me nur in sehr geringem Maße aus dem Gebäude entweichen kann. Theoretische Modellrechnungen und praktische Erfahrungen mit zahl- reichen Projekten haben gezeigt, dass eine solche Strategie unter mitteleuropäischen Klimabedingun­ gen grundsätzlich effizienter ist als die Strategie der Gewinnmaximie- rung der aktiven oder passiven So- larenergie. Wesentliche Wärmeverluste ent- stehen durch die Transmission durch die Gebäudehülle durch un- dichte Bauteile bzw. Bauteilan- schlüsse. Deshalb muss jedes Pas- sivhaus noch vor der Fertigstellung des Innenausbaus und vor der Ab- nahme beziehungsweise auch vor der Entlastung der verantwortli- chen Firmen auf seine Luftdicht- heit geprüft werden. Thermische Behaglichkeit Die innenliegenden Oberflächen der Außenwände und Verglasungen weichen auch bei tiefsten Außen- temperaturen höchstens um zwei Grad Celsius von der Raumtempe-

Die Zielvorgabe 15 kWh/m²a (Ener­ gieverbrauch pro m² Energiebezugs- fläche im Jahr) wurde vom Passiv - hauserfinder Prof. Dr. Feist deswe - gen festgelegt, weil mit einer sol- chen Gebäudehüllenqualität ein Haus – wenn nötig – allein über die Wohnraumlüftung und dabei ohne unangenehmen Luftzug beheizbar ist. Eine kompakte Gebäudeform und ein dicker Wärmedämmmantel führen zur Erfüllung dieser Zielvor- gabe (alternierende Vorgaben bei der Sanierung). Weiters erforderlich sind die re- lative Luftdichtheit der Gebäude- hülle und ein hochwertiges Wohn- raumlüftungssystem (siehe dazu nächste Doppelseite). Der Passivhausstatus geht nicht verloren, wenn z.B. eine Fußboden- heizung oder ein (raumluftunab- hängig betriebener) Kachelofen eingebaut wird. Auch in der Klassifizierung des ös - terreichischen Energieausweises steht die Passivhausqualität an erster Stelle. Wobei die Berech- nungsmethoden und damit z.B. auch die Grundlage für den Erhalt von Wohnbauförderungmitteln sich von Bundesland zu Bundesland un- terscheiden können. Verlustminimierung Was einmal an Wärme im Haus drinnen ist, soll dort auch bleiben: Die Optimierung der Gebäudehül- le und der Fenster sowie die Kom-

Made with FlippingBook Digital Proposal Creator