STANDPUNKT
Der Verantwortung gerecht werden
B aden-Württemberg hat gewählt. Die amtierende Koalition erreicht eine Zweidrittelmehrheit. Damit einher geht im Falle einer Neuauflage von Grün- Schwarz eine enorme Verantwortung: Wirtschaft war für die Wähler das Top- thema. Darauf muss sich die Regierung konzentrieren, wollen wir unseren Wohl- stand erhalten. Baden-Württemberg zeichnet zwei Beson- derheiten aus: der starke Mittelstand und die exportstarken Unternehmen. Beides steht enorm unter Druck, worauf auch die Landesregierung Antworten finden muss. Die Unternehmen sind belastet von hohen Preisen für Arbeit und Energie sowie einer überbordenden Regulierung. Für die Industrie kommen die Verwerfungen auf den Auslandsmärkten hinzu. Die Landesregierung sollte daher den Un- ternehmen Luft zum Atmen zu verschaf- fen. Das heißt weniger Regulatorik und Bürokratie, mehr Flexibilität und geringere Kosten. Sie darf an erster Stelle keine weiteren zusätzlichen Belastungen
Zudem muss die Landesregierung ihre Kernaufgaben fokussieren, vor allem in der Bildung. Die Absolventen müssen in der Breite wieder ausbildungs- und berufsreif die Schulen verlassen. Auch beim Infra- strukturerhalt und -ausbau liegt vieles im Argen. Und wir müssen ein der Welt zugewandtes Land bleiben in einem voll- endeten EU-Binnenmarkt. Vom Bund und Europa bleibt Rückenwind für die Unternehmen indes weiter aus. Im Gegenteil: So kommt ein neues Tariftreue- gesetz und das Entgelttransparenzgesetz wird verschärft. Es greift noch stärker in die Lohnfindung von kleineren und mittleren Unternehmen ein! Diesen droht perspektivisch weiteres Ungemach: Die Diskussion um die Reform der Erbschafts- steuer lässt befürchten, dass sich die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen deutlich verschlechtern werden. Nachfol- gen würde das erschweren. Und auch an der Steuerschraube wollen Teile der Politik weiterdrehen. Das zeigt, wie gering bei manchen das Problembewusstsein ist. Die IHK-Organisation arbeitet daher weiter auf allen Ebenen daran,
241,4 MILLIARDEN EURO Warenwert der Exporte aus Baden-Württemberg 2025 QUELLE: STAT. LANDESAMT
Baden-Württemberg zeichnet zwei Beson- derheiten aus: der starke Mittelstand und die exportstar- ken Unternehmen. Beides steht enorm unter Druck.
draufsatteln. Auch auf kompli- zierte Fördertöpfe für einzelne Betriebe oder Branchen soll- te sie verzichten. Kurz: Sie muss die Rahmenbedingun- gen deutlich verbessern!
politisch Verantwortlichen den Ernst der Lage zu ver- mitteln. Mein Eindruck: Im direkten Dialog klappt das am besten.
Manfred Schnabel Präsident der IHK Rhein-Neckar
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IHK Magazin Rhein-Neckar 03 | 2026
ihk.de/rhein-neckar
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