MENA/AFRIKA
GCC Krieg bremst Transformationskurs
stützten zuletzt über 85.500 Arbeitsplätze. Aktuell werden viele Messen eher verschoben als abgesagt, um Flexibilität für internationale Teilnehmer zu wahren. Dennoch bleibt eine spürbare Zurückhaltung bei Geschäftsreisen und hoch- preisigen Segmenten bestehen. Parallel zum Konjunkturab- schwung geraten die Staatsfi- nanzen unter Druck. Steigende Ausgaben für Objektschutz treffen auf Einnahmeausfälle durch beschädigte Energie- infrastruktur. Die fiskalische Resilienz variiert: Während Kuwait und die VAE auf Puffer bauen, wächst der Handlungs- druck in Saudi-Arabien und Bahrain spürbar. Das Investitionsklima leidet unter der schwindenden Wahrnehmung der Region als „sicherer Hafen“. Die Immobi- lientransaktionen in den VAE sanken im März 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent. Eine Umfrage unter Führungskräften ergab, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen Investitionskür- zungen erwägt. In Saudi-Arabi- en halbierte sich das Volumen der Auftragsvergaben auf 84,5 Milliarden US-Dollar. Trotz der Krise ergeben sich für spezialisierte Zulieferer punktuelle Chancen. Priorität haben nun Projekte in den Be- reichen Energie- und Wasser- versorgung, Logistik sowie Sicherheitstechnik. Auch der Wiederaufbau beschädigter Infrastruktur – allein Katar beziffert seine Schäden auf rund 100 Milliarden US-Dol- lar – erfordert technologi- sches Know-how. Unterneh- men müssen sich jedoch auf volatilere Märkte und steigen- de Transportkosten einstel- len. GTAI/IHK
Die wirtschaftlichen Aussichten für die
chen. Wenn Flugverbindungen ausfallen und Lieferketten stocken, geraten heute die zentralen Wachstumstreiber der Region unter Druck. Die Logistik-Hubs der Re- gion kämpfen mit massiven Störungen. An sieben großen Flughäfen wurden seit Kriegs- beginn über 21.000 Flüge gestrichen. Die verfügbare Flugkapazität lag Anfang April 2026 nur noch bei rund 60 bis 70 Prozent des Vorkriegs- niveaus. Gleichzeitig stiegen die Luftfrachtraten zwischen Südasien und Europa zeitweise um bis zu 70 Prozent. Auch der Seeverkehr stockt: Der Hafen Jebel Ali verzeichnet geringere Eingänge, während alternative Standorte wie Fudschaira die Kapazitäten nicht vollständig auffangen können. DHL mel- dete für Häfen in Oman und den VAE Verzögerungen von bis zu 12 Tagen. Auch das für deutsche Unter- nehmen wichtige Messege- schäft reagiert sensibel. Allein die Großveranstaltungen des Dubai World Trade Centre
Die Ras Laffan Raffinierie in Katar ist die wichtigste LNG-Anlage der Welt. Es wird bis zu fünf Jahre brau- chen, um sämt- liche Schäden der iranischen Angriffe zu beheben.
Staaten des Golf-Kooperations- rates (GCC) – Saudi-Arabien, Katar, VAE, Kuwait, Bahrain und Oman – haben sich im Frühjahr 2026 drastisch eingetrübt. Während die Weltbank im Januar noch von einem Wachstum von 4,4 Pro- zent ausging, korrigierte sie ihre Prognose im April auf lediglich 1,3 Prozent. Der regionale Konflikt trifft die Golfstaaten zu einem kriti- schen Zeitpunkt: Er belastet zunehmend jene Sektoren, die den langfristigen Umbau weg von der Ölabhängigkeit tragen sollen. Besonders betroffen sind die Bereiche Handel, Luftfahrt, Tourismus und das Messe- wesen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten erwirt- schaftet die Nichtölwirtschaft bereits mehr als drei Viertel des Bruttoinlandprodukts; im Emirat Dubai liegt der Ölan- teil sogar bei unter 2 Prozent. Doch genau diese Diversifizie- rung schafft neue Angriffsflä-
20 MILLIARDEN US$ geschätzte Ein- nahmeverluste pro Jahr bei LNG- Exporten durch die Schäden der Raketenangriffe allein in Katar
QUELLE: GTAI
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IHK Global Business 06/2026
ihk.de/rhein-neckar
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