Partner Hund

das darf man doch nun wirklich nicht durchgehen lassen! Oder? Sobald ein Hund aggressives Verhal- ten zeigt, und dazu gehört das Knurren, werden die meisten Menschen hektisch. Hunde dürfen in der heutigen Gesell- schaft nicht auffallen, sie müssen voll- ständig angepasst an das soziale Leben des Menschen sein. Doch aggressive Hunde fallen auf, sie sind nicht gern ge- sehen, denn sie bedeuten eine Gefahr. Und letztlich ja auch zu Recht, denn Hunde haben Zähne, mit denen sie an- dere Hunde und Menschen schwer ver- letzen können. Hunde können beißen, da gibt es nichts zu verharmlosen. Bevor ein Hund zubeißt, zeigt er jedoch un- endlich viele Abstufungen aggressiven Verhaltens. Ein Hund, der knurrt, ist al- so erst einmal nicht gefährlich, er kom- muniziert. Daher ist der Gedanke, dem Hund das Knurren zu verbieten und es mit Strafe zu unterbinden, natürlich völ- lig kontraproduktiv, denn er wird nun zukünftig zubeißen, ohne dies vorher entsprechend anzukündigen. Versteht man Knurren aber erst ein- mal nur als Kommunikation des Hundes mit dem Gegenüber, kann man ganz neutral an die Situation herangehen. Dazu muss man sich fragen: „Warum knurrt der Hund?“ Doch so einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten, denn für aggressives Verhalten gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Mit ag- gressivem Verhalten will der Hund zum Beispiel Distanz herstellen, er will damit entweder einen Eindringling vom eige- nen Territorium vertreiben oder aber sich selbst vor der Annäherung eines Feindes schützen. Aggressives Verhal- ten wird auch genutzt, um bestimmte Interessen durchzusetzen, also um den Zugang zu einer Ressource zu erhalten oder zu erlangen. Aggression lässt sich niemals mit Aggression lösen Schauen wir uns die Fallbeispiele im Kasten rechts an, zunächst einmal Lisa: Ein Hund, der knurrt, weil er eine Beute nicht hergeben will, möchte eine erbeutete Ressource verteidigen. Das ist unter Hunden ein vollkommen norma- les Verhalten. Jeder Hund einer Gruppe darf eine Beute für sich beanspruchen, ungeachtet seiner Position. Im Unter- schied zum Menschen wird der ande-

Training im Freien ist wichtig: Draußen gibt es mehr Geräusche und Ablenkungen. Signale, die zu Hause gut klappen, müssen auch unter solchen Bedingungen geübt werden

Zeigen diese Hunde dominantes Verhalten?

▷ LILLY „Sobald wir einen anderen Hund auf dem Spaziergang treffen, rennt Lilly zu ihm hin. Es dauert keine zwei Minuten und sie reitet auf dem anderen Hund auf. Dabei ist sie doch eine Hündin! Sie will einfach alle

Platz einnehmen. Selbst wenn wir dann mit ihm schimpfen, bleibt er einfach liegen. Und he- runterschieben können wir ihn mit seinen 60 kg nicht. Er versucht ständig, uns damit zu dominieren!“ ▷ LISA „Apportierspiele sind mit Lisa einfach nicht möglich. Sobald sie das Spielzeug hat, hält sie es fest und gibt es nicht mehr her. Sie macht einfach das Maul zu. Versuchen wir dann, es ihr abzunehmen, knurrt sie sogar manchmal und wird ganz steif. Halten wir trotzdem fest, zieht

und zerrt sie so lange, bis wir loslassen müssen. Sie glaubt wohl, dass ihr das Spielzeug gehört, und versucht dies mit Domi- nanz durchzusetzen.“ ▷ THEO „Beim Training in der Gruppe macht Theo nie gut mit. Eigentlich kann

anderen Hunde dominieren …“

er alle Übungen, zu Hause macht er sie

perfekt. Aber wenn die anderen Hunde dabei sind, muss er uns immer vorführen. Er ist dann so stur und ignoriert unsere Signale. Manchmal geht er sogar zum Platzrand und markiert. Da sieht man dann, wie domi- nant er ist!“

▷ MAX „Wir haben für Max ein so bequemes Körbchen gekauft, doch sobald sich die Gelegenheit bietet, springt er auf die Couch und macht sich dort breit. Er will offensichtlich unseren

JULI 2022 | PARTNER HUND 31

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