Web_SAM focus 3_22_Es lohnt sich

WAS WIR ZURÜCKLASSEN Vor fast vier Jahren sind wir in Kissidougou, Guinea, angekommen. In den ersten Wochen hat uns eine Fra- ge sehr beschäftigt: «Lohnt es sich, hier zu sein? Lohnt es sich, dass wir unsere Familie entwurzelt haben, ins- besondere unsere Kinder im Alter von neun und elf

lassen didaktisches Material und ausgebildete Personen zu- rück, die die Menschen sensibilisieren. Der Kampf gegen die Beschneidung ist ein langer und schwieriger Kampf, aber wir sind überzeugt, dass es sich lohnt, ihn fortzusetzen. In diesen vier Jahren ist unsere Partnerkirche durch eine tiefe Krise gegangen – und geht immer noch durch sie hindurch. Es gab Zeiten, in denen wir uns fragten: «Welchen Sinn hat es, Pastoren auszubilden und Leitende zu fördern?» Aber wir haben immer wieder Männer und Frauen getroffen, die Gott von ganzem Herzen dienen wollten und sein Wort in die Tat umsetzten. Auch hier lohnt es sich, mit Glauben und Hoff-

Jahren, um uns in einer kleinen Stadt im Busch, 600 km von der Hauptstadt entfernt, wiederzufin- den?» Heute lautet die Antwort ganz klar: «Ja, es hat sich gelohnt!» Im Blick auf das Familienleben hat es schwierige Momente gegeben, aber wir haben enorm viel ge- lernt, und zwar wir alle vier. Wir haben Zeiten des intensiven Austauschs und der Einheit erlebt. Wir haben zusam- mengehalten, um schwierige Phasen durchzustehen, beispielsweise wenn jemand krank war oder Mühe hat- te, Freunde zu finden, oder das Trink- wasser aus dem Hahn vermisste. Un- sere Liebe zueinander ist gewachsen, genauso wie die zu Gott, dessen Güte und Treue wir (wieder)entdeckt ha- ben. Es ist nicht leicht, alles zu verlassen, aber es lohnt sich! Im Bereich der Arbeit waren wir an der Entwicklung von Projekten unserer Partnerkirche, der Evangelisch-Protestanti- schen Kirche Guineas (EPEG), beteiligt, insbesondere für die Bekämpfung der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM). Wir durften erleben, dass viele junge Mädchen vor diesem schrecklichen Brauch bewahrt wurden. Wir haben gesehen, wie Beschneiderinnen mit dieser Tätigkeit aufhörten und wie viele Frauen und Männer verstanden, wie zerstörerisch diese Tradition ist. Wir haben gehört, wie führende NGOs, die sich in diesem Bereich einsetzen, die bedeutenden Fortschritte der EPEG lobten, während dieser Brauch in anderen Teilen des Landes nur sehr wenig zurückgedrängt werden konnte. Wir

nung dranzubleiben. Jesus Christus braucht seine Kirche, um das Salz der Erde und das Licht der Welt zu sein.

Zeitweise schien es uns, dass ein Pro- jekt nur schwer vorankam. Das war beispielsweise bei demjenigen zur Gründung von Spargruppen und Kleinstunternehmen der Fall. Den- noch konnten wir Werte wie Vertrau- en und Ehrlichkeit vermitteln und die Gruppen haben verstanden, dass Be- ziehungen die Grundlage für Erfolg sind. Auch hier hat sich die Mühe gelohnt. In der Zeit des Abschieds haben wir manchmal an den Früch- ten unseres Engagements gezweifelt. Jedoch drückten meh- rere Familien es sinngemäss so aus: «Selbst wenn ihr nur für uns nach Guinea gekommen wärt, hätte es sich gelohnt!» Dafür sind wir sehr dankbar.

Cédric Ch. Ehem. in Guinea im Einsatz

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