EDITORIAL
Liebe Leser*innen, seit 30 Jahren informiert und begleitet Eurodesk unter dem Dach von IJAB junge Menschen und Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe auf ih- rem Weg ins Ausland. Gleichzeitig feiert ERYICA, das europäische Netzwerk der Jugendinforma- tion, sein 40-jähriges Bestehen. Für uns ist das ein schöner Anlass, ein in Deutschland oft unter- schätztes Arbeitsfeld stärker in den Blick zu rü- cken: die Jugendinformation. Jugendinformation bietet jungen Menschen kostenfrei, niedrigschwellig und verlässlich Ori- entierung. Sie schafft Zugang zu unabhängigen Informationen, etwa zu Berufswahl, Auslandsauf- enthalten, Gesundheit, Finanzen oder Rechten. Ob Jugendinformationszentrum, Online-Portal oder spezialisierte Beratungsstelle: Jugendinfor- mation hilft dabei, den eigenen Weg zu finden und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Dabei geht es um weit mehr als Service oder Be- ratung: Es geht um das Recht junger Menschen auf Information. Der Europarat und die Euro- päische Charta der Jugendinformation betonen ausdrücklich, dass alle jungen Menschen Zugang zu verständlicher, objektiver und verlässlicher In- formation haben sollen, als Voraussetzung für ge- sellschaftliche Teilhabe, Selbstbestimmung und demokratische Beteiligung. In Europa sind die Strukturen der Jugendinfor- mation sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wäh- rend Länder wie Frankreich oder Spanien über ein dichtes Netz an Jugendinformationszentren verfügen, existieren in Deutschland nur wenige solcher Einrichtungen. In anderen europäischen Ländern gibt es kaum öffentlich geförderte Ju - gendinformation oder bestehende Strukturen werden, wie etwa in Finnland, sogar zurückge- baut.
Für diese Ausgabe von beyond haben wir mit Expert*innen aus dem Arbeitsfeld gesprochen und sie gefragt, warum Jugendinformation heu- te wichtiger denn je ist. Viele Antworten kreisen um ähnliche Herausforderungen: Desinforma- tion, politische Propaganda und ein kaum noch überschaubarer Informationsfluss im Netz er - schweren es jungen Menschen, verlässliche Informationen zu erkennen und einzuordnen. Umso wichtiger ist ein Bereich der Jugendarbeit, der täglich Orientierung, Qualität und Vertrauen schafft. Gerade in der Internationalen Jugendarbeit kommt noch ein besonderer Aspekt hinzu: Ju- gendinformation eröffnet jungen Menschen den Zugang zu einem der Grundprinzipien Europas: der Bewegungsfreiheit. Begegnungen über Gren- zen hinweg ermöglichen Erfahrungen, die prägen. Junge Menschen lernen voneinander, wachsen an neuen Perspektiven, werden widerstandsfä- higer gegenüber Vorurteilen und erleben sich als selbstwirksame Akteur*innen. Das stärkt demo- kratische Teilhabe und gesellschaftlichen Zusam - menhalt. Jugendinformation war immer eng mit technolo- gischem Wandel verbunden. Das Internet löste den Flyer ab, soziale Medien ersetzten die infor- mationelle Einbahnstraße. Nun erleben wir mit Künstlicher Intelligenz den nächsten Umbruch. Vieles wird dadurch einfacher werden. Gleich- zeitig gilt: KI ist nur so gut wie die Informationen, mit denen wir sie füttern. Und sie wird niemals die Menschen ersetzen, denen wir vertrauen, die zuhören und denen junge Menschen jede Frage stellen können, sei es in Jugendinformationszent- ren, Beratungsstellen oder Hotlines.
Daniel Poli, Direktor von IJAB
Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre.
Ihr Daniel Poli
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