IHK-Global Business Ausgabe 11/2026

ASIEN-PAZIFIK

VIETNAM Schienenausbau soll Konjunktur ankurbeln

schaffen und die Lokalisie- rung der Wertschöpfungskette vorantreiben. Um die hohe Investitions- summe für neue Strecken zu stemmen, zeigt sich die vietnamesische Regierung offener für internationale und bilaterale Kredite. Jahrelang war sie diesbezüglich eher zurückhaltend. Bereits an deutsche Unter- nehmen vergebene Aufträge zeigen, dass der Ausbau des vietnamesischen Schienenver- kehrs Geschäftschancen bietet – etwa für Beratungsleistungen oder die Lieferung von Ausrüs- tungen für Bau und Betrieb der neuen Strecken. Die Verknüp- fung des Bahnausbaus mit in- dustriepolitischen Zielen stellt ausländische Anbieter jedoch vor zusätzliche Anforderungen. Noch ist unklar, wie und wie weit Teilbereiche lokalisiert werden können. Konkrete Vor- gaben fehlen bislang. Zudem erfordern die Großvorhaben die Zusammenarbeit mit Be- hörden und neu entstehenden privaten Projektentwicklern in Vietnam, die bei komplexen Schienenverkehrsprojekten noch wenig Erfahrung haben. Eine weitere Herausforde- rung sind die ambitionierten Zeitpläne. Die Regierung drängt auf schnelle Fort- schritte bei Planung und Umsetzung. Aufragnehmer müssen daher häufig kurze Umsetzungs- und Lieferfris- ten einhalten. Gerade bei der Beschaffung und Fertigung von Ausrüstung sowie bei komplexen technischen Syste- men kann dies zu Engpässen führen. GTAI/IHK

Schienenausbau als Wachstums- motor – zwischen 2026 und 2030 soll ein staatlich forcier- ter Infrastruktur- ausbau das Wirt- schaftswachstum in den zweistelligen Prozentbereich heben.

2026 einen Großauftrag zur Lieferung von Hochgeschwin- digkeitszügen und Signal- technik für zwei Strecken an Siemens vergeben. Gleichzeitig positioniert sich VinSpeed als Projektentwickler für fünf neue Metrolinien in der Hauptstadt Hanoi. Parallel dazu treibt die Regierung den Aufbau eines eigenen Industrieclusters für den Schienenverkehr voran. Der Bedarf ist beträchtlich. Vietnam Railways rechnet bis 2050 mit einer Nachfrage von fast 16.800 Lokomotiven, Triebzügen und Waggons. Allein für die geplante Hoch- geschwindigkeitsstrecke zwischen Hanoi und Ho-Chi- Minh-Stadt werden mehr als 120 Züge benötigt. Dafür werden 647 Millionen US$ in einen geplanten Bahnindust- riekomplex nahe Hanoi inves- tiert. Der Komplex soll zusätz- liche Fertigungskapazitäten für Ausrüstung und Komponenten

Vietnam verfolgt beim Ausbau seiner Verkehrs- netze ambitionierte Pläne. Bis 2030 sollen Projekte im Umfang von rund 200 Milliar- den US-Dollar (US$) für den Neu- und Ausbau von überre- gionalen Bahnverbindungen und städtischen Metronetzen anlaufen. Diese Investitionsoffensive markiert einen Kurswechsel im Tiefbau und in der Verkehrs- politik. Nach Jahren des prio- risierten Autobahnbaus rücken nun technisch anspruchsvol- lere Bahn- und Metrosysteme in den Mittelpunkt. Die Bahn soll künftig eine größere Rolle spielen. Derzeit beträgt ihr Anteil am Verkehrsaufkommen weniger als 1 Prozent. Bislang prägen vor allem vietnamesische Unternehmen die Entwicklung. VinSpeed, das neu gegründete Tochter- unternehmen des größten Privatkonglomerats des Landes Vingroup, hat Mitte September

NEUBAUPROJEKTE BIS 2030: Fernbahnkorridore 3.100 Kilometer 115 Millia rden US$ Metro Hanoi 372 Kilometer 59 Millia rden US$ Metro Ho-Chi- Minh-Stadt 255 Kilometer 27 Milliarden US$

QUELLE: GTAI

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