Europäische Jugendarbeit in stürmischen Zeiten Rückblick auf eine deutsch-ukrainische Online-Tagung Junge Menschen gehören zu den Opfern des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Sie sind erschöpft, aber sie geben nicht auf und sind weiterhin ein aktiver Teil der Zivilgesellschaft. Während dessen wachsen bei ihren Altersgenoss*innen in Deutschland die Zukunftsängste, die der Krieg auslöst. Wie kann im Jugendaustausch etwas Fruchtbares daraus entstehen? Eine deutsch-ukrainische Online- Tagung am 1. Oktober 2025 lieferte dafür Anhaltspunkte.
Mehr als vier Jahre sind seit Beginn des vollflächigen russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ver - gangen und ein Ende ist nicht abzusehen. Junge Men- schen haben einen großen Teil der Kriegslast zu tra- gen – als Soldat*innen an der Front, als Geflüchtete und Vertriebene im In- und Ausland und als Opfer der russischen Drohnen- und Raketenangriffe. Vero - nika Dyakovych von NUMO, einem der beiden ukrai nischen Dachverbände für Jugendorganisationen, sieht junge Menschen aber nicht ausschließlich als Opfer. 25 % engagieren sich ehrenamtlich und for - dern Mitsprache ein.
Oleksandr Starostin von der Bildungsstätte Bredbeck führt deutsch-polnisch-ukrainische Begegnungen und Seminare zum Zweiten Weltkrieg durch. „Für viele junge Menschen ist es das erste Mal, dass sie sich mit ihrer Familiengeschichte beschäftigen“, erzählte Starostin, „sie haben mit Eltern und Großeltern gesprochen und Fragen gestellt“. Auf einmal liefert die Geschichte Antworten auf die Frage „Wer bin ich?“. An guten Beispielen mangelt es also nicht. Nun kommt es darauf an, die deutsch-ukrainische Zusammen- arbeit auszuweiten. Für beide Seiten gibt es dabei etwas zu lernen, „zum Beispiel vom Mut der jungen Menschen in der Ukraine“, wie IJAB-Direktor Daniel Poli betonte. Das Interesse an der Veranstaltung war groß. Die Organisatoren – NUMO, das Deutsch-Polnische Jugendwerk und IJAB – haben bereits weitere Aktivi- täten geplant.
Viele gute Beispiele für die Zusammenarbeit
„Unser Jugendorchester spielt häufig bei Beerdigun gen von Soldaten“, berichtete Vita Kostiuk vom Jugendzentrum Keneberg im Dorf Studjanka, „das ist für die Jugendlichen oft deprimierend“. Bei ihren Auf- enthalten in Deutschland haben sie gelernt, dass ihre Musik auch Freude bereiten kann. Die THW-Jugend hat eine ukrainische Partner - organisation, die „Schule der Sicherheit“. In einer Mischung aus Training und Jugendbegegnung werden junge Menschen zu Ersthelfer*innen im Katastrophen- schutz ausgebildet. Sie sind zur Stelle, wenn russische Raketen eingeschlagen sind. Svitlana Sydorets ist stolz auf das Erreichte: „Wir bilden Multiplikator*innen aus, die ihr Wissen weitergeben. So haben wir 16.000 Erst - helfer*innen ausgebildet.“
27
Made with FlippingBook - Online catalogs