IM FOKUS – Jugendinformation international
INTERVIEW
Junge Menschen brauchen Normalität Mobilitätsberatung in Kriegszeiten Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist eine enorme Herausforderung für die Jugend arbeit im Land. Einige Strukturen brachen zusammen. Dazu gehörte auch der ukrainische Zweig des europäischen Mobilitätsberatungsnetzwerks Eurodesk. Nun gibt es einen Neustart.
beyond: Herr Fediuk, mit Beginn der vollflächigen russischen Invasion im Februar 2022 brach die Mobili- tätsberatung von Eurodesk in der Ukraine zusammen. Im September 2025 gab es einen Neustart. Können Sie uns beschreiben, was geschehen ist? Vasyl Fediuk: Eurodesk war ursprünglich beim National Youth Council of Ukraine angesiedelt. Allerdings erhielt diese NGO nicht ausreichend Mittel, um Eurodesk wirk- lich bekannt zu machen. Als die vollflächige russische Invasion begann, kam die Jugendarbeit an vielen Orten zum Erliegen. Die Aktiven sind geflohen, standen unter Schock oder wurden zum Militär eingezogen. Bei Euro- desk Ukraine war das nicht anders. Nach zwei Jahren hat dann die Zentrale von Eurodesk – Eurodesk Brussels Link – beim Ministerium für Jugend und Sport der Ukraine angefragt, was los sei. Das Minis- terium wollte die Mobilitätsberatung fortführen und hat Eurodesk neu ausgeschrieben. Bei der Nationalen Qualifizierungsagentur der Ukraine, für die ich arbeite, liegen ohnehin schon die Programme Europass und Euroguidance. Ich habe gedacht: Warum sollen wir nicht auch Eurodesk übernehmen? Wir haben dann auch den Zuschlag bekommen. Seit September 2025 bin ich nationaler Koordinator für Eurodesk. Das Netzwerk in der Ukraine wiederaufzubauen ist schwierig, aber möglich.
beyond: Warum kommt die Entscheidung des Jugend- ministeriums für den Neustart von Eurodesk gerade jetzt? Eigentlich sollte man annehmen, dass die Regie- rung daran interessiert ist, dass junge Menschen im Land bleiben. Vasyl Fediuk: Nach all den harten Zeiten ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Es hört sich verrückt an, aber trotz des Krieges geht für viele das Leben normal weiter und junge Menschen brauchen Normalität. Dazu gehört der Wunsch, etwas von der Welt zu sehen. Viele junge Men- schen sind weiterhin in der Ukraine; nicht alle sind geflo - hen oder zum Militär eingezogen worden. Bei Kriegsbe- ginn war es Männern ab 18 Jahren verboten auszureisen. Diese Altersgrenze wurde im vergangenen Jahr auf 23 angehoben. Das Leben geht weiter und mit Eurodesk können wir aufzeigen, welche Möglichkeiten es im Aus- land gibt. Bewegungsfreiheit ist ein Grundprinzip der EU
beyond: Wonach fragen junge Menschen am häufigsten?
Vasyl Fediuk: Eurodesk war in der Vergangenheit nicht besonders bekannt und es gab wenig Informati- onen über Auslandsaufenthalte. Ich erinnere mich an mich selbst, als ich jünger war. Von Erasmus+ und der Möglichkeit, im Ausland zu studieren, hatte ich gehört.
30
Made with FlippingBook - Online catalogs